Obama: Infrastruktur in Afrika? Ohne mich!
Lawrence Freeman verteilte auf dem USA-Afrika-Gipfel vom 4.-6.
August in Washington die folgende Erklärung als Flugblatt.
In ihrer Rede vor dem Atlantikrat am 31. Juli in Washington machte die für
Afrika zuständige US-Staatssekretärin Linda Thomas-Greenfield deutlich, daß
die Vereinigten Staaten grundsätzlich keine Infrastruktur in Afrika bauen
werden. Sie sagte, der Zweck von Präsident Obamas USA-Afrika-Gipfel sei der,
Amerikas seit 50 Jahren bestehende Partnerschaft und Freundschaft mit Afrika
zu bekräftigen, aber nicht, Milliarden zu verteilen. Wenn andere Länder
wollten, könnten die zwar Infrastruktur aufbauen, aber die Afrikaner sollten
in ihren Beziehungen zu anderen Wirtschaftsmächten lieber vorsichtig sein.
Afrika hat von allen Kontinenten das größte Infrastrukturdefizit pro Kopf
und pro Quadratkilometer, und ohne Infrastruktur wird es dort keine
wirtschaftliche Entwicklung geben. Die Ausbreitung des tödlichen Ebola-Virus
ist an sich schon ein Zeichen dafür, daß in Afrika keine angemessenen
Volkswirtschaften aufgebaut wurden. Der Ausbruch von Ebola in Westafrika wird
möglicherweise das Hauptthema des Afrikagipfels sein müssen. Die
Stromversorgung ist entscheidend und unverzichtbar für die Entwicklung eines
jeden Landes, und gerade deshalb ist Präsident Obamas Vorzeigeprogramm „Power
Africa“ ein gewaltiger Schwindel.
Afrika braucht Elektrifizierung
Da 550 bis 600 Millionen Afrikaner, die südlich der Sahara leben, keinen
Stromanschluß haben - also mehr als die Hälfte der Bevölkerung buchstäblich im
Dunkeln sitzt -, ist das Programm, das Präsident Obamas persönliche
„Handschrift“ in der Afrikapolitik zeigen soll, „Power Africa“ [für eine
angebliche Verdoppelung der Stromversorgung in Afrika] entweder reiner Betrug,
ein grausamer Scherz oder erfunden von Leuten, die nicht addieren und
dividieren können. Die Initiative sieht vor, im Laufe von fünf Jahren
zusätzliche 8-10.000 MW Stromerzeugung zu schaffen, verteilt über mehrere
Länder - Nigeria, Liberia, Ghana, Tansania, Äthiopien und Kenia -, und damit
20 Millionen Verbraucher mehr zu versorgen. Das ist alles andere als eine
Verdoppelung. Gegenwärtig haben 400-450 Millionen Menschen in Schwarzafrika
einen Stromanschluß, jedoch in Watt pro Kopf gerechnet nur sehr wenig Strom.
Dennoch sprach Obama in seinen Reden in Südafrika 2013 zweimal von der
„Verdoppelung“, und seine Regierung hat das seither oft wiederholt.
Afrika südlich der Sahara ist der Erdteil mit der geringsten Stromerzeugung
auf der Welt und mit der niedrigsten Wattmenge pro Kopf. Insgesamt werden
weltweit ca. 5200 GW, d.h. 5200 Mrd. Watt Strom erzeugt. Davon verbraucht
Schwarzafrika etwa 70 GW, d.h. 70 Mrd. Watt, das ist ein Anteil von ganzen
1,5%. Ist es da ein Wunder, wenn vom „dunklen Kontinent“ die Rede ist? Selbst
wenn man Obamas Programm alle fünf Jahre verdoppeln oder verdreifachen würde,
säße Afrika noch im Finstern. Ein Blogger hat ausgerechnet, daß bei
gleichmäßiger Verteilung von Afrikas Stromverbrauch, jeder Afrikaner eine
Glühbirne dreieinhalb Stunden täglich leuchten lassen könnte, sonst nichts -
und daß Obamas Programm diese Zeit bloß um 18 Minuten verlängern würde.
