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Schiller-Institut e. V.
"Zweck der Menschheit ist kein anderer als die
Ausbildung der Kräfte des Menschen, Fortschreitung."
Friedrich Schiller

 

Kreativität: Die Grundlage der physischen Wirtschaft

Von Jason Ross

Dieser Artikel basiert auf dem Vortrag, den der Autor am 24. Mai im dritten Abschnitt der Konferenz „Eine schöne Vision für die Menschheit in Zeiten großer Turbulenzen!“ des Schiller-Instituts gehalten hat. Die Vortragsrunde befasste sich mit LaRouches Ansatz zur wirtschaftlichen Entwicklung und dem konkreten Ausdruck davon im Oasenplan für Südwestasien. Die Rede wurde aus dem Englischen übersetzt, Zwischentitel wurden hinzugefügt.

Im Jahr 1995 schrieb Lyndon LaRouche:

    „Jeder Mensch verfügt über ein intellektuelles Potential, das kein Tier besitzt, nämlich die Fähigkeit, sich nicht nur Naturzustände vorzustellen, die es im Universum noch nie gegeben hat, sondern diese Ideen unter bestimmten Einschränkungen auch effizient auf das Universum insgesamt anzuwenden. Die Voraussetzung dafür ist, daß diese Vorstellungskraft mit den universellen Gesetzen in Einklang gebracht wird. Diese so definierte Kreativität ist Ausdruck des Intellekts des einzelnen Menschen, der nach dem Bild des effizienten schöpferischen Intellekts Gottes geschaffen ist. Auf diese Weise wird man in die Lage versetzt, unter den eigenen effizienten intellektuellen Zuständen eine Eigenschaft zu erkennen, die ein Spiegelbild Gottes ist.“
    (Lyndon LaRouche, Was ist Gott, daß der Mensch nach seinem Ebenbild ist?)

Was bedeutet es, daß der Intellekt des einzelnen Menschen „nach dem Bild von Gottes effizientem schöpferischen Intellekt geschaffen“ ist? Menschliche Kreativität bringt Ideen hervor. Und wenn diese Ideen gültig sind, schwingen sie mit dem Universum in einer Weise mit, daß unsere Gattung die Kräfte der Natur beherrschen kann, um neue Existenzzustände, neue Ebenen der Produktivität zu erreichen. Wenn unsere Ideen nicht mit grundlegenden physikalischen Ursachen im Einklang stünden, wären unser explosives Bevölkerungswachstum, unsere Reisen zum Mond und zu anderen Körpern im Sonnensystem, unsere verbesserte Lebenserwartung und Gesundheit nicht möglich.

Einstein drückte eine ähnliche Meinung prägnant aus: „Das ewig Unbegreifliche an der Welt ist ihre Begreiflichkeit...“ (1936)

Wir sind dazu bestimmt, das Universum zu begreifen und dieses Wissen zu nutzen, um unsere Beherrschung der Natur zu verbessern und unsere kulturellen Vorstellungen, unsere Sicht auf den Menschen als Individuum, zu verbessern.

Unter dem malthusianischen Paradigma, das die meisten transatlantischen Institutionen dominiert, ist das Verhältnis zwischen Mensch und Natur auf den Kopf gestellt. Kindern wird seit Jahren beigebracht, menschliche Eingriffe in die „natürliche“ Welt seien grundsätzlich schlecht, weil sie einen vermeintlich idealen, vom Menschen unberührten Naturzustand verletzen. Nach dieser Sichtweise ist unsere Gattung schuldig, bis ihre Unschuld bewiesen ist.

Dieses grüne Paradigma muss überwunden werden, nicht nur um alle Regionen der Welt zu entwickeln, sondern um unsere Gattung von neokolonialen Fesseln zu befreien, die sich als „Umweltschutz“ präsentieren.

Die wichtigste Umwelt für den Menschen ist nicht die sogenannte „natürliche”, vorgefertigte Umwelt, sondern die synthetische Umwelt, die durch unsere Verbesserungen geschaffen wurde und die unsere potentielle Produktivität und unseren Lebensstandard erhöht. In den Vereinigten Staaten hat die Tennessee Valley Authority eine Reihe von Dämmen gebaut, um Überschwemmungen zu verhindern, Bewässerung zu gewährleisten, Strom zu erzeugen und die Flussschifffahrt zu verbessern. Der Drei-Schluchten-Damm in China hat die regelmäßigen Todesopfer und Zerstörungen durch Überschwemmungen am Jangtsekiang gestoppt. Hochgeschwindigkeitszüge, Straßen, Stromnetze, Wasserversorgungsnetze, Abwassersysteme, U-Bahnen, Schulen, Museen – all dies schafft eine Plattform, auf der wirtschaftliche und wissenschaftliche Produktivität gedeihen kann.

