Musikarbeit

Stimmung und Register

1992 veröffentlichte das amerikanische Schiller-Institut in englischer Sprache das "Handbuch über die Grundlagen von Stimmung und Register". Das Buch über die Grundlagen klassischer Komposition wurde von Lyndon LaRouche angeregt. Es zeigt anhand von über 300 Notenbeispielen die Gründe auf, warum klassische Musik auf der Stimmung c’=256 Hertz beruhen muß. Es richtet sich an professionelle Musiker, Musikwissenschaftler, Lehrer und interessierte Laien.
Am 12. Februar 1996 überreichte eine Vertreterin des Schiller-Instituts Placido Domingo die englische Ausgabe des "Handbuchs", der die Arbeit mit folgenden Worten unterstützte:"Dies ist eine äußerst wichtige Initiative für die Zukunft der Oper; sie muß ohne Verzug weiter vorangetrieben werden."
1996 erschien das Handbuch in italienischer und deutscher Sprache. Im Mai und Juni 1996 wurde die italienische Ausgabe bei Konferenzen im Verdi-Haus in Mailand und im Auditorium des Päpstlichen Instituts für Geistliche Musik in Rom vorgestellt. Neben Repräsentanten des Schiller-Instituts sprachen bei dieser Konferenz der Mitherausgeber der italienischen Ausgabe Arturo Sacchetti, Organist, Dirigent und ehemaliger künstlerischer Leiter bei Radio Vatikan sowie Prof. Bruno Barosi vom Geigenbauinstitut in Cremona. Barosi berichtete über die Experimente an seinem Institut, die gezeigt haben, daß die besten Violinen (Stradivaris) für die Stimmung c’=256 Hz gebaut wurden. An der Konferenz in Rom am 9. Juni nahm der bekannte Bariton Renato Bruson teil. Er sang ein Musikbeispiel aus Verdis "Ernani" und erklärte anschließend: "Ich bin hier, um die Kampagne, zu Verdis Stimmung zurückzukehren, zu unterstützen; denn wir haben deshalb eine Krise der Stimmen. Wir haben keine echten Mezzosoprane und echten Bässe mehr, und ich hoffe, daß die Dirigenten aus diesem Beispiel ihre Lehre ziehen, da man bei a’=432 die Farbe und Weichheit des Klanges hört."
Eine weitere Konferenz des Schiller-Instituts zu diesem Thema fand unter Beteiligung von Helga und Lyndon LaRouche am 30. November 1996 in Verdis Geburtsort Busseto statt. Unter den vielen hochrangigen Konferenzteilnehmern aus dem Musik- und Kulturleben Italiens befanden sich Carlo Bergonzi, Piero Cappuccilli, Antonella Banaudi, Prof. Bruno Barosi und Maestro Arturo Sacchetti. Die Konferenz fand ein breites Medienecho in Italien. Bestellungen bitte an:

      Schiller-Institut,
      Vereinigung für Staatskunst e.V.
      Postfach 121 380
      D-30866 Laatzen
      Tel. 0511-868625
      Fax. 0511-868511
oder per email an
info@schiller-institut.de

Musikwissenschaft. Die Lohmann-Stiftung, "Stiftung zur Förderung der hohen Kunst des Gesangs", hatte im Juni 1998 zu einem Symposium nach Wiesbaden eingeladen.

Gesangstechnik und Schuberts Lieder

Die Thesen des Handbuchs über Stimmung und Register, mit dem das Schiller-Institut seit einigen Jahren die musikalische Welt buchstäblich "unsicher macht", waren auf einem Symposium der Lohmann-Stiftung für Liedgesang am 13. und 14. Juni 1998 in Wiesbaden Gegenstand lebhafter Diskussionen. Die "Stiftung zur Förderung der hohen Kunst des Gesangs" wurde 1987 gegründet, um das Werk von Paul Lohmann und Franziska Martienssen-Lohmann weiterzuführen. Sie dient vor allem der Weiterbildung von Gesangspädagogen, wendet sich aber mit den regelmäßig stattfindenden Symposien auch an Sänger und Studierende. Franziska Martienssen-Lohmann (1887-1971) war ehemals Schülerin des großen Sängers und Lehrers Johannes Messchaert gewesen, dessen Werk sie weiterführte; sie wurde zusammen mit ihrem Ehemann Paul Lohmann zu einer der gefragtesten Gesangspädagogen in Deutschland und im europäischen Ausland. Die Lohmann-Stiftung wurde 1987 von der Sängerin Prof. Hildegund Lohmann-Becker gegründet, die 1972 Paul Lohmanns zweite Ehefrau geworden war und heute in Deutschland, der Schweiz und in Skandinavien regelmäßig Gesangs-Meisterkurse abhält.

