1999

Überblick über die Aktivitäten des Schiller-Instituts 1999:
(eine Auswahl):

Eurasische Landbrücke: Schiller-Institut in China

Vom 27. Oktober bis zum 1. November 1998 nahm Helga Zepp-LaRouche für das Schiller-Institut als Ehrengast und Hauptrednerin an einem sechstägigen "Reisesymposiums" über die Eurasische Landbrücke teil, das nacheinander in vier chinesischen Städten stattfand. Das Symposium wurde von der Chinesischen Akademie der Sozialwissenschaften in Zusammenarbeit mit den Provinzregierungen von Jiangsu und Hebei ausgerichtet. Neben der Delegation des Schiller-Instituts, die Deutschland vertrat, waren Rußland, Korea, Japan, Slowakei, Tschechien, Ungarn und Holland vertreten. Um "vor Ort" Projekte der Landbrücke und Chinas wirtschaftlicher Entwicklung zu begutachten, reisten die Teilnehmer des Symposiums von Peking in die Städte Nanjing, Lianyungang und Qinhuangdao.

An der Haupttagung des Landbrückensymposiums in der Konferenzhalle der Akademie der Sozialwissenschaften in Peking beteiligten sich Vertreter des chinesischen Staatsrates, des Ministeriums für Außenwirtschaft und -handel, des Ministeriums für Wissenschaft und Technologie, der staatlichen Planungsbehörde sowie führende Vertreter der Akademie-Institute für Wirtschaft, Finanzen, Osteuropa, Rußland und Zentralasien-Studien wie auch Repräsentanten der Provinzen Jiangsu und Hebei. Nach der Eröffnungszeremonie und den Ansprachen des Direktors des Instituts für Fernoststudien der Russischen Akademie der Wissenschaften und des Bürgermeisters der Hafenstadt Lianyungang, Xia Geng, hielt Helga Zepp-LaRouche die Hauptrede über die "Prinzipien der Außen- und Wirtschaftspolitik". Nach der ersten Sitzungsrunde wurde Zepp-LaRouche mit den anderen ausländischen Gästen in der Großen Halle des Volkes von Cheng Siwei, Mitglied der chinesischen Zentralregierung, empfangen, wo es einen Meinungsaustausch über Chinas Entwicklungspolitik und die innere Lage Chinas gab. Redner des Schiller-Instituts waren bereits im Mai 1996 zum ersten "Internationalen Symposium über die Entwicklung der Regionen entlang der neuen Eurasischen Landbrücke" nach Peking eingeladen worden.

Am 5. Januar 1999 berichtete die einflußreiche chinesische Tageszeitung Reference News unter der Überschrift: "Allianz mit China oder London -- US-Magazin diskutiert die Strategie, mit der die US-Regierung auf die Finanzkrise reagieren muß" detailliert über die Erklärungen von LaRouche zur globalen Finanzkrise und welche Strategie Präsident Clinton zu ihrer Lösung einschlagen muß. China Daily, die englische Ausgabe der großen chinesischen Tageszeitung People's Daily, schrieb am 5. März, da das gegenwärtige Finanzsystem bankrott und ein neues noch nicht errichtet sei, müsse sich die USA ihrer globalen Verantwortung stellen."

Die Schlagzeile eines Artikels in der Internet-Ausgabe der Tageszeitung China Daily vom 25.10.1999 lautet: "LaRouche verspricht, die amerikanische Politik zu verändern, wenn er zum Präsidenten gewählt wird". China Daily ist die in englischer Sprache erscheinende amtliche internationale Zeitung Chinas. Der Artikel basiert auf einer längeren Meldung der chinesischen Nachrichtenagentur Xinhua.

"Der amerikanische demokratische Präsidentschaftskandidat Lyndon LaRouche hat in einer Stellungnahme eine Revolution in der Politik der Vereinigten Staaten versprochen", schreibt die Zeitung und nimmt Bezug auf LaRouches Internet-Pressekonferenz vom 13.10.1999. "In der Pressekonferenz warnte LaRouche: ,Wir stehen am Rande des Zusammenbruchs des Weltfinanzsystems. Nichts in diesem Jahrhundert ist damit vergleichbar ... Es ist eine Systemkrise und deshalb unvermeidlich.' LaRouche sagte, die USA und einige andere Nationen der Welt hätten ,die größte Finanzblase der gesamten Geschichte aufgebaut, und das Finanzsystem stehe vor dem Bankrott. Als Abhilfe für das derzeitige Finanzsystem schlug er vor: Mehrere Nationen sollten zu einem Notstandstreffen zusammenkommen, ,um das existierende Finanz- und Währungssystem für bankrott zu erklären' und ,das vom früheren US-Präsidenten Franklin Roosevelt ins Leben gerufene Vorbild von Bretton Woods zu benutzen, um ein neues Währungssystem mit entsprechenden Finanz-, Handels- u.ä. Vereinbarungen zu schaffen.' Er stellt sich vor, daß asiatische Nationen wie China und Indien in dem von ihm vorgeschlagenen System eine viel wichtigere Rolle spielen, als sie es unter dem alten Bretton-Woods-System taten."

 


Interview mit Kambodschas Ministerpräsident Hun Sen

Am 18.1.1999 gab Kambodschas Ministerpräsident Hun Sen der EIR-Asienkorrespondentin Gail Billington und Dino De Paoli vom Schiller-Institut in seinem Amtssitz außerhalb Phnom Penhs ein Exklusivinterview.

Kambodscha verfolge zwei zentrale Prioritäten, erklärte Hun Sen: "Die erste ist Frieden ... Ohne Frieden und politische Stabilität hat die Nation keine Entwicklungschance. Seit 1996 hat sich die Regierung verstärkt um eine Lösung des Problems der Roten Khmer, d.h. einer Beendigung des Kriegs, bemüht. Ich habe seit Juni vergangenen Jahres erklärt, wenn meine Partei die Wahlen gewönne. wäre die nächste Regierung eine ,Wirtschaftsregierung'. Gleichzeitig müssen wir das Problem der gesellschaftlichen Folgen der Pol-Pot-Herrschaft in den Griff bekommen.

Im wirtschaftlichen Bereich müssen wir Investitionen der ASEAN-Staaten in Kambodscha ermutigen. In einigen ASEAN-Ländern fehlt es an Nahrungsmitteln. In Kambodscha verfügen wir über landwirtschaftliche Nutzflächen, und wir sind an Finanzhilfen für [landwirtschaftliche] technische Geräte zu ihrer Entwicklung interessiert. Am 15.1. haben wir eine Verringerung des Militärs auf 79 000 Soldaten beschlossen. Die im Verteidigungsbereich freiwerdenden Gelder werden wir in das Bildungs- und Gesundheitswesen umlenken. Wenn sich die demobilisierten Soldaten in der Landwirtschaft einsetzen lassen, können wir weitere 70 000 ha Reisfelder bewirtschaften."

