Brief an die Teilnehmer der UN-Vollversammlung 2026
Die Gründerin des Schiller-Instituts, Helga Zepp-LaRouche, veröffentlichte den folgenden offenen Brief an die Teilnehmer der UN-Vollversammlung. Der Brief wurde an alle Teilnehmer verteilt, als diese vom 21. bis 25. September in New York zusammentraten.
An die Staatschefs und Delegationen,
die an der UN-Vollversammlung im September 2026 teilnehmen
Diese Institution, die Vollversammlung der Vereinten Nationen, mag zwar nicht
perfekt und reformbedürftig sein, aber sie ist in dieser Zeit extremer Krise
nach wie vor die wichtigste Institution, in der Vertreter der gesamten
Menschheit zusammenkommen, um existentielle Probleme anzugehen.
Diesmal findet die UN-Vollversammlung zu einem Zeitpunkt statt, an dem die
Existenz der menschlichen Gattung in großer Gefahr ist. Zwei regionale Kriege,
der Krieg in der Ukraine und der Krieg gegen den Iran, drohen beide, zu
umfassenderen regionalen Konflikten und sogar zu einem globalen Atomkrieg zu
eskalieren. Hochrangige Militärexperten warnen, daß wir uns in einer Situation
befinden, die gefährlicher ist als die Kubakrise.
In jüngster Zeit ist in den Vereinigten Staaten und Großbritannien eine
offene Diskussion über den möglichen Einsatz taktischer Atomwaffen entbrannt, ja
sogar über die Vorstellung, man könnte einen „begrenzten Atomkrieg“ führen und
gewinnen. Jeder, der sich mit diesem Thema auseinandergesetzt hat, weiß, daß es
so etwas wie einen taktischen Atomkrieg nicht gibt, denn schon der Einsatz einer
einzigen sog. taktischen Atomwaffe würde innerhalb weniger Tage zu einem
umfassenden globalen Atomkrieg eskalieren, der zur Auslöschung der Menschheit
führen würde.
Im Laufe der letzten 35 Jahre, nach dem Ende des Kalten Krieges, hat die Welt
den Übergang von dem gescheiterten Versuch, eine unipolare Welt zu etablieren,
hin zu einer sich entfaltenden Multipolarität durchlaufen, die jedoch immer noch
von der Logik der Geopolitik geprägt ist. Geopolitik basiert auf der
Vorstellung, eine Nation oder Gruppe von Nationen hätte ein legitimes Interesse,
das sie einer anderen Nation oder Gruppe von Nationen aufzwingen kann.
Gleichzeitig erleben wir das Ende einer fünfhundertjährigen Ära des
Kolonialismus. Wenn wir als Menschheit verhindern wollen, daß diese turbulente
Übergangsphase in einen neuen Weltkrieg mündet, müssen wir die geopolitische
Konfrontation durch ein völlig neues Paradigma ersetzen: die Vision der EINEN
Menschheit. Es ist dieselbe Frage, die bereits zur Zeit der jungen
amerikanischen Republik in den Federalist Papers diskutiert wurde: Kann
sich die Menschheit selbst regieren?
Wenn diese Frage im Zeitalter der thermonuklearen Waffen bejaht werden soll,
dann müssen wir ein völlig neues Paradigma etablieren: Die Idee der EINEN
Menschheit muß an erster Stelle stehen und über alle Partikularinteressen
gestellt werden.
Diese UN-Vollversammlung ist der richtige Ort, um das Konzept einer „Neuen
Sicherheits- und Entwicklungsarchitektur“ auf die Tagesordnung zu setzen, die
die Interessen jedes einzelnen Landes auf diesem Planeten berücksichtigen muß.
Die vier von China vorgelegten globalen Initiativen – insbesondere aber die
Initiative zur Globalen Governance – stellen einen sehr praktischen Ansatz dar,
um die Grundlage für ein solches neues Paradigma zu schaffen.
Mögen der „Geist von Bandung“, der „Geist von Shanghai“ und der Geist von
Beethovens Neunter Symphonie, daß „alle Menschen Brüder werden“, Ihre
Inspiration sein!
Mit freundlichen Grüßen,
Helga Zepp-LaRouche,
Gründerin des Schiller-Instituts
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