Bei diesem letzten Symposium ging es wiederum um gesangstechnische Fragen, wie der Beherrschung des sängerischen Atems. Dabei erläuterte eine ehemalige Mitarbeiterin Franziska Martienssen-Lohmanns deren Schritte zum Erlernen einer individuellen Atemtechnik, eine Lehrerin aus Berlin referierte über die Arbeit Johannes Messchaerts.

Einen zweiten Schwerpunkt bildete eine Diskussion über besondere Probleme in der Interpretation der Schubert-Lieder. Prof. Dr. Walther Dürr aus Tübingen, einer der Mitherausgeber der neuen Schubert-Ausgabe, einer "offenen Ausgabe", die dem Interpreten Aufschluß über die Entwicklung der einzelnen Lieder, der unterschiedlichen Ausgaben etc. geben soll, sprach zum Thema "Zwischen Freiheit und Regel -- Schuberts Lieder singen und spielen". Anhand zahlreicher Beispiele gab er Hinweise auf die unterschiedliche Lesart, bzw. die unterschiedlichen Auffassungen zu Interpretationsweisen von Schubert-Liedern, etwa durch Schuberts Freund Michael Vogl.

Ein Beitrag von Stephan Marienfeld vom Schiller-Institut in Düsseldorf über "Stimmung und Register am Beispiel der Schubert-Lieder" hatte zuvor für lebhafte Diskussion gesorgt. Er hatte nämlich anhand von Notenbeispielen erläutert, daß "Schubert bei seinen Kompositionen nicht nur die Partitur des Gedichts genauestens beachtet und musikalisch umgesetzt hat, sondern auch und vor allem die Natur des menschlichen Gesangsinstruments poetisch zu verwenden wußte. Schubert war ein ausgebildeter Sänger. Aus seinen Kompositionen wird ersichtlich, daß ihm die Natur der Register der menschlichen Stimme nicht nur bekannt waren, sondern, daß er ihre unterschiedlichen Farben kompositorisch bewußt einsetzt und zwar so, daß die entscheidenden poetischen Wendungen durch sie besonders beleuchtet und gewichtet werden." Beispiele, die Marienfeld dazu gebracht hatte, wie eine Stelle aus dem "Gute Nacht" aus der Winterreise, bei dem das "an dich hab ich gedacht" in der ersten Wendung auf das fis der Tenorstimme (und damit ins dritte Register) gelegt wird, während es in der zweiten resignativ-echoartigen Wendung auf dem f (und damit im zweiten Register) verbleibt -- daraus resultiert eine eindeutige Klangfarbendifferenzierung --, wurde mit Überraschung, in einigen Fällen auch mit Skepsis aufgenommen. Viele der anwesenden Sänger und Gesangslehrer zeigten sich spontan herausgefordert, die Diskussion in dieser Frage auch in Zukunft fortzusetzen.

Die wissenschaftlichen Grundlagen der Stimmung von c'=256 Hz, entsprechend einem Kammerton von 430-432 Hz, der berühmten "Verdi-Stimmung", hatte am Vortag Ortrun Cramer in einem Beitrag erläutert. Sie betonte dabei eingangs, daß das Schiller-Institut in seiner Forschungsarbeit auf das Werk großer Vorgänger zurückgreife und danach strebe, die im Werk etwa eines Johannes Kepler enthaltene Einheit der Welterkenntnis, die Einheit dessen, was wir heute als Naturwissenschaft strikt von der Geisteswissenschaft zu trennen gewohnt sind, wiederherzustellen. Sie zitierte aus der Weltharmonik, in derem dritten Buch Johannes Kepler nachweist, daß das Universum im Großen, d.h. in den Bewegungen der Planeten, deren Abständen etc. den gleichen harmonischen Proportionen folgt, die wir als musikalische Harmonien empfinden.

Kepler schreibt dazu: "Die Geometrie nämlich ... ewig wie Gott und aus dem göttlichen Geist hervorleuchtend, hat ... Gott die Bilder zur Ausgestaltung der Welt geliefert, auf daß diese die beste und schönste, dem Schöpfer ähnlichste würde. Gottes des Schöpfers Ebenbild aber sind sie nun alle, die Geister, Seelen, Vernunftwesen ..."; und weiter: "Die Seele wird froh gestimmt, wenn sie harmonische Töne, übelgelaunt, wenn sie nichtharmonische wahrnimmt. Von diesen seelischen Stimmungen rührt die Bezeichnung Konsonanzen für die harmonischen und die Bezeichnung Dissonanzen für die nichtharmonischen Proportionen her ... Alles lebt, solange diese Harmonien dauern, alles erschlafft, wenn sie gestört sind."