In den 80er und 90er Jahren habe es regionale Entwicklungsprojekte etwa am Mekong gegeben, aber mit der Asienkrise seien diese Vorhaben jetzt in Frage gestellt, sagte er weiter. Sein Land versuche, die Folgen der Asienkrise dadurch zu verringern, daß man verstärkt im Nahrungsmittelbereich Wachstum erziele. Das Pol-Pot-Regime habe die menschlichen Reserven zerstört. Nur wenige Staaten hätten später Kambodscha geholfen. 20 Jahre seien erforderlich gewesen, um aus dem Nichts die heutige "Normalität" wieder zu erreichen.


Schiller-Institut in Malaysia

Vom 20.-26.1.1999 besuchte eine Delegation des Schiller-Instituts unter Leitung der amerikanischen Menschenrechtlerin Gail Billington in der malaysischen Hauptstadt Kuala Lumpur. Das Schiller-Institut wollte sich vor Ort über die Auswirkungen der Kapitalkontrollen und anderen wirtschaftspolitischen Maßnahmen informieren, mit denen Malaysias Regierung den Folgen der Weltfinanzkrise entgegenwirken will.

In Kuala Lumpur führte Frau Billington Interviews mit Ministerpräsident Mahathir Mohammad und Finanzminister Daim Zainuddin. Am 26.1. hielt sie eine Rede auf einem Seminar der führenden Denkfabrik Malaysias, dem Institut für Strategische und Internationale Studien. Vor malaysischen Politikern und Vertretern von 40 ausländischen Botschaften (darunter die amerikanische) sprach sie zum Thema: "Menschenrechte und Rechtsverletzungen aus amerikanischer Sicht". Sie schilderte die positive Rolle unabhängiger Nationalstaaten bei der Verwirklichung der neuen, gerechten Weltwirtschaftsordnung, die Lyndon LaRouche und die von ihm begründete Bewegung seit den 80er Jahren fordern. Den Einfluß dieser Bewegung zunichte zu machen, sei Hauptgrund für die Inhaftierung LaRouches und mehrerer seiner Mitarbeiter gewesen. Trauriger Höhepunkt dieser amerikanischen Justizfarce war die 77jährige Gefängnisstrafe, zu der ihr Ehemann Michael Billington verurteilt worden ist. Diese politisch motivierten Machenschaften richteten sich nicht nur gegen LaRouche, sondern auch gegen führende Persönlichkeiten der Entwicklungsländer, die sich für die gleichen Ideen einsetzten, und die -- oft unter dem Vorwand des Kampfes für die Menschenrechte -- kaltgestellt oder sogar ermordet wurden.

Am 26.1. berichtete die große Tageszeitung The Star über den Besuch der Vertreter des Schiller-Instituts und zitierte Billingtons Äußerungen über die Kapitalkontrollen. Im Gegensatz zu anderen ausländischen Medien lasse EIR "Malaysia für sich selbst sprechen, wir lassen es selbst erklären, warum es sich so entschieden hat und was es davon erwartet", wird Billington zitiert. Billington und Dino De Paoli vom deutschen Schiller-Institut wurden auch vom staatlichen malaysischen Fernsehen interviewt.

 

Interview mit Malaysias Ministerpräsidenten Mahathir

Die EIR-Asienkorrespondentin Gail Billington und Dino De Paoli vom Schiller-Institut hatten am 22.1.1999 Gelegenheit, mit dem malaysischen Ministerpräsidenten Dr. Mahathir bin Mohamad in dessen Amtssitz in Kuala Lumpur zu sprechen.

Gefragt nach den Gründen für seine aufsehenerregende Rede auf dem IWF-Jahrestreffen 1997 in Hongkong, in der er offen George Soros angriff, sagte Dr. Mahathir: "Als sich die Staaten in den 70er Jahren entschieden, die Währungen freizugeben und die Märkte selbst über die Wechselkurse entscheiden zu lassen, war ich bereits der Auffassung, daß damit die Souveränität der Länder aufgegeben wurde. Die Märkte werden völlig vom Profit -- oder besser der Profitgier -- geleitet ... Als es dann zu den erwähnten Ereignissen in Südostasien kam, war mir klar, was da vor sich ging ... Es [ging] hier gar nicht um den Zustand [der Wirtschaft]. Einige Devisenhändler witterten die Chance, Geld zu machen." Malaysia habe dann zu Notmaßnahmen greifen müssen, denn, so der Ministerpräsident: "Unsere Appelle an die internationalen Institutionen, den Devisenhandel zu beschränken, trugen keine Früchte ... Da nichts geschah, mußten wir die Dinge selbst in die Hand nehmen ... Was die reichen Länder angeht, so geriet das Instrument, mit dem sie gegen uns vorgingen, in Schwierigkeiten -- [der Hedge-Fonds] LTCM geriet in eine Schieflage, und sie verloren Geld. Sie sind daran interessiert, die Verluste aus ihren Geschäften zu verringern ... Ich befürchte, wenn sich die Siebenergruppe dieses Problems annimmt, wird sie das vom Standpunkt tun, den Investmentfonds wieder Gewinnmöglichkeiten zu verschaffen."

Auf die Frage nach seiner Bewertung von LaRouches Vorschlag, eine Notkonferenz für ein "neues Bretton Woods" einzuberufen, erklärte Dr. Mahathir: "Das ist sicherlich ein sinnvolles Ziel, denn als die Bretton-Woods-Vereinbarungen in Kraft waren, wuchs die Weltwirtschaft in raschem Tempo; und tatsächlich läßt sich der Wiederaufbau der Welt nach dem Zweiten Weltkrieg im wesentlichen auf Bretton Woods und natürlich den Marshall-Plan zurückführen. Als diese Politik dann über Bord geworfen wurde, geschah dies deshalb, weil einige Länder sich nicht mehr an die Prinzipien des Bretton-Woods-Systems gebunden fühlten. Es gibt also keinen Grund, das Bretton-Woods-System fallen zu lassen, da es der Welt viel Gutes beschert hat ...

Für jeden ist offensichtlich, daß man es den Märkten nicht allein überlassen kann, zu bestimmen, wie die internationale Wirtschaft abläuft. Wenn man nicht rereguliert, wird die Weltwirtschaft wahrscheinlich kollabieren. Man sieht, wie sich [die Krise] bereits von Ostasien über Rußland nach Lateinamerika und sogar bis nach Europa und Amerika ausgebreitet hat ... Selbst in den USA beginnt man einzusehen, daß Regulierung in irgendeiner Form sein muß."

Den Vorschlag, Lyndon LaRouche zum wirtschaftspolitischen Berater Clintons zu machen, kommentierte Mahathir so: "Beratung und Diskussionen sind hier sehr wichtig, denn wir müssen ein Verständnis dafür gewinnen, worin das Problem eigentlich besteht, und aus unseren gegenseitigen Erfahrungen lernen. Kontakte dieser Art sind also sehr nützlich, und wir begrüßen sie. Leider wird das Gerücht verbreitet, EIR sei eine faschistische Gruppierung. Das sagen einige Ihrer Gegner. Sogar mein früherer Stellvertreter [Anwar Ibrahim] hat mir früher gesagt, EIR sei eine faschistische Zeitschrift, und deshalb sollten wir sie nicht beachten. Das ist also die Methode, mit der versucht wird, Ihre Bemühungen um die Umsetzung der Ideen, die EIR schon immer vertritt, zu untergraben."


