Mit Lyndon LaRouches Ideen in ein Neues Paradigma
Von Alexander Hartmann
„Wie die Menschheit die größte Krise der Weltgeschichte
überleben kann“ – mit dieser Frage befaßte sich am 10. und 11. September eine
Internetkonferenz, die dem Andenken des amerikanischen Ökonomen, Staatsmanns,
Philosophen und Wissenschaftlers Lyndon LaRouche gewidmet war, der am 8.
September hundert Jahre alt geworden wäre.
Die Teilnehmer und Referenten waren sich einig, daß es eine wahrhaft
inspirierende Konferenz war. Zwei Tage zuvor, am 8. September, dem
eigentlichen Geburtstag des im Februar 2019 verstorbenen LaRouche, hatten in
vielen Städten der Welt Feierlichkeiten stattgefunden, und auf der Webseite
des Schiller-Instituts gab es ein „Videomarathon“ mit Ausschnitten aus
Vorträgen des amerikanischen Ökonomen aus fast 50 Jahren.
Die Konferenz behandelte viele Aspekte von LaRouches Denken, seiner
Wissenschaft der physischen Ökonomie und den Programmen, die er zur Lösung
vieler Krisen und Herausforderungen der Menschheit vorschlug. Ein Leitmotiv
der beiden Tage war: Wenn die Welt und besonders die USA auf LaRouche gehört
hätten, dann wären wir heute nicht in der „größten Krise der Weltgeschichte“
mit der realen Gefahr eines nuklearen Weltkriegs, der die Zivilisation
auslöschen würde.
Die Veranstaltung wurde eröffnet mit einem Ausschnitt aus einer Rede, die
Lyndon LaRouche 1997 gehalten hatte. Darin brachte LaRouche das Problem, mit
dem die Welt heute konfrontiert ist, auf den Punkt: „Eine unmoralische
Zivilisation rennt in ihr Verderben, ein selbstverschuldetes Verderben. Es ist
gut, sie loszuwerden, denn sie würde uns früher oder später sowieso alle
umbringen. Die Frage ist: Haben wir den Mut, eine Alternative anzunehmen, und
wissen wir, was diese Alternative ist?“
Die Hauptrednerin Helga Zepp-LaRouche, die Gründerin und Präsidentin
des Schiller-Instituts, entlarvte dann in ihrer Eröffnungsrede das Narrativ
von den „Demokratien“ des Westens, die gegen die „ruchlosen Diktaturen“
Rußlands und Chinas stünden – in Wirklichkeit sei die Situation
„spiegelverkehrt“. Eine „Demokratie“ ohne freie Meinungsäußerung, ohne offene
öffentliche Debatte und mit Todeslisten für Dissidenten, eine Art
„digitalisierte Gestapo“, sei ein Betrug.
Weiter sprach sie über das Vermächtnis ihres verstorbenen Ehemanns: Das
Geheimnis von LaRouches Erfolg sei eine unvergleichliche Kenntnis der Ideen
der Renaissance in der platonischen Tradition. Seine Gegner, die oligarchische
Klasse, müßten Kreativität und Genialität in der Bevölkerung unterdrücken, um
ihren Status zu verteidigen. China habe den Fehler der Ein-Kind-Politik
korrigiert, als es erkannte, daß die Ressourcen nicht endlich sind und daß
mehr Kinder mehr Kreativität bedeuten, was LaRouches Ideen entspricht. Sie
betonte: „Die Vereinigten Staaten und Europa werden zusammenbrechen, wenn sie
auf Malthus statt auf LaRouche setzen.“ (Den vollständigen Text ihrer Ausführungen finden Sie in dieser
Ausgabe.)
Der ehemalige stellvertretende Ministerpräsident der Tschechoslowakei,
Jozef Mikloško, beklagte, daß Europa den Zusammenbruch des Kommunismus
nicht für eine wirkliche Verbesserung nutzte. Er wies auf die Ironie hin, daß
LaRouche gerade in einem Moment, in dem 1989 die Verheißung größerer Freiheit
aufkeimte, unschuldig ins Gefängnis geworfen wurde. „Er war ein harter
Kämpfer, aber voller Humor und Einfühlungsvermögen“, sagte Mikloško, der
LaRouche mehrmals im Gefängnis in den USA besucht hat.