Im Gegensatz zur Seereise ermöglicht die landgestützte Vernetzung zwischen Nationen eine Entwicklung entlang der gesamten Reiseroute. Der Vorschlag von LaRouche für eine Weltlandbrücke – heute veranschaulicht durch Chinas Belt and Road Initiative – sieht ein Netzwerk von Entwicklungskorridoren vor, die sich über den gesamten Globus erstrecken und das Produktivitätspotential und die potentielle Bevölkerungsdichte der Menschheit erhöhen. Die Weltlandbrücke ist nicht nur ein konkreter Plan für Wachstum, sondern auch eine Ablehnung des wachstumsfeindlichen Hegemonialismus in Form von Neokolonialismus und grünem Malthusianismus.

Der Oasenplan

Ohne einen solchen Plan ist eine friedliche und prosperierende Zukunft für den Nahen Osten unmöglich. Lyndon LaRouche hat vor 30 Jahren diese Zukunftsperspektive entworfen. Sie heißt Oasenplan.

Unmittelbar nach der Unterzeichnung des Osloer Abkommens durch die israelischen und palästinensischen Führer im Weißen Haus im Jahr 1993 forderten Lyndon LaRouche und seine Mitarbeiter die Parteien und die internationale Gemeinschaft nachdrücklich auf, wirtschaftliche Entwicklungsprojekte zur Aufrechterhaltung und Förderung des Friedensprozesses umzusetzen. LaRouche und seine Mitarbeiter entwickelten den Oasenplan, der sowohl bestimmte wirtschaftliche Aspekte des Anhangs IV des Osloer Abkommens von 1993 – das sogenannte „Protokoll über die israelisch-palästinensische Zusammenarbeit bei regionalen Entwicklungsprogrammen“ – enthielt als auch zusätzliche wichtige Wasser-, Energie- und andere Projekte forderte, deren Notwendigkeit LaRouche bereits Mitte der 1970er Jahre erkannt hatte.

Der Oasenplan konzentrierte sich in erster Linie auf die Beseitigung des größten Hindernisses für die Entwicklung in der Region – den Mangel an Süßwasser – durch den Bau eines Netzes von Entsalzungsanlagen, die das reichlich vorhandene Meerwasser in Süßwasser umwandeln könnten. Diese Anlagen sollten nicht nur an der Mittelmeerküste entstehen, sondern entlang zweier neuer Kanäle: einer Verbindung zwischen dem Roten Meer und dem Toten Meer und einer Verbindung zwischen dem Toten Meer und dem Mittelmeer.

Zur Klarstellung: Diese neuen Kanäle oder Aquädukte sind nicht für den Güterverkehr als Alternative zum Suezkanal gedacht – ihr Zweck ist der Transport von Wasser. Aufgrund der geringen Höhe des Toten Meeres, das mehr als 400 Meter unter dem Meeresspiegel liegt, könnte das fließende Wasser unterwegs auch Wasserkraft liefern, die zur Stromversorgung der Entsalzungsanlagen und zur allgemeinen Entwicklung beitragen könnte. Die Anlagen könnten auch mit den großen Mengen an Erdgas vor den Küsten Gazas, Israels, des Libanon, Syriens und Ägyptens betrieben werden.

Am wichtigsten ist jedoch, daß der Oasenplan über Wasserkraft und chemische Brennstoffe hinausgeht und den Bau von Kernkraftwerken entlang dieser Kanäle und an den Küsten des Mittelmeers und des Roten Meeres vorsieht, um reichlich Strom zu produzieren, Meerwasser zu entsalzen, die riesigen Wüsten der Region zu begrünen und einen Industrialisierungsprozess in Palästina, Israel, Jordanien, Syrien, im Libanon und in Ägypten in Gang zu setzen.

Die Nutzung der Kernenergie würde die Kohlenwasserstoffressourcen der Region für die chemische Verarbeitung freisetzen, um über petrochemische Zwischenprodukte industrielle Werkstoffe herzustellen. Die Kernkraftwerke könnten mit von Natur aus sicheren hochtemperaturgasgekühlten Kugelhaufen-Reaktoren des gerade in Betrieb genommen Typs im chinesischen Shidao Bay betrieben werden.

