Beispiele erfolgreicher Kooperation in Afrika
I. Der Grand Ethiopian Renaissance Dam
© Büro des äthiopischen Ministerpräsidenten
Beispiel erfolgreicher Kooperation zwischen europäischen und chinesischen
Unternehmen bei Aufbauprojekten in Afrika: der Grand Ethiopian Renaissance Dam
(GERD).
Der Große Äthiopische Renaissance-Damm (Grand Ethiopian Renaissance Dam,
GERD) ist das beste Beispiel für eine erfolgreiche dreiseitige
Zusammenarbeit zwischen europäischen Unternehmen, chinesischen
Unternehmen und afrikanischen Ländern. Dieses große Infrastruktur-Bauwerk bringt
das Land auf eine höhere Ebene und erfüllt zwei dringende Bedürfnisse
Afrikas: Wasser und Strom.
Das Projekt ist etwa 700 km nordwestlich der Hauptstadt Addis Abeba in der
Region Benishangul-Gumaz am Blauen Nil gelegen. Es ist der größte Staudamm
Afrikas: 1800 m lang, 175 m hoch und mit einem Gesamtvolumen von 10 Millionen
m³. Der Stausee hat eine Fläche von 1875 km² und ein Volumen von 74 Milliarden
m³.
Das Projekt umfaßt einen Hauptdamm aus Walzbeton mit zwei Kraftwerken am Fuße
des Damms. Die Kraftwerke am rechten und linken Ufer des Flusses bestehen aus 13
Francis-Turbinen mit einer Gesamtleistung von 5150 MW, der größten in Afrika,
und einer erwarteten Stromerzeugung von 15.700 GWh/Jahr.
Das italienische Unternehmen Webuild hat den Damm gebaut, das französische
Unternehmen Alstom hat die Turbinen geliefert und installiert, und die
chinesischen Unternehmen Sinohydro, Gezhouba Group, Voith Hydro Shanghai und die
staatliche China International Water and Electricity Corporation bauten die
Stromleitungen.
Addis Abeba finanziert einen Großteil des Projekts aus eigenen Mitteln, aber
Peking stellt erhebliche Mittel für die damit verbundene Infrastruktur bereit,
insgesamt 3 Milliarden Dollar.
GERD bietet Äthiopien eine Reihe bedeutender wirtschaftlicher, sozialer und
strategischer Vorteile. Was die Energieversorgung betrifft, verdoppelt das Werk
Äthiopiens Stromerzeugung, versorgt Millionen Menschen mit Strom und ermöglicht
zusätzlich den Export von Strom in Nachbarländer. GERD unterstützt die
Elektrifizierung ländlicher Gebiete, versorgt Fabriken und Industrie mit Strom
und fördert so das Wirtschaftswachstum und die Stabilität. Der Bau des Staudamms
hat Arbeitsplätze geschaffen und Investitionen in Straßen, Übertragungsleitungen
und Telekommunikation in der Region angekurbelt.
GERD kann auch dazu beitragen, saisonale Überschwemmungen flußabwärts zu
regulieren und bei kooperativer Bewirtschaftung ganzjährig einen besseren
Wasserfluß für Bewässerung und Landwirtschaft zu gewährleisten.
II. Alstom
© Alstom
Ein erfolgreiches Projekt des französischen Bahntechnikproduzenten Alstom ist
der Bau einer Hochgeschwindigkeitsbahn in Marokko, wie hier in Tanger.
Der französische Bahntechnikproduzent Alstom baut Nahverkehrssysteme in Dakar
im Senegal und in Abidjan in der Elfenbeinküste. In Marokko
sind die vier Nahverkehrslinien in Casablanca (die Linien 3 und 4 kamen Ende
2020 hinzu) und die beiden Linien in Rabat, wo Alstom zu einer Erweiterung
bereit ist, mit Citadis-Straßenbahnen von Alstom ausgestattet. Ebenfalls im
Königreich Marokko ist die TGV-Hochgeschwindigkeits-Bahnstrecke
(Geschwindigkeit 320 km/h) Tanger-Casablanca, genannt „Al Boraq“, mit ihren
zwölf EuroDuplex-Zügen ein buchstäblich „bahnbrechender“ Maßstab für
Hochgeschwindigkeitsbahnen auf dem Kontinent.
In Ägypten erhielt der Konzern kürzlich den Zuschlag für die 876
Millionen Euro teure Modernisierung der Linie 1 der Kairoer U-Bahn, wieder mit
französischer Finanzierung, und ist auch für die geplante Linie 6 gut
positioniert. Das Megaprojekt einer Hochgeschwindigkeitsbahn ging zwar im Mai
2025 an den deutschen Siemens-Konzern, aber Alstom leitet ein Großprojekt, das
es von Bombardier übernommen hat: die Nahverkehrs-Einschienenbahn (Monorail) in
Kairo, die derzeit getestet wird. Dieses 4,5 Milliarden Dollar teure Projekt,
dessen Bauarbeiten von Orascom und Arab Contractors durchgeführt werden, umfaßt
auch den Betrieb durch Alstom für 30 Jahre.