Prof. Ding Yifan, Vizedirektor des Research Institute of World
Development am China Development Research Center, erinnerte sich daran, wie
„Lyn“ ihn in die physische Ökonomie und die Notwendigkeit von
„antientropischen Faktoren“ in der Wirtschaft einführte. Heute betreibe die
mächtige Finanzwelt im Gegenteil eine entropische Politik. LaRouche habe ihn
gelehrt, daß Synarchisten bewußt Finanzkrisen herbeiführen und für ihre Zwecke
benutzen, was aber letztlich auch in ihren eigenen Untergang führt. Die Krise
schlage dann auf die Urheber zurück. LaRouche habe gelehrt, daß der Aufbau der
Infrastruktur die Grundlage für eine gesunde Wirtschaftsentwicklung ist, und
könne damit als Vorläufer von Chinas Gürtel- und Straßen-Initiative (BRI)
angesehen werden.
Prof. Georgij Toloraja, stellv. Vorstandsvorsitzender des Russischen
Nationalen Komitees für die BRICS-Forschung, erinnerte daran, daß sich Rußland
nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion gerne als gleichberechtigter Partner
der vom Westen geführten neuen Weltordnung angeschlossen hätte, ihm diese
Möglichkeit aber verwehrt wurde. Heute kämpfe Rußland in der Ukraine nicht
darum, sich mehr Territorium oder Ressourcen anzueignen, denn davon habe es
selbst schon mehr als genug. Vielmehr sei dieser Krieg ein Existenzkampf: Der
„Westen“ kämpfe nicht für die Demokratie, sondern für die Dominanz auf der
Welt, er beraube die ganze übrige Welt zu seinem Vorteil.
Ray McGovern, ehemaliger leitender Analyst des US-Geheimdienstes
Central Intelligence Agency (CIA) und Gründungsmitglied der kritischen Gruppe
„Geheimdienstveteranen für Vernunft“ (Veteran Intelligence Professionals for
Sanity, VIPS), übermittelte eine einfache Botschaft: Wir können diese Krise
überleben, genauso wie eine ähnliche Krise, die in den 1930er Jahren in
Deutschland überstanden wurde. Die Moral davon laute: „Niemals aufgeben!“
Cliff Kiracofe, ehemaliger leitender Mitarbeiter des Ausschusses für
auswärtige Beziehungen des US-Senats und jetziger Präsident des Washingtoner
Institute for Peace and Development, erinnerte an seine langjährige
Zusammenarbeit mit Lyndon und Helga LaRouche als „eine anregende
intellektuelle Atmosphäre inmitten großer Gastfreundschaft“. Er erklärte, die
Vereinten Nationen müßten gestärkt und in den Mittelpunkt der Weltordnung
gestellt werden. Die gemeinsame Erklärung der Präsidenten Xi und Putin vom 4.
Februar markiere eine neue Etappe in der Entwicklung der internationalen
Beziehungen; in diesem Zusammenhang erwähnte er auch „multipolare“
Organisationen wie BRICS, SCO und ASEAN.
Er stellte die Frage: „Ist Washington ein Schurkenstaat geworden?“ Die
„Eskapade“ der Kongreßsprecherin Nancy Pelosi in Taiwan falle in den Rahmen
des Stellvertreterkriegs der USA gegen Rußland. Sie habe versucht, die
asiatischen Staaten für die Anti-China-Politik zu gewinnen, aber „niemand hat
angebissen“. In ähnlicher Weise habe man US-Außenminister Blinken bei seiner
antichinesischen Tour durch Afrika abgewiesen. Die USA hätten drei
schwerwiegende, unumkehrbare Fehler gemacht, betonte Kiracofe: den
Vietnamkrieg, das Hegemoniestreben nach dem Kalten Krieg und den
Afghanistankrieg. Die USA hätten den Kalten Krieg wieder neu angezettelt, nach
dem Motto: „Wenn eine unipolare Welt nicht möglich ist, holen wir die bipolare
Welt zurück.“ (Den Wortlaut dieser Beiträge der ersten Konferenzsitzung finden Sie in dieser
Ausgabe.)