Die Entwicklung der Gesangskunst des Bel Canto in der Florentiner Renaissance folgte genau der in Keplers Worten ausgedrückten einheitlichen Weltsicht. Leonardo da Vinci trug mit seinen intensiven anatomischen und physiologischen Studien wesentlich zur Entwicklung des Bel Canto-Gesangs bei.

Das Handbuch der Grundlagen von Stimmung und Register ist im Böttiger-Verlag erschienen und kann von dort oder über den Buchhandel bezogen werden. ISBN 3-925725-28-8, Preis: 68,80 DM.


Mit Vorträgen und Gesang wurde im Juni 1998 in Taverne in der Schweiz die Initiative des Schiller-Instituts für die wissenschaftliche Stimmung veranschaulicht.

Verdi in der Originalstimmung

Auf einer Konferenz im schweizerischen Taverne anläßlich des 25jährigen Bestehen des örtlichen Chores haben Vertreter des Schiller-Instituts am 19. Juni 1998 das von Lyndon LaRouche initiierte Handbuch der Grundlagen von Stimmung und Register in der italienischen Fassung Canto e Diapason ausführlich vorgestellt. Etwa 80-90 Sänger, Musiker und andere Gäste waren gekommen, darunter auch der Bürgermeister der Stadt. Der Leiter der Konferenz, der Präsident des Chores, begrüßte die Redner Liliana Celani, Arturo Sacchetti und die italienische Sopranistin Antonella Banaudi. Die Solistin, die schon bei der Vorstellung von Canto e Diapason in Mailand und im November 1997 in Giuseppe Verdis Heimatort Busseto gesungen hatte, stellte zwei Arien in der originalen "Verdi-Stimmung" c'=256 Hz (a'= ca. 430 Hz) und in der heutigen, künstlich erhöhten Stimmung a'=440 Hz vor.

Liliana Celani präsentierte einige der Hauptthesen des Musikhandbuchs des Schiller-Instituts: Alle Musik, auch die instrumentale, gründe sich auf dem Belcanto-Gesang der menschlichen Singstimme, und die natürliche Verbindung zwischen Musik und Wissenschaft -- ausgedrückt etwa in der wohltemperierten Tonleiter in der Stimmung c'=256 -- müsse wiederbelebt werden. Celani berichtete von der letzten Konferenz in Busseto, an der auch LaRouche teilgenommen hatte. Zum Abschluß erklärte sie, es sei bemerkenswert, wenn in der heutigen Zeit wirtschaftlicher und kultureller Krise die Initiative für die Rückkehr zu Verdis Stimmung nicht aus der "Musikwelt" selbst komme, sondern von LaRouche, dessen Gedanken im Bereich der Wirtschaft genauso wissenschaftlich begründet seien.

Antonella Banaudi sang (wie schon in Busseto) zwei Arien von Verdi, das patriotische "Santo di patria" aus Attila und die berühmte Arie der Aida "O cieli azzurri", beide zunächst in der jetzt üblichen hohen Stimmung und dann in der Verdi-Stimmung. Dafür hatte die Stadt Taverne ein tiefgestimmtes Klavier zur Verfügung gestellt. Mit der tieferen Stimmung klangen nicht nur die hohen Töne (das dritte Gesangsregister) besser, sondern auch die tiefen: Es zeigte sich erneut, daß die Vorteile der natürlichen Stimmung für alle Stimmlagen gelten, hohe wie tiefe, denn entscheidend ist nicht, wie die höchsten Töne erreicht werden, sondern daß die natürlichen Wechsel der Stimmregister respektiert werden.

Zum Abschluß der Konferenz sprach der Organist Arturo Sacchetti, der zusammen mit Celani die italienische Fassung des Musikhandbuchs ausgearbeitet hat. Er verglich in seinem Vortrag mehrere Musikbeispiele vom Band: Auszüge aus Mozarts Requiem in Fassungen unter den Dirigenten Ricardo Muti (1987), Herbert von Karajan (1972), Bruno Walter (mit den Wiener Philharmonikern, 1937) sowie Nikolaus Harnoncourt (1982). Es wurde deutlich (besonders in der Aufnahme mit v. Karajan), daß mit einer zu hohen Stimmung nicht nur die Singstimmen überanstrengt werden, sondern auch das Tempo fast automatisch zu schnell wird und die Transparenz der Stimmen verloren geht. "Unter diesen Umständen können die Singstimmen kaum noch mit den Instrumenten mithalten", sagte Sacchetti. Die großen klassischen Komponisten aber hätten eine sehr genaue Vorstellung von Klangfarben und Registerwechseln gehabt, die nicht verändert werden dürfe. "Das ist eine moralische Frage, man darf die Intention des Komponisten nicht verfälschen", betonte er.