Italienische Regierung zu Förderung der Eurasischen Landbrücke aufgefordert

Am 20.1.1999 stellten drei Mitglieder des italienischen Senats eine formelle Anfrage an die Regierung, in der sie fordern, daß Italien die europäische Beteiligung am Aufbau der Eurasischen Landbrücke fördern soll. Die Initiatoren sind Mitglieder von Oppositionsparteien: Sen. Riccardo Pedrizzi von der konservativen Alleanza Nazionale, derzeit Sekretär des Senats-Finanzausschusses, Sen. Antonio D'Ali von der Partei des früheren Premiers Berlusconi, Forza Italia, sowie Sen. Francesco Servello, Alleanza Nazionale, Mitglied des Senats-Wissenschaftsausschusses.

In der Anfrage heißt es: "Gegenwärtig eilt das ganze Weltfinanz- und Währungssystem in eine Systemkrise", angetrieben von der Explosion der Finanzblase, die "jetzt 160 Billionen Dollar überschritten hat" und einem Kollaps der Realwirtschaft. Als Ausweg aus der Krise verweisen die Senatoren auf das "enorme Entwicklungspotential der Verwirklichung der sog. ,euro-asiatischen Entwicklungsbrücke', die im Aufbau großer Infrastrukturprojekte quer durch den eurasischen Kontinent besteht". Die Landbrücke werde einen stabilisierenden Effekt auf die Realwirtschaft und den Arbeitsmarkt haben. In ihr liege die Chance, "die gegenwärtigen Trends zu Globalisierung und Finanzialisierung umzukehren und die Rückkehr zur Realwirtschaft erneut auf den Tisch zu legen".

Da ein solches Projekt sehr umfangreiche Kapitalgüterinvestitionen erfordere, sei Europa für dessen Realisierung unverzichtbar, schreiben die Senatoren. Dies betreffe auch Italien, da "Italien und das Mittelmeerbecken einen entscheidenden Verkehrsumschlagplatz für ganz Europa darstellen". Aus diesen Gründen sollten die Regierung und alle politischen und sozialen Kräfte entschiedenes Interesse zeigen und "eine feste Absicht ausdrücken, am Projekt der euro-asiatischen Entwicklungsbrücke teilzunehmen". Die Regierung solle mit der gebotenen Eile auch auf europäischer Ebene eine Diskussion über die notwendige Beteiligung an dem Projekt in Gang setzen.

Italienische Gewerkschaften und LaRouches Programm

Die Weltfinanz- und Wirtschaftskrise zwingt die europäischen Gewerkschaften zu programmatischer Neuorientierung. Sie müssen mit Regierungen und Industrie gemeinsam eine Strategie für die Expansion der Realwirtschaft und ein Neues Bretton Woods gegen die Finanzoligarchie verfolgen; wenn sie bei den "üblichen" Gewerkschaftstaktiken bleiben, werden sie untergehen.

Ein positives Signal kommt jetzt von der größten Gewerkschaft Italiens CGIL, deren Regionalsektion in der Lombardei -- dem Herzland der italienischen Industrie -- sich entschlossen hat, die "LaRouche-Karte" zu spielen. Am 16.2.1999 lud die CGIL-Lombardei zu einer öffentlichen Veranstaltung in Mailand zum Thema "Die Globalisierung nach Davos" den EIRNA-Herausgeber Anno Hellenbroich als Redner ein. Hellenbroich forderte die über 100 anwesenden Gewerkschaftsfunktionäre auf, LaRouches Politik eines Neuen Bretton Woods zu unterstützen. Die Rede wurde positiv aufgenommen. Der Vorsitzende der Veranstaltung, der regionale CGIL-Generalsekretär Mario Agostinelli, ist Unterzeichner des Aufrufs für ein Neues Bretton Woods.


Neues Bretton Woods!

Am 26. Januar schrieb die in Moskau erscheinende russische Zeitung Komersant-Vlast: "Es gibt nur eine Maßnahme, die kurzfristig die Kettenreaktion -- die Kapitalflucht -- unter Kontrolle bringen könnte: Die sofortige Einführung von Kapitalverkehrskontrollen, gefolgt von Maßnahmen zur Errichtung einer neuen internationalen Finanzordnung, die sich am Bretton-Woods-System in seiner Form vor 1958 orientieren muß." Am 11. Februar veröffentlichte die Moskauer Wirtschaftszeitung Ekonomitscheskaja Gazeta ein Interview ihres Chefredakteurs Tschekalin mit LaRouche, in dem LaRouche ausführlich seine Vorstellungen zur Neuordnung des internationalen Finanzsystems sowie die Rückkehr zu der Tradition von Franklin D. Roosevelt darlegen konnte. Dies Interview wurde Anfang März von der polnischen Zeitung Mysl Polska vollständig wiedergegeben. Im gleichen Zeitraum erschienen ähnliche Artikel in der Ukraine, in Georgien und der Slowakei. Am 27. April veröffentlichte die in London erscheinende arabischsprachige Tageszeitung al Hayat einen ausführlichen Artikel über LaRouches wirtschaftspolitische Ideen. Am 29. Juli wiederholte al Hayat, die in allen arabischen Ländern zirkuliert, LaRouches Warnung von einem Finanzkrach und der notwendigen Reorganisation durch ein "Neues-Bretton-Woods" in einem ausführlichen Artikel.


LaRouche in Ekonomitscheskaja Gaseta

Unter der Überschrift "Die Welt vor einem neuen finsteren Zeitalter retten" veröffentlichte die Moskauer Wochenzeitung Ekonomitscheskaja Gaseta in der Ausgabe vom 11.2.1999 ausführliche Antworten Lyndon LaRouches auf Fragen von Chefredakteur Alexander Tschekalin über Maßnahmen zur Lösung der russischen und globalen Schuldenkrise. Der lange Artikel ist nur der letzte in einer ganzen Reihe russischer Pressebeiträge über LaRouches Ideen.

In dem Interview betont LaRouche, Auslandsschulden, die im Rahmen des Systems freier Wechselkurse mit betrügerischen Methoden künstlich in die Höhe geschraubt wurden, müßten so weit abgeschrieben werden, daß nur noch solche Schulden übrigbleiben, die tatsächlich als Zahlungen erfolgten. Diese müßten bei jährlichen Zinsen von höchstens 2% umgeschuldet werden. Das sei fair für beide Seiten, denn auch der Gläubiger besitze dann einen Finanztitel, der wirklich einen Wert darstelle.