Die durch Entsalzung geschaffenen neuen künstlichen Flüsse würden das Potential für die agroindustrielle Entwicklung in der gesamten Region enorm erweitern und die Wüsten – und die Wirtschaft – zum Blühen bringen!

LaRouche erklärte die Notwendigkeit der Erschließung neuer Wasserquellen in einer Rede im Jahr 1994. LaRouche:

    „Unter den gegenwärtigen Bedingungen kann der Wasserverbrauch einer modernen Bevölkerung, sowohl der palästinensischen als auch der israelischen, nicht gedeckt werden. Es gibt einen Konflikt um Wasser, weil die Israelis, offen gesagt, ihre Eroberungen genutzt haben, um allen das Wasser abzugraben. Das ist einer der Konflikte mit Syrien um die Golanhöhen. In Libanon geht es um den Litani-Fluß und ähnliche Dinge.“

Die Entwicklung der Energie- und Wasserversorgung muss mit einem Netz von Verkehrsinfrastrukturen einhergehen, das die physische Anbindung aller Länder der Region verbessert und so eine Konfliktregion, die ein Hindernis für die Vernetzung darstellt, in einen Knotenpunkt der Interaktion, in eine Drehscheibe verwandelt. Eine Autobahn, die das Westjordanland mit dem Gazastreifen verbindet und den palästinensischen Staat vernetzt, ist ein absolut wesentlicher Bestandteil dieses Netzes. Regionale Autobahnen und Schienennetze werden es der gesamten Region ermöglichen, von einer höheren wirtschaftlichen Plattform aus zu agieren.

LaRouche schlug auch eine Erweiterung des Suezkanals mit Industriezonen auf beiden Seiten vor, eine Aufgabe, die Ägypten in den letzten Jahren bereits umgesetzt hat.

LaRouche argumentierte seit 1975, daß diese Region, die sich am Schnittpunkt der Zivilisationen befindet und geographisch zwischen dem Indischen Ozean und dem Mittelmeer sowie zwischen Europa, Asien und Afrika liegt, eine einzigartige Position als Industrie- und Logistikzentrum einnimmt. Öl und Erdgas werden als Rohstoffe für die industrielle Produktion von Kunststoffen, Farben und vielen anderen nützlichen Materialien dienen, anstatt als Rohstoffe exportiert und hauptsächlich für einfache Verbrennungszwecke verwendet zu werden.

Die Verbesserung der Konnektivität, um ein höheres Entwicklungsniveau zu erreichen, ist ein wesentliches Merkmal der 2013 von China begonnenen Belt and Road Initiative.

Die Nutzung dieser Region als Landbrücke zwischen den Kontinenten, an deren Entwicklung Großmächte wie die USA, China, Rußland und die EU beteiligt sind, wird die Region stabilisieren und gleichzeitig dazu beitragen, die besseren Beziehungen zwischen den Supermächten zu festigen, die für ihre Verwirklichung notwendig sein werden.

Wissenschaftliche, technologische und kulturelle Zusammenarbeit und Austausch sind Schlüsselelemente des Transformationsprozesses, den der Oasenplan darstellt. Durch die Zusammenarbeit im Kampf gegen die Wüste statt gegeneinander werden die Menschen in der Region besser in der Lage sein, die Menschlichkeit ineinander zu erkennen, die gemeinsame Fähigkeit der Menschen, Naturgesetze zu entdecken und unsere Beziehung zur Umwelt zu verändern. Der Mensch ist kein Tier.

Die Wüsten der Region schreien nach massiven Veränderungen der Umwelt und der Menschen.

Dieser Plan ist keine ferne Vision von etwas, das erst in ferner Zukunft nach dem Frieden erreicht werden kann. Nur durch ein Paradigma der internationalen Beziehungen, das diesen Ansatz unterstützt – wie es heute in der ersten Podiumsdiskussion erörtert wurde –, ist Frieden überhaupt möglich!

Jede Minute, in der der Völkermord weitergeht, bringt mehr Tod, mehr Bitterkeit und mehr Schwierigkeiten bei der Verwirklichung gemeinsamen Wohlstands. Er muss beendet werden! Und das geopolitische Paradigma, das die meisten Konflikte in der heutigen Welt verursacht, muss durch eine neue Sicherheits- und Entwicklungsarchitektur ersetzt werden, und zwar auf globaler Ebene!