Hinzu kommen zahlreiche Straßenbahnen in Algerien (Algier, Oran,
Constantine, Ouargla, Sétif, Sidi Bel Abbès und Mostaganem) sowie zwei
Großaufträge in Südafrika. Diese sind älter und befinden sich noch in der
Umsetzungsphase, seien es Stadtbahnen für das staatliche Bahnunternehmen PRASA
(Passenger Rail Agency of South Africa) oder Traxx-Güterlokomotiven für die
öffentliche Behörde Transnet.
Diese Aufträge haben zu einer beispiellosen industriellen Entwicklung in
Afrika geführt: Alstom installiert nicht nur Bahntechnik in Afrika, es
produziert sie auch in Afrika.
„Das besondere an Alstom im Gegensatz zu Wettbewerbern wie dem chinesischen
Unternehmen CRRC oder Siemens ist, daß das französische Unternehmen nicht nur
verkauft, sondern auch zum führenden Hersteller des Kontinents geworden ist“,
schreibt das Magazin France-Afrique.
Diese industrielle Präsenz erstreckt sich über drei Länder:
- In Marokko war das 2011 gemeinsam mit Nexans (mittlerweile
zurückgezogen) gegründete Werk in Fès zunächst eine einfache Verkabelungsanlage.
Mit mehr als 500 Mitarbeitern und einer laufenden Investition von 10,5 Millionen
Euro wandelt sich der Standort zu einer Fabrik für elektrotechnische
Komponenten. Alstom beginnt dort mit der Produktion von
Mittelleistungs-Transformatoren für seine U-Bahnen, Straßenbahnen und
Regionalzüge auf der ganzen Welt.
- In Algerien gingen die Verträge mit der Gründung des Joint
Ventures Cital einher, an dem Alstom einen Anteil von 49% hält und das seit 2015
mit rund 250 Mitarbeitern Straßenbahnen montiert.
- Der dritte und größte Standort ist Südafrika. Alstom verfügt dort
über fünf Joint Ventures und Tochtergesellschaften mit rund 2000 Mitarbeitern.
Dieser Standort entstand, nachdem Alstom 2014 eine Ausschreibung von PRASA für
600 X'Trapolis-Nahverkehrszüge gewonnen hatte, den mit 4 Milliarden Euro größten
Auftrag in der Geschichte des Konzerns. Dies führte insbesondere zur Gründung
des Joint Ventures Gibela (Alstom 70%, Ubumbano Rail 30%) und zum Bau einer 6
Hektar großen Fabrik in der Nähe von Johannesburg. „Wir sind stolz auf unsere
Position als Afrikas führender Schienenfahrzeughersteller mit fast 4000
Mitarbeitern. Unser Markenzeichen ist unsere Herangehensweise an den Kontinent.
Unsere Vision ist nicht nur kommerzieller Natur. Es geht darum, zur Schaffung
industrieller Ökosysteme beizutragen“, betont Mama Sougoufara,
geschäftsführender Direktor von Alstom für den Nahen Osten, Nordafrika und die
Türkei.
III. Siemens
© Siemens Press
Siemens hat in Ägypten in Rekordzeit drei der größten Gaskraftwerke der Welt gebaut.
Im Mittelpunkt des Afrika-Engagements des deutschen Großkonzerns Siemens
steht der Kraftwerksbau. In den letzten zehn Jahren hat Siemens Verträge über
den Bau von Kraftwerken in mehreren Ländern des Kontinents unterzeichnet.
2015 schloß Siemens Verträge mit Ägypten über den Bau von drei der
weltweit größten Gasturbinen-Kombikraftwerke mit einer Gesamtleistung von
mehr als 14,4 Gigawatt. Jede der Anlagen mit einer Nennleistung von 4,8 Gigawatt
könnte problemlos jedes afrikanische Land, das unter Energiedefizit leidet, mit
Strom versorgen. Darüber hinaus wurden sie in Rekordzeit gebaut.
Die Projekte wurden als Joint Ventures mit dem ägyptischen Bauunternehmen
Orascom Construction und dem ägyptischen Elektrotechnikkonzern Elsewedy
Electric durchgeführt. Die drei Kraftwerke mit einer Leistung von jeweils 4,8
Gigawatt stehen in Beni Suef in Oberägypten, in Burullus an der Nordküste und in
der Neuen Hauptstadt außerhalb von Kairo, die selbst ein Mega-Neubauprojekt
ist.1 Die Kraftwerke erweitern die Stromerzeugungskapazität des
ägyptischen Stromnetzes um insgesamt 14,4 Gigawatt – genug Strom, um bis zu 40
Millionen Menschen zuverlässig zu versorgen. Die Projekte wurden 2015 in Auftrag
gegeben und 2018 nach nur 27,5 Monaten fertiggestellt. Das ist ein Rekord, da
der Bau eines einzelnen Kombikraftwerksblocks mit einer Leistung von 1,2
Gigawatt sonst gewöhnlich etwa 30 Monate dauert. Jedes der drei Kraftwerke kann
allein mehr Strom erzeugen als drei Viertel der Länder in Subsahara-Afrika.