"Die legale Autorität für solche Maßnahmen ist die Souveränität der jeweiligen Nation." Jedes Brechen dieser Souveränität sei gleichbedeutend mit einer Kriegshandlung: "In einer solchen Lage müssen Grundsätze der Kriegverhütung und Kriegführung angewendet werden; wünschenswert ist eine Gruppe von Nationen, die stark genug ist, um die voraussichtlichen Aggressoren davon abzuschrecken."

"Mein bevorzugtes Vorgehen ist, an jenem historischen Punkt anzuknüpfen, als der US-Präsident der Kriegsjahre Roosevelt mit Premierminister Winston Churchill in einen grundsätzlichen Konflikt über die Planung der zukünftigen Beziehungen der Nationen der Erde nach Kriegsende geriet ... Die Annahme des Bretton-Woods-Systems während Roosevelts Präsidentschaft gehört zu den zahlreichen Präzedenzfällen für die Handlungen, die gegen die verrückten globalen Praktiken im Finanz-, Währungs- und Handelsbereich, die den internationalen Beziehungen insbesondere seit Mitte August 1971 vergewaltigungsartig aufgezwungen wurden, ergriffen werden sollten."

Ministerpräsident Primakows öffentliche Erklärungen auf seinem jüngsten Staatsbesuch in Indien träfen den Kern der Sache. Die sich entwickelnde russisch-chinesische Zusammenarbeit und die Anstrengungen, "Rußland, China und Indien als drei Eckpunkte einer breiteren Sphäre der Zusammenarbeit in Eurasien zu definieren", sei Grundlage "eines Systems des guten Willens und des gegenseitigen Nutzens, um das ein neues Weltwirtschaftssystem aufgebaut werden kann, welches die Ruine des hoffnungslos bankrotten oligarchischen Rentier-Finanzsystems von heute ersetzt." Große Massen ungenutzten oder vergeudeten produktiven Potentials müßten mobilisiert werden. "Eine wirtschaftliche Erholung dieses Planeten aus der gegenwärtigen Gefahr globalen Untergangs kann es nur mit Hilfe relativ hoher Summen langfristigen neuen Staats- und Privatkredits geben -- bei Zinsen von höchstens 1-2% jährlich, mittel- und langfristig bis zu 20 oder 30 Jahre in die Zukunft."


Konferenz über die Lage in den Krisenregionen Zentralafrikas

Vom 7.-10. April 1999 fand im Münchner Kulturzentrum "Am Gastaieg" eine internationale Konferenz über den Versöhnungsprozeß und die Hintergründe der Kriege in Südwest- und Zentralafrika sowie der Region der Großen Seen statt. Veranstalter war das Afrika-Kultur-Forum e.V. unter der Schirmherrschaft des Oberbürgermeisters der Stadt München. Unterstützung erhielt die Konferenz u.a. von der Hanns-Seidel- und Friedrich-Ebert-Stiftung, der Stiftung Wissenschaft und Politik, der Deutsch-Angolanischen Gesellschaft und der Anglikanischen Kirche München sowie vom Schiller-Institut, dessen Vertreter drei Tage lang die Veranstaltung moderierten. Journalisten, Abgeordnete und Intellektuelle aus Angola, Burundi, Demokratische Republik Kongo, Republik Kongo-Brazzaville, Ruanda und Uganda beschrieben die Situation in ihren Heimatländern und diskutierten intensiv mit dem Publikum.


Einzigartiger strategischer Dialog in Bonn

Die Nachrichtenagentur (EIRNA) veranstalte am 21.4.1999 in Bonn-Bad Godesberg ein internationales Seminar zum Thema "Ausweg aus der Krise". Die Veranstaltung behandelte sowohl die weltweite Wirtschafts- und Finanzkrise als auch die strategische Krise, wie sie symptomatisch im Balkankrieg zum Ausdruck kommt. Die Redner aus den USA, China, Rußland, Indien und Deutschland erreichten einen konstruktiven Dialog, der weit über den für andere Konferenzen normalen Austausch von "Meinungen" und "Einschätzungen" hinausging. Alle Konferenzbeiträge sind in einer Broschüre veröffentlicht. Zu den Teilnehmern in dem vollbesetzten Saal gehörten diplomatischer Vertreter von 20 in Bonn ansässigen Botschaften sowie Vertreter deutscher und internationaler Medien.

Die Hauptrede hielt Lyndon LaRouche, der den finanziellen, wirtschaftlichen und kulturellen Desintegrationsprozeß analysierte, welcher der gegenwärtigen Krise zugrunde liegt. LaRouche setzte den Rahmen für eine neue strategische Ausrichtung -- Zusammenarbeit zwischen der Regierung Clinton, China, Rußland, Indien und Kontinentaleuropa für ein neues Bretton Woods --, mit der die vielschichtige Krise gelöst werden könnte. Er verwies dabei besonders auf einen "Marshall-Plan" für den Balkan als einen potentiell wichtigen Hebel, um den Balkankrieg zu beenden. Dies war praktisch das "Leitmotiv" des Seminars, auf das sich auch die übrigen Redner bezogen.

Als nächstes legte Prof. Wilhelm Hankel, der frühere Chefökonom der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) in Frankfurt und langjähriger Chef der Hessischen Landesbank, sein Konzept zur Errichtung eines neuen Bretton-Woods-Systems vor, das das derzeitige unhaltbare und destruktive System ersetzen müsse. Hankel forderte ein monetäres Völkerrecht. Die Welt brauche klar definierte wirtschaftliche und soziale Menschenrechte. Prof. Stanislaw Menschikow von der Russischen Akademie der Wissenschaften griff diese Idee auf. Er kritisierte das einseitige Vorgehen der anglo-amerikanischen Kräfte, die UNO einfach zu übergehen, wie sich an der Lage auf dem Balkan zeige.

Am Nachmittag erläuterte Helga Zepp-LaRouche das Programm der "Eurasischen Landbrücke", das den Kern einer weltweiten wirtschaftlichen Wiederaufbauperspektive und einen wichtigen Aspekt einer neuen gerechten Weltwirtschaftsordnung darstelle. Ihr folgten Prof. D. Kaushik von der Jawarhalal-Nehru-Universität in Neu-Delhi und Prof. Qiang Jing von der Chinesischen Akademie für Sozialwissenschaften in Beijing. Prof. Qian Jing sprach zum Thema "Der Weg zu einer neuen, gerechten Weltwirtschaftsordnung: eine chinesische Sicht". China sei von der ostasiatischen Finanzkrise nicht überrascht worden, da es erstens die Lehren aus der eigenen "Blasenwirtschaft" zwischen 1993-94 gezogen habe und zweitens, "weil wir seit 1994 in Kontakt mit dem Schiller-Institut standen". Die chinesische Presse habe seither den Ideen LaRouches große Aufmerksamkeit gewidmet, und "auch sehr hochrangige Persönlichkeiten aus der Zentralregierung kennen seine wesentlichen Ideen und verstehen sie", sagte er.