Dies ist kein regionales Problem.

Eine historische Parallele

Auch wenn es schwierig sein mag, sich einen dauerhaften, sinnvollen Frieden zwischen Israelis und Palästinensern vorzustellen, können wir einen Blick auf die historische Parallele des Dreißigjährigen Krieges werfen, der Europa in blutige Religionskriege stürzte. (Ich behaupte nicht, daß der israelisch-palästinensische Konflikt grundlegend religiös ist.) Katholiken töteten Protestanten, und Protestanten töteten Katholiken in einer Spirale der Rache, die einige Regionen mit weniger als der Hälfte ihrer Vorkriegsbevölkerung zurückließ.

Der Westfälische Frieden von 1648 beendete die jahrzehntelangen Kriege auf Grundlage einer Zukunftsorientierung, des Interesses am Wohl des anderen und der Vergebung.

Unterzeichnung des Spanisch-Niederländischen Vertrags in Münster am 15. Mai 1648. In dem Gemälde von Gerard ter Borch wird die feierliche Beschwörung des Westfälischen Friedens im Rathaussaal von Münster festgehalten.

Artikel 1 enthält folgenden Text:

    „Es soll ein christlicher, allgemeiner und ewiger Friede und eine wahrhaftige und aufrichtige Freundschaft herrschen... Und dieser Friede soll so aufrichtig und ernsthaft gewahrt und gepflegt werden, daß jede Seite die Vorteile, die Ehre und das Wohl der anderen fördert... Die Nachbarschaft soll erneuert werden und zu Frieden und Freundschaft gedeihen und wieder aufblühen.“

Und Artikel 2 besagt:

    „Beide Seiten sollen alles, was seit Beginn der Unruhen, wie auch immer und wo auch immer, von der einen oder anderen Seite geschehen ist, für immer vergessen und vergeben, damit niemand aus diesem Grund oder aus irgendeinem anderen Grund oder Vorwand Feindseligkeiten, Unfreundlichkeiten, Schwierigkeiten oder Hindernisse gegenüber Personen, ihrem Status, ihrem Eigentum oder ihrer Sicherheit selbst, oder durch andere, heimlich oder offen, direkt oder indirekt, unter dem Vorwand der Autorität oder des Gesetzes oder durch Gewalt innerhalb des Reiches oder außerhalb desselben begehen oder zulassen, und frühere, widersprüchliche Verträge sollen dem nicht entgegenstehen.

    Statt dessen soll die Tatsache, daß jeder einzelne, von der einen wie von der anderen Seite, sowohl vor als auch während des Krieges, Beleidigungen, Gewalttaten, Feindseligkeiten, Schäden und Verletzungen begangen hat, ohne Rücksicht auf Personen oder Folgen, vollständig beiseite gelegt werden, damit alles, was man unter seinem Namen von einem anderen verlangen könnte, für immer vergessen wird.“

Dieses weitsichtige westfälische Friedensprinzip wird heute von den malthusianischen Kräften angegriffen, die einen Zustand des permanenten Krieges aufrechterhalten wollen, angeführt von Tony Blair von der Londoner City, der 1999 verkündete, das westfälische Modell sei gescheitert. Und dieser kranke Mann wurde nun als Berater hinzugezogen, um beim „Wiederaufbau“ Gazas zu helfen.

LaRouche schrieb 1978 in seinem Artikel „Eine machiavellistische Lösung für Israel“:

    „Das einzig Menschliche ist, dem Leben und Leiden der Toten einen Sinn zu geben, nicht nur durch die Herstellung des Friedens im Nahen Osten, sondern durch die Schaffung einer Grundlage für den Frieden, die den gegenwärtigen und zukünftigen Generationen der Palästinenser und anderer Araber ein erfülltes Leben ermöglicht und damit dem heiligen Leben der Toten einen Sinn und eine Erfüllung gibt.“

Das gilt natürlich auch für die Israelis.

Zehntausende Palästinenser sind bereits als tot bestätigt, und zweifellos sind auch Zehntausende Vermisste bereits ums Leben gekommen. Hunderttausende werden die Narben tragen, die ihnen der Staat Israel zugefügt hat.

Werden Sie handeln, um dem Leben derer, die umgekommen sind, und denen, die gelitten haben, einen Sinn zu geben?