Nehmen wir Nigeria als Beispiel. Nigeria erzeugt im besten Fall 4000 MW
Strom, nicht eingerechnet noch einige tausend MW, die Haushalte mit kleinen
Dieselmotoren teuer selbst erzeugen, was am allgemeinen Energiemangel nichts
ändert. Bei 177 Mio. Einwohnern und maximal 4000 MW Strom ergibt das für jeden
Nigerianer durchschnittlich 25 W Energie, andere Schätzungen ergaben sogar nur
12 W. Damit Nigeria ein vergleichbares Niveau erreicht wie die Vereinigten
Staaten mit 1400 W Energieverbrauch pro Kopf, worauf es ein Recht hätte, dann
bräuchte Nigeria 248.000 MW oder 248 GW - ungefähr das 60fache der
gegenwärtigen Stromerzeugung. Und man rechnet damit, daß Nigerias Bevölkerung
in den nächsten 20 Jahren auf 250 Millionen anwachsen wird, was bedeutet, daß
man noch mehr Strom braucht. Obamas „Afrika-Nicht-Strom-Programm“ wird, falls
es jemals realisiert wird, Nigeria in fünf Jahren ganze 2000 MW liefern.
Damit eine Milliarde Menschen in Schwarzafrika einen amerikanischen
Lebensstandard genießen können, bräuchte man 1.400.000 MW oder 1400 GW Strom.
Das ist nur mit Kernkraft möglich, weil sie am effizientesten,
kostengünstigsten und im Energiefluß am dichtesten ist. Darum ist es für ganz
Afrika eine begeisternde Aussicht, daß Südafrika entschieden hat, sechs
Kernkraftwerke mit 9600 MW Strom zu bauen. Südafrika, das schon jetzt auf dem
Kontinent die höchste Stromerzeugung pro Kopf hat, wird damit genausoviel
Stromerzeugung schaffen wie Obamas gesamtes Programm, und die wird bedeutend
produktiver sein als Solarenergie und Windparks. Dabei spielt es keine Rolle,
ob letztere erneuerbar sind: Sie sind zu ineffizient, ihre Energieflußdichte
ist zu gering, um eine moderne Agrar- und Industriewirtschaft zu versorgen.
Rußland verhandelt mit Südafrika bereits über den Bau und die kostengünstige
Finanzierung dieser Reaktoren.
Mit Kernkraft und später dann Kernfusion wird Afrika genug
Energieflußdichte haben, um Verkehrsmittel und Pumpen zur Bewässerung zu
betreiben, neue Kanäle zu graben und Kernkraftwerke zu bauen, die mit ihrer
Energie und ihrem heißen Dampf ideal zur Meerwasserentsalzung geeignet sind.
Warum sollte man nicht einen zweiten Nil mit entsalztem Wasser schaffen? Wir
wissen, daß Ägypten und das Horn von Afrika das brauchen. Mit einem solchen
Programm auf der Grundlage hoher Energieflußdichten können die Menschen in
Afrika aus ihren beklagenswerten Lebensbedingungen mit dem Mangel an Energie,
Nahrung, Trinkwasser und Kanalisation endlich befreit werden.
Nicht überraschend befinden sich von den 72 Kernkraftwerken, die zur Zeit
auf der Welt gebaut werden, nicht weniger als 47 - beinahe zwei Drittel - in
den BRICS-Ländern (Brasilien, Rußland, Indien, China, Südafrika), und China
steht dabei weltweit beim Reaktorbau an der Spitze.
China sucht jetzt auf dem Mond nach den Vorkommen an Helium-3, einem
idealen Brennstoff für die Kernfusion, und eines Tages wird dadurch die
Menschheit auf die nächste Stufe notwendiger Energieentwicklung
aufsteigen.
Lawrence Freeman, Leiter des Afrika-Ressorts von Executive
Intelligence Review