Prof. Qian erläuterte die Bedeutung des neuen "strategischen Dreiecks" China-Rußland-Indien. Bei den chinesisch-russischen Beziehungen habe es deutliche Verbesserungen gegeben, und dieser Erfolg könne "für die Beziehungen zu Indien und anderen Nationen lehrreich sein", sagte er. Es sei natürlich, daß diese drei großen Nationen zusammenarbeiten, um eine vernünftige Wirtschaftsordnung im 21. Jahrhundert zu errichten. "Ich schlage vor, eine besondere Stiftung einzurichten, die den Namen ,Stiftung Neues Dreieck' tragen könnte. Sie sollte Experten aller drei Seiten -- China, Rußland und Indien -- zusammenbringen, um einen Plan für wirtschaftliche Zusammenarbeit zu entwerfen und Denkschriften vorzubereiten: a) wie man den Handel zwischen den drei Ländern beschleunigen kann (etwa durch eine Zollunion); b) Industriekooperation; c) wie man den Aufbau von Infrastruktur fördern und verbessern kann, dazu gehört das ganze Netz der Eurasischen Landbrücke; d) Zusammenarbeit bei fortgeschrittenen Technologien einschließlich der Rüstungstechnologie; e) Einrichtung eines "Dreiwegkredit"-Mechanismus als ersten Schritt zur Einführung institutioneller Mechanismen für die Verwaltung von Handelskonten und zur Abwicklung des Handels." Es sollte wissenschaftlich untersucht werden, wie um die drei Länder herum eine neue internationale Finanzordnung geschaffen werden könnte. Darüber hinaus sollte man über die Ausbildung der Bevölkerung nachdenken und daran arbeiten, "sicherzustellen, daß diese drei Länder über starke Regierungen verfügen."

"Nach dem Ausbruch der Kosovo-Krise haben wir damit begonnen, über die Verbindung zwischen wirtschaftlicher, politischer und militärischer Sicherheit nachzudenken", sagte er weiter. "Wir wollen das nicht in aller Öffentlichkeit diskutieren, aber wir wollen erreichen, daß konkrete Vorschläge für ein neues Bretton Woods zur praktischen Umsetzung vorgelegt werden ... Wenn das jugoslawische Volk davon überzeugt werden kann, daß sie eine glänzende Zukunft in Frieden haben können wie ihre Nachbarn auch, können Verhandlungen erfolgreich sein. Das gleiche Prinzip sollte überall in der Welt angewandt werden."


Polen spürt die Folgen der globalen Krise

Das Schiller-Institut hat in Polen eine eigenständige Partnerorganisation, die mehrmals im Jahr mit Mitgliedern des Schiller-Instituts aus Deutschland gemeinsame Veranstaltungen in verschiedenen polnischen Städten durchführt. In Gesprächen mit Vertretern des Schiller-Instituts, die sich vom 20. bis 23. Januar 1999 zu Diskussionen und Veranstaltungen in Warschau aufhielten, verwiesen Wirtschaftsanalysten darauf, daß sich die Aussichten seit Ausbruch der Rußlandkrise im Sommer 1998 deutlich verschlechtert hatten. Besonders aufmerksam verfolge man die Entwicklung in Deutschland. Wenn es hier als Folge der Weltfinanz- und Wirtschaftskrise zu einer Rezession käme, werde sich das auf die polnische Wirtschaft dramatisch auswirken, die 30% ihrer Exporte nach Deutschland liefert.

Vom 17.-24. Mai 1999 besuchten Elisabeth Hellenbroich und Frank Hahn vom deutschen Schiller-Institut Polen. Sie sprachen auf einem Seminar "Frieden heißt Entwicklung" über die Auswirkungen des Balkankrieges und über mögliche Auswege aus der Krise. Außerdem fand ein Seminar zum Thema "Ökumenischer Dialog der Kulturen als kulturelle Herausforderung des 21.Jahrhunderts" und eine Podiumsdiskussion über die gegenwärtige Weltfinanzkrise statt.

Am 17. und 18. Juni 1999 besuchte Frau Carrasco von der Iberoamerikanischen Solidaritätsbewegung zusammen mit Frank Hahn die polnische Hauptstadt Warschau. Sie hatte dort u.a. die Gelegenheit, vor einer Gruppe von Parlamentariern und einer Arbeitsgruppe eines Ministeriums ausführlich über die Schuldenkrise in Lateinamerika Stellung zu nehmen.


Schiller-Institut in Ungarn und der Slowakei

Bei einer gutbesuchten Pressekonferenz im Haus der Jouranlisten im Zentrum von Bratislava sprach Anno Hellenbroich vom Schiller-Institut Ende Juni 1999 über die Notwendigkeit eines Marshallplans für den sofortigen Wiederaufbau der vom Krieg zerstörten Regionen des Kosovo und Jugoslawiens. Der Vorschlag des Schiller-Instituts, der inzwischen von vielen Parlamentariern und Vertretern der Industrie aus Ost- und Westeuropa unterstützt wurde, sieht im wesentlichen vor:

1. Schaffung einer aus Militärs und Ingenieuren zusammengesetzten multinationalen "Speerspitze", um vor Ort mit dem sofortigen Wiederaufbau der Infrastruktur zu beginnen. Dazu gehört: Instandsetzung von Straßen, Eisenbahnlinien, Brücken, Schiffbarmachung und Dekontaminierung der Donau sowie der sofortige Bau von Krankenhäusern und Wohnungen.

2. Schaffung eines "Finanzierungsmechanismus" für die Vergabe projektgebundener, zinsgünstiger Kredite mit langer Laufzeit, nach dem Vorbild der deutschen Kreditanstalt für Wiederaufbau.

3. Gründung einer Behörde für die Vergabe von Verträgen an die Privatindustrie im Rahmen der zu erwartenden Ausschreibungen für festgelegte Infrastrukturprojekte.

Daneben legte Margret Greenspan vom amerikanischen Schiller-Institut die eklatanten Menschenrechtsverletzungen in den USA dar, u.a. im Fall Lyndon LaRouche jr. (der nach fünf Jahren Haft 1994 auf Bewährung freigelassen wurde) und dessen Mitarbeiter Mike Billington (der Bruder von Margret Greenspan, der seit acht Jahren unschuldig im Gefängnis sitzt), Bob Gallagher und dessen Frau Anita Gallagher sowie Larry Hecht, die alle seit fünf Jahren unschuldig als politische Gefangene der US-Justiz im Gefängnis sitzen. Mehr als tausend prominente Rechtsexperten haben in Form von Briefen und Gutachten zu diesem "schwersten Mißbrauch in der Geschichte der USA" (wie LaRouches Anwalt, der ehemalige US-Justizminister Ramsey Clark formulierte) Stellung genommen, viele davon beteiligten sich auch an öffentlichen Hearings. Frau Greenspan hatte in Ungarn und in der Slowakei Gelegenheit, den Fall auch mit hochrangigen Rechtsexperten zu diskutieren.