Sacchetti kündigte an, daß er wegen der schwachen Resonanz aus der Musikwelt hinsichtlich der Problematik der überhöhten Stimmung ein eigenes Orchester gegründet habe. Dieses wird beim "Perosi-Festival" in Tortona südlich von Mailand im September das Oratorium Mosé des italienischen Komponisten Perosi in der Verdi-Stimmung spielen. Die italienische katholische Tageszeitung Avvenire habe bereits auf dieses Konzert aufmerksam gemacht, das im Rahmen der Kampagne für die Verdi-Stimmung stattfinde, die "in Zusammenarbeit mit dem Schiller-Institut in Wiesbaden" erfolge.

Bei einem anschließenden Empfang bedankte sich der Bürgermeister von Taverne in seiner Ansprache für den "enthusiastischen und hochstehenden Besuch".


Motivführung

Mit dem im Januar 1987 in Augsburg veranstalteten Ibykus-Fest unter dem Thema: "Die Aufgaben der Kultur in einer krisenvollen Welt" begann im Schiller-Institut eine intensive Auseinandersetzung mit Fragen der künstlerischen Interpretation in der Musik. Der Primarius des Amadeus-Quartetts Prof. Norbert Brainin behandelte dieses Thema auf der Augsburger Konferenz. Mit Musikern und interessierten Laien diskutierte das Institut bei internationalen Seminaren und Konferenzen die von Lyndon LaRouche erhobene Forderung, aus wissenschaftlichen Gründen und als natürliche Voraussetzung für die Sängerstimmen zur Verdi-Stimmung von c’=256 Hz (a’=432 Hz) zurückzukehren. Ein entsprechender Gesetzesvorschlag für das italienische Parlament wurde von vielen Tausend Künstlern unterzeichnet, darunter Elly Ameling, Carlo Bergonzi, Grace Bumbry, Giuseppe di Stefano, Dietrich Fischer-Dieskau, Birgit Nilsson, Hermann Prey, Peter Schreier und Joan Sutherland.
Ein erstes Konzert in der wissenschaftlichen Stimmung findet im Dezember 1988 in München statt. Im Max-Joseph-Saal der Residenz spielten Norbert Brainin und der Pianist Günter Ludwig Violinsonaten von Schumann und Beethoven. Anhand des Adagios aus Bachs Violinsonate g-moll demonstriert Norbert Brainin eindrucksvoll die Überlegenheit der Verdi-Stimmung gegenüber der hohen Stimmung.
Es fanden sich immer mehr Künstler bereit, in der "Verdi-Stimmung" Konzerte zu geben. Die Musikarbeit des Schiller-Instituts ist auch durch verschiedene Videoaufnahmen dokumentiert. 1994 entstand mit Professor Brainin und dem Henschel-Quartett ein Lehrvideo über die "Motivführung bei Haydn und Mozart, die musikalische Revolution von 1781-86".
Seit 1996 stehen Lehrvideos über eine dreitägige Meisterklasse für Streichquartette mit Prof. Brainin vom September 1995 im slowakischen Dolná Krupá zur Verfügung. Ausgehend von einer Demonstration der Motivführung als Kompositionsmethode am Beispiel von Beethovens op. 59,2, erläutert Brainin das Quartett op. 127 und führt anschließend selbst durch die Spätwerke op. 132 und 130 und die Große Fuge op. 133. Den Abschluß der Meisterklasse bildete ein Konzert am 23. September 1995 im historischen Spiegelsaal des Primatialpalais in Bratislava. Norbert Brainin und Günter Ludwig (Klavier) spielten Sonaten von Mozart, Brahms und Beethoven.
Der Mitschnitt des Konzerts ist ebenfalls auf Video erhältlich.
Bestellungen bitte an:

      Schiller-Institut,
      Vereinigung für Staatskunst e.V.
      Postfach 121 380
      D-30866 Laatzen
      Tel. 0511-868625
      Fax. 0511-868511
oder per email an
info@schiller-institut.de

Chor und Orchester

In praktischer Umsetzung erarbeiten Laienmusiker des Schiller-Instituts aus zehn verschiedenen Ländern gemeinsam mit Studierenden des Kirchenkonservatoriums in Bratislava und einigen Berufsmusikern die Johannes-Passion von Johann Sebastian Bach in der wissenschaftlichen Stimmung c’=256 Hz. Teile davon wurden bereits im Rahmen von Gottesdiensten am 31. März 1996 in Karlsfeld bei München und am 28. März 1997 in Dalsheim bei Worms öffentlich aufgeführt.


Zurück zum Anfang