Einige Länder haben eine installierte Leistung von weniger als einem
Gigawatt.
Da es sich bei diesen Projekten naturgemäß um Joint Ventures zwischen
Siemens, das die Turbinen liefert, und Bau- und Elektrotechnikunternehmen
handelt, gibt es offensichtlich Raum für Joint Ventures mit China. Darüber
hinaus muß das Gas über Pipelines, die erst noch gebaut werden müssen, zu den
Kraftwerken transportiert werden.
Nicht nur die Dimension des Projekts, das rund 10 Milliarden Euro gekostet
hat, sondern auch die Rekordzeit, in der die erste Phase des Projekts realisiert
wurde, ist beeindruckend. Die hochmoderne gasbetriebene Stromerzeugungstechnik
umfaßt drei schlüsselfertige 4,8-Gigawatt-Kombikraftwerke, die jeweils in nur 18
Monaten gebaut wurden. Siemens-Chef Joe Kaeser erklärte bei der Einweihung der
drei Kraftwerke – Beni Suef, Burullus und Neue Hauptstadt – am 2. März 2017
stolz: „Die rekordverdächtige Fertigstellung unseres Megaprojekts in Ägypten
wird nicht nur die Energielandschaft in Ägypten verändern, sondern auch als
Blaupause für den Aufbau der Energieinfrastruktur im Nahen Osten und auf der
ganzen Welt dienen.“
In Libyen wurden Verträge über den Bau von 650-MW- und
690-MW-Off-Cycle-Kraftwerken in Misrata bzw. Tripolis West geschlossen. Das
Vertragsvolumen einschließlich langfristiger Serviceleistungen beläuft sich auf
rund 700 Millionen Euro. Siemens hat außerdem Verträge mit dem staatlichen
Energieversorger General Electricity Company of Libya (GECOL) unterzeichnet, um
die Stromerzeugungskapazität Libyens um etwa 1,3 Gigawatt (GW) zu erweitern.
Solche Megaprojekte ließen sich in ganz Afrika realisieren, insbesondere mit
Pipelines, die Gas und Erdöl aus Westafrika zu solchen Kraftwerkskomplexen
transportieren, die von Siemens in Zentralafrika gebaut wurden. Siemens verfügt
auch über herausragende Kompetenzen beim Bau von Kompressorstationen für
Fernleitungen. Das deutsche Unternehmen Mannesmann, das die Rohre für alle
Gaspipelines zwischen Rußland und Europa hergestellt hat, ist bestens
qualifiziert für eine Beteiligung an solchen Projekten. Alle diese Vorhaben
können in Zusammenarbeit mit China durchgeführt werden, das bei anderen
Projekten in Afrika gezeigt hat, daß es zuverlässig dafür sorgt, Arbeiten in
Rekordzeit abzuschließen.
Ein Vorbild für mehr Beiträge, die Siemens zum Aufbau eines effizienten
Eisenbahnnetzes in Afrika leisten kann, ist seine Arbeit in Ägypten. Dort
unterstützte das deutsche Unternehmen die Investition in ein 2000 km langes
Hochgeschwindigkeits- und Güterbahnnetz. Dies umfaßt drei Hauptelemente:
Der erste Teil des großen Netzes wird eine 660 km lange Strecke sein, die die
Hafenstädte Ain Suchna am Roten Meer mit Alexandria und Marsa Matruh am
Mittelmeer verbindet. Dieser Abschnitt wird ein attraktives, elektrifiziertes
Nahverkehrssystem für den Großraum Kairo bieten.
Die zweite Strecke soll etwa 1100 km lang sein und vom Großraum Kairo nach
Abu Simbel nahe der Grenze zum Sudan verlaufen, wodurch die Stadtentwicklung im
Süden unterstützt wird.
Die dritte Strecke wird 225 km lang sein und die archäologischen Stätten des
Weltkulturerbes in Luxor mit der Küstenstadt Hurghada und dem Hafen von Safaga
am Roten Meer verbinden, was den Gütertransport ins Landesinnere
erleichtert.
Das neue Netz wird Ägypten insbesondere eine schnellere Lieferung von Gütern
ermöglichen, indem es eine Bahnverbindung vom Roten Meer zum Mittelmeer schafft,
einen „Suezkanal auf Schienen“, der sich quer durch das ganze Land erstreckt.
Siemens wird mit seinen hochmodernen Desiro-Regionalzügen einen Beitrag
leisten.
Anmerkung
1. Ein kurzes Video über den Bau des Kraftwerks Beni Suef finden Sie hier.