Ende April 1999 hatte eine Delegation des Schiller-Instituts (Birgit Vitt, Lothar Komp und Elisabeth Hellenbroich) während eines Seminars in der ungarischen Hauptstadt Budapest Gelegenheit, über den Ausweg aus der Krise und die Notwendigkeit eines neuen Marshall-Plans zu diskutieren. Auf dem Seminar, das von Dr. Tibor Kovats geleitet wurde, legten die Vertreter des Instituts die strategischen und wirtschaftspolitischen Gründe dar, die zu dem Krieg auf dem Balkan geführt hatten. Außerdem wurde ihnen die Gelegenheit gegeben, an zwei Universitäten, der Universität Pazmany Peter in Budapest und der Universität in Sopron, Vorträge zu den Themen "G.W. Leibniz -- Die Beste aller Welten" und "Die Prinzipien der physischen Ökonomie" zu halten.

Am 26. Juni nahm eine Delegation des Schiller-Instituts an einem Kongreß teil, der zu Ehren des 100. Geburtstages des ungarischen Nobelpreisträgers Gyeorgy Bekesy veranstaltet wurde. Mehr als 200 internationale Spezialsten aus den Bereichen Medizin, Physiologie und Akustik beteiligten sich an der Veranstaltung. Anno Hellenbroich sprach für das Schiller-Institut über das Thema "Zwischen den Noten: Entdeckung und Metapher in der klassischen musikalischen Komposition".


Ukraine:

¨ Eine Ausstellung in der Wernadskij-Bibliothek in Kiew im April dokumentierte die internationale Arbeit des Schiller-Instituts. Die Ausstellung war von zwei Mitarbeitern des Schiller-Instituts in der Ukraine, Anatoli Wosnitza und Tatjana Arsejenko, zusammengestellt worden.

¨ Die ukrainische Präsidentschaftskandidatin Natalja Witrenko, die zu den Initiatoren des "Bretton-Woods-Aufrufs" gehört und gegen die am 2. Oktober ein Attentat versucht wurde, führte ihren Wahlkampf in der Ukraine mit einem Wahlplakat, das die von LaRouche entwickelte Kollapsfunktion der Weltwirtschaft zeigt: Die Finanzwerte und Spekulationsgewinne schießen in die Höhe, während die Realwirtschaft kollabiert.


Tschechien

Zusammen mit der Tschechischen Manager-Vereinigung CMA veranstalteten die Nachrichtenagentur EIRNA und das Schiller-Institut am 13. Mai eine Pressekonferenz im Haus der Journalisten im Zentrum von Prag. Da die internationale Finanz- und Wirtschaftskrise Tschechien massiv getroffen hat, war das Interesse an dem Thema der Konferenz groß. Michael Liebig, Geschäftsführer von EIRNA, sprach über "Die Weltfinanzkrise und was jetzt zu tun ist". Die Redner der CMA betonten, daß das internationale Schiller-Institut für sie wegen der Betonung der physischen Ökonomie des Amerikanischen Systems von Alexander Hamilton und Friedrich List für sie so wichtig sei. Prof. Dr. Jirasek, Ehrenrektor des Tschechischen Management-Zentrums in Celakovice und Berater vieler tschechischer Industrieller und Politiker hob besonders hervor, daß die "amerikanische revolutionäre Wirtschaftswissenschaft" im fundamentalen Gegensatz zur traditionellen britischen eines Adam Smith stehe. Die Zusammenarbeit zwischen CMA und Schiller-Institut hat sich nun bereits bei mehreren gemeinsamen Veranstaltungen und Initiativen bewährt.


In der russischen Staatsduma

Auf Einladung des Parlamentsausschusses für Geopolitik und des Clubs für die öffentliche Unterstützung der Duma fand am 24.5.1999 in der Moskauer Staatsduma ein Seminar über Lyndon LaRouches Gedanken zur Rolle des Nationalstaates im 21. Jahrhundert statt. Die Teilnehmerschaft setzte sich aus Wissenschaftlern, anderen Experten sowie Mitarbeitern und Beratern von Dumaabgeordneten zusammen.

Der Präsident des Schiller-Instituts für Kultur und Wissenschaft in Moskau, Prof. Taras W. Muraniwskij, war eingeladen, in einem längeren Beitrag LaRouche als Staatsmann und Wissenschaftler sowie dessen Beiträge im Bereich der physikalischen Wirtschaftslehre vorzustellen. Wegen der aktuellen Lage ging Muraniwskij ausführlich auf die "LaRouche-Doktrin" zum Balkankrieg ein. Sergej Smirnow forderte ein neues System unabhängiger Staaten als Grundlage einer gerechten politischen und wirtschaftlichen Weltordnung.

Der Journalist Sergej Scharikow analysierte die Politik Großbritanniens. So wie London Hitlers Machtergreifung gefördert habe, um die eigenen Interessen zu wahren, so operiere England in der gegenwärtigen Lage über Personen wie US-Vizepräsident Albert Gore und US-Außenministerin Albright. Scharikow verglich Gores versuchte Machtergreifung über das Impeachment-Verfahren gegen Clinton mit der legalen Machtergreifung Hitlers.

Der Schriftsteller und Musikkritiker Wladimir Marotschkin beschrieb LaRouches Kritik an der Rock-Drogen-Sex-Gegenkultur und unterstrich die Notwendigkeit der klassischen Erziehung für den Staat. Andrej Ignatjew, Sozialwissenschaftler und Theologe, warf in seinem Beitrag die Frage auf, worin die wahre Freiheit des Menschen bestehe. Er pflichtete LaRouche bei, daß im Liberalismus und in einer vom Liberalismus bestimmten Wirtschaft Freiheit nicht zu finden sei. Wirtschaft. Der ehemalige Abgeordnete Jewgenij Kogan, der heute als Duma-Berater tätig ist, griff ebenfalls den Liberalismus scharf an, der verheerende Folgen für die russische Wirtschaft gehabt habe. Rußlands müsse den militärisch-industriellen Komplex wiederbeleben, um ihn als "Ideenschmiede" für die zivile Wirtschaft einzusetzen.

Wieviel Hochachtung LaRouche genießt, wird durch ein jüngst in Rußland erschienenes Buch mit dem Titel Die Grundlagen der physikalischen Ökonomie noch unterstrichen. In der Einleitung wird die geistige Tradition dieser Wissenschaft auf Platon, Cusanus und Leibniz zurückgeführt, und als ihre heutigen Vertreter werden Lyndon LaRouche und der russische Wissenschaftler Pobisk Kusnezow genannt. Einer der drei Autoren dieses Buchs ist der stellv. Verteidigungsminister Michailow.


Paris: Internationale Konferenz diskutiert über Landbrücken-Perspektive

Am 26.5.1999 versammelten sich in der französischen Hauptstadt mehr als 150 Personen, u.a. Politiker, Gewerkschafter, Akademiker, Diplomaten und Medienvertreter, zu einer Konferenz des Schiller-Instituts mit dem Titel "Die Eurasische Landbrücke für Frieden: Frankreich als Katalysator zwischen Ost und West".

Verlesen wurde eine Grußbotschaft des früheren mexikanischen Präsidenten Lopez Portillo, der an seine gemeinsame öffentliche Veranstaltung mit Helga Zepp-LaRouche bei der Mexikanischen Gesellschaft für Geographie und Statistik in Mexiko-Stadt im Dezember 1998 erinnerte:

"Bei dieser Gelegenheit erklärte ich, nachdem ich Dona Helgas Rede gehört hatte, wie wichtig es sei, daß jemand in der Welt über andere nachdenkt, Türen öffnet und uns erläutert, was geschieht und geschehen wird und wie es korrigiert werden kann. Ich drückte meinen Wunsch aus, ihr Ehemann könnte die Regierung der Vereinigten Staaten soweit beeinflussen, daß die von ihr dargelegten Vorschläge irgendwie verwirklicht würden ... Heute, da die schlimmsten Gefahren für die friedliche Zusammenarbeit der Nationen Wirklichkeit zu werden scheinen, ist es um so dringender, die Anstrengungen zu verdoppeln, dem Gespür für das Richtige und Vernünftige einen Weg zu bahnen und die Idee der Beförderung der Gerechtigkeit zu stärken, die es den Menschen ermöglicht, ihre Eigenheiten in kultureller und anderer Hinsicht auszudrücken. Von ferne teile ich mit Ihnen die derzeitigen Sorgen und erkläre wie schon vor einem halben Jahr: ,Es ist notwendig, daß die Welt auf die weisen Worte Lyndon LaRouches hört.'"

Der Vorsitzende der politischen Bewegung "Solidarité et Progrès" Jacques Cheminade schilderte in seiner Hauptrede die Notwendigkeit, den Wiederaufbau des kriegsgeschüttelten Balkan zum Katalysator eines weltweiten wirtschaftlichen Wiederaufbaus auf zur Grundlage von LaRouches Programm eines neuen Bretton Woods und der Eurasischen Landbrücke zu machen. Die Dringlichkeit derartiger Reformen erläuterten weitere Redner aus Malaysia, Mexiko und Russland, die zeigten, wie der IWF und die internationalen Spekulanten ihre Länder zerstörten. Zum Abschluß der Konferenz faßte Muriel Mirak-Weissbach von EIRNA zusammen, wie die Verwirklichung der Eurasischen Landbrücke im Sinne LaRouches eine wissenschaftlich-technische Revolution entzünden würde.

Daß geldpolitische Maßnahmen, wie sie LaRouche vorgeschlagen hat, tatsächlich zur Verteidigung der Landeswährung führen können, bestätigte Tan Sri Ramon Navaratnam, hochrangiger Beamter des Finanzministeriums in Malaysia und stellv. Vorsitzender des malaysischen "Business Council". Er erläuterte die ausgewählten Devisenkontrollen, die im September 1998 in Reaktion auf die Finanzkrise in seinem Land eingeführt worden waren. Diese Kontrollen hinderten die Spekulanten daran, mit dem Ringgit auf ausländischen Aktienmärkten zu spekulieren. Die Kapitalflucht wurde gebremst, die Zinsen sanken und den Geschäftsleuten standen wieder Kredite zur Verfügung.

Prof. Taras Muraniwskij, Präsident des russischen Schiller-Institutes, gab einen Überblick über die Zerstörung der russischen Wirtschaft seit dem Fall der Berliner Mauer. In der leider nur kurzen Regierungszeit Primakows sei es gelungen, eine gewisse Stabilität in der Wirtschaftsordnung zu erreichen, und die Vorschläge qualifizierte Ökonomen wie Sergej Glasjew und Abalkin hätten den Weg zu einer Regeneration der Realwirtschaft eröffnet, so Muraniwskij. Der Ausweg für Rußland, wie er unter Ministerpräsident Primakow eingeschlagen worden sei, liege in der programmatischen Perspektive LaRouches, dessen Ideen in der russischen "Intelligenzija" auf große Zustimmung stießen.

Die Präsidentin der Iberoamerikanischen Solidaritätsbewegung Marivilia Carrasco berichtete über den "Kosovo-Effekt" auf die politische Szene, mit dem ein wachsender Einfluß der wirtschaftlichen und politischen Vorschläge LaRouches auf dem ganzen Kontinent einherginge. Sie hoffe, daß sich mit der wahrscheinlichen Abwertung des argentinischen Peso die Wirklichkeit der globalen Krise des Finanzsystems wieder Raum breche. Dies eröffne den entwicklungsorientierten Kräften in Iberoamerika eine neue Chance, mit der derzeitigen Finanzordnung zu brechen. Carrasco schilderte, wie der IWF den Lebensstandard und die Produktion senkte, und sie griff die "Arithmetik der Banker" an, die die lateinamerikanischen Länder zwangen, von 1980 bis 1996 insgesamt 488 Mrd. $ zu zahlen, während im gleichen Zeitraum die Verschuldung nicht sank, sondern von 259 Mrd. $ auf 657 Mrd. $ anstieg.


Seminar über Marschallplan für den Balkan in Zagreb

Am 13. Juli fand in der kroatischen Hauptstadt Zagreb ein Seminar des Schiller-Instituts über einen neuen Marschallplan für Südosteuropa als Motor für die Rekonstruktion der Weltwirtschaft statt. In der Einladung war ausdrücklich hervorgehoben worden, daß mit IWF- und EU-Methoden kein Wiederaufbau des Balkans möglich sei. Unter den Teilnehmern befanden sich Repräsentanten des kroatischen Wirtschafts- und Außenministeriums und der kroatischen Handelskammer sowie Vertreter südosteuropäischer und osteuropäischer Botschaften. Venercji List, die mit einer Auflage von 350 000 Exemplaren größte kroatische Zeitung, berichtete am nächsten Tag prominent über das Seminar.


Sommerakademie des Schiller-Instituts

Am Wochenende des 24./25. Juli 1999 fand die traditionelle Sommerakademie des Schiller-Instituts mit rund 280 Mitgliedern und Gästen aus vielen Ländern Ost- und Westeuropas, aus Afrika, Kanada und den Vereinigten Staaten statt.


Schiller-Institut auf Konferenz in Neu-Delhi

Am 28.-29.7.1999 veranstaltete das Maulana-Azad-Institut für asiatische Studien in Kalkutta in der indischen Hauptstadt eine Konferenz über die indisch-zentralasiatischen Beziehungen, unter besonderer Berücksichtigung der Beiträge von Babajan Gafurow, dem früheren langjährigen Leiter des Moskauer Orient-Instituts. Zu den Teilnehmern gehörten etwa 20 Experten aus den zentralasiatischen Republiken; eine russische Delegation unter dem jetzigen Chef des Orient-Instituts Prof. Rybakow; eine chinesische Delegation unter Prof. Ma Jiali, der auch eine der Sitzungen des Seminars leitete; etwa 40 indische Gelehrte mit Prof. Devendra Kaushik an der Spitze; der neugewählte armenische Parlamentsabgeordnete Hrant Katchatrian sowie als Vertreter des Schiller-Instituts Ramtanu Maitra und Michael Liebig. Liebig trug am 2. Konferenztag ein Papier zum Thema "Die NATO, das ,eurasische Dreieck' und die Regionen des Kaukasus und Zentralasiens" vor. Zu den Konferenzbeiträgen, die als Buch erscheinen sollen, zählt auch ein Aufsatz von Helga Zepp-LaRouche über die Eurasische Landbrücke und das Dreieck China-Rußland-Indien.

Die Konferenz verdeutlichte die jüngsten Fortschritte der indisch-chinesischen Beziehungen; so diskutierte man offen über eine mögliche Zusammenarbeit der Nachrichtendienste und über Straßenverbindungen zwischen Zentralasien, Indien und China über den Himalaja. Auch die Realität des Dreiecks China-Rußland-Indien auf der weltpolitischen Bühne wurde bekräftigt. Dies ist besonders wichtig, da Indien seit den Nukleartests vom Mai 1998 international immer noch stark von probritischen Kreisen angefeindet wird. Darüber hinaus wurde deutlich, wieviel Glaubwürdigkeit und Ansehen Lyndon LaRouche, das Schiller-Institut und EIR in analytischen und programmatischen Fragen genießen.

Die Eröffnungsrede hielt Ministerpräsident Atal Behari Vajpayee persönlich. Er sprach von dem "geokulturellen Raum", der Süd- und Zentralasien vereine und von vielen "Seidenstraßen" in politischer, wirtschaftlicher, kultureller und religiöser Hinsicht durchzogen würde. Maitra und Liebig wurden dem Ministerpräsidenten als Vertreter des Schiller-Instituts vorgestellt. Besonders herzlich begrüßte Vajpayee die chinesische Delegation. Weitere Redner waren Erziehungsminister Dr. Joshi, der Sekretär des Außenministeriums N. Dayal und der Leitende Minister von Jammu und Kaschmir, Faruk Abdullah.


Armenien. Zu Gast beim Kongreß der Partei für Verfassungsrechte in Armenien. Scharfe Kritik am IWF

Auf Einladung der Partei für Verfassungsrechte Armeniens besuchte Anno Hellenbroich, Geschäftsführer der EIR-Nachrichtenagentur in Wiesbaden, die armenische Hauptstadt Eriwan. Am 10. Oktober hatte die Partei zu ihrem 11. Parteitag eingeladen. Über 200 Parteimitglieder aus allen Teilen Armeniens, Vertreter anderer Parteien, sowie Funk, Fernsehen und zahlreiche Journalisten waren gekommen.

Dieser Kongreß hatte besonderes öffentliches Gewicht bekommen, da nach vier Jahren wieder zwei Vertreter der Partei, der Vorsitzende Hrant Khachatrian und sein Stellvertreter Haik Baboukhanian, Verleger und ehemaliger Chefredakteur der größten Oppositionszeitung Armeniens Iravunk, bei den Parlamentswahlen im Mai dieses Jahres als Teil des Wahlbündnisses "Einheit und Recht" ins Parlament gewählt worden waren. Insgesamt sieben Abgeordnete des Bündnisses wurden ins Parlament gewählt.

In den Reden des mit überwältigender Mehrheit wiedergewählten Vorsitzenden Khachatrian und seines Stellvertreters Baboukhanian, wurde die Aufbruchsstimmung der Partei deutlich. Gerade der Aufruf Khachatrians, die "angestammten Rechte mit Macht" einzufordern, also die katastrophale Wirtschaftslage mit all den riesigen sozialen Problemen nicht nur zu beklagen, sondern sich als Partei im öffentlichen Leben aktiv für Verbesserungen einzusetzen, fand großen Anklang.

Nicht zuletzt seit den massiven Wahlmanipulationen bei den Präsidentschaftswahlen 1996 und zahlreichen korrupten Machenschaften einiger Regierungsmitglieder haben sowohl die Parteispitze als auch ihre Zeitung Iravunk durch ihre Unbestechlichkeit, ihre unbeugsame Haltung zu Verfassungrechten, Menschenrechten und der Souveränität des Staates, gerade auch in der bis heute umstrittenen Frage der "Einheit in Unabhängigkeit" mit Nagornyj-Karabach großes Ansehen bei der Bevölkerung erworben.

In seiner Rede "Die gegenwärtige globale Krise -- Welche Aufgaben liegen vor uns?" beschrieb Hellenbroich mit scharfen Worten die verheerenden Folgen der Auflagen des Internationalen Währungsfonds (IWF). Er zitierte aus einem Glückwunschschreiben Lyndon LaRouches an das chinesische Volk anläßlich des 50. Jahrestages der Gründung der Volksrepublik China, in dem LaRouche angesichts der globalen Zusammenbruchskrise forderte, daß mehr kluge Menschen und politische Führungspersönlichkeiten sich einer Politik der Reorganisation des Finanzsytems und der Politik wirtschaftlichen Aufbaus weltweit anschließen sollten. Hellenbroich hob die Bedeutung des Wahlkampfes LaRouches in Amerika zur Überwindung der dramatischen weltweiten Wirtschaftslage hervor, mit der auch die armenische Bevölkerung gegenwärtig zu kämpfen habe.

Angesichts der Kämpfe im Nordkaukasus, nur wenige hundert Kilometer von Armenien entfernt, und vor dem Hintergrund der Spannungen mit Aserbeidschan sowie den Auswirkungen der Blockadepolitik gegen Armenien geißelte Hellenbroich das Wiederaufleben der britischen geopolitischen Strategie des "Großen Spiels" des 19. Jahrhunderts, eine Sorge, die viele der Zuhörer aufgrund der geostrategischen Lage Armeniens berührte. Der Aufruf zur Errichtung eines "neuen Bretton Woods" im Rahmen einer eurasischen Entwicklungsstrategie, den die Präsidentin des Schiller-Instituts Helga Zepp-LaRouche und die führende ukrainische Präsidentschaftskandidatin Natalja Witrenko im Februar 1997 veröffentlicht hatten, fand zum Schluß der Rede Hellenbroichs viel Beifall.

In den Diskussionsbeiträgen, die meist die sozialen Probleme des Landes berührten, wurde von vielen jüngeren Parteimitgliedern die immer noch anhaltende Abwanderungswelle angesprochen. In den letzten Jahren sind von den einst 3,7 Millionen Armeniern fast eine Million vor allem nach Rußland, in die Vereinigten Staaten, Frankreich oder auch den Iran emigriert.

Die Schlußerklärung nahm diese Sorgen auf und kritisierte vor allem die schlimmen Auswirkungen der vom IWF aufgezwungenen Politik. Zum Abschluß wurde angesichts der bald stattfindenen Kommunalwahlen noch einmal verstärkt für die Ausweitung der Partei auf das ganze Land geworben.

Im Rahmen seines Besuchs hatte Hellenbroich auch Gelegenheit zu zahlreichen weiteren Gesprächen mit Regierungs- und Parlamentsvertretern.