Hybris und Nemesis
Während der anschließenden Diskussionsrunde sagte Helga Zepp-LaRouche: „Ich
würde es wirklich bedauern, wenn Europa zum Relikt einer Zivilisation würde,
die gescheitert ist.“ Sie fuhr fort: „Den Ländern, die die wirtschaftlichen
Prinzipien meines verstorbenen Mannes anwenden, geht es gut“, während die
Länder, die Malthus' Ideen folgen, völlig zusammenbrechen.
Unter den Podiumsteilnehmern entspann sich dann eine sehr interessante
Diskussion zum Thema Nemesis. Zepp-LaRouche stellte fest, es gebe eine höhere
Macht, die als „Naturgesetz“, „Mandat des Himmels“ o.ä. bezeichnet wird. „Man
kann nicht gegen die höhere Ordnung verstoßen, ohne daß sie zurückschlägt und
einen mit Rache verfolgt.“ Sie führte dann als Beispiel Schillers Gedicht
Die Kraniche des Ibykus an.
Cliff Kiracofe wies darauf hin, daß bei den alten Griechen das Konzept der
„Nemesis“ mit „Hybris“ (Arroganz, Überheblichkeit) gepaart ist – die Nemesis
ist das Gegenmittel gegen die Hybris. Das griechische Wort „Dike“ stehe für
Gerechtigkeit und Fairneß, und die gemeinsame Erklärung von Xi und Putin vom
4. Februar (http://en.kremlin.ru/supplement/5770) spiegle diese
Eigenschaft wider.
Ray McGovern ergänzte, es sei „schön, die Nemesis auf unserer Seite zu
haben“. Dagegen verkörpere die in Amerika verbreitete Vorstellung, die
Vereinigten Staaten und ihre Elitekreise seien außergewöhnlich, die Hybris. So
etwas hätten Leute wie Blinken und der Nationale Sicherheitsberater Jake
Sullivan auf ihren Eliteschulen gelernt. McGovern bezog sich dann auf Lenin:
„Was tun? Wir wollen nicht, daß die Menschen nachgeben, so wie es die
Sozialdemokraten gegenüber Hitler taten.“ Als konkretes Beispiel berichtete
er, daß der Verband der amerikanischen Pfadfinder, Boy Scouts of America,
Ex-Präsident George W. Bush (der aus Angst vor einer Verhaftung nicht ins
Ausland reisen könne) eingeladen haben, in Raleigh in Nord-Carolina, vor ihnen
zu sprechen. Ray bereitet ein „Empfangskomitee“ vor, um zu versuchen, den
Besuch zu verhindern.
Helga Zepp-LaRouche sagte, daß unsere Gegner versuchen, im Hinblick auf den
bevorstehenden „heißen Herbst“ Proteste präventiv zu kriminalisieren, und
erinnerte die Zuschauer an die Lehre aus der DDR: Wenn zehn Menschen auf der
Straße sind, kann man sie verhaften, aber wenn es Millionen sind, geht das
nicht. Dieser „heiße Herbst“ könne nur durch Verhandlungen mit Rußland
vermieden werden. So könne man das G-20-Treffen im November in Indonesien
nutzen, um eine neue Politik auf die Tagesordnung zu setzen. „Der neue Name
für Frieden muß Entwicklung sein.“
McGovern entgegnete, daß Rußland und China sich auf die Prinzipien der UNO
berufen, während die USA und ihre Freunde die willkürliche „regelbasierte
Ordnung“ bevorzugten. Die russisch-chinesische Entente könne dieses Spiel
durchkreuzen. In der UNO hätten heute leider die USA das Sagen, deshalb dürfe
auch das Inspektorenteam der IAEO nicht einmal das Offensichtliche sagen, daß
es die Ukraine ist, die das Kernkraftwerk Saporischschja beschießt.
Kiracofe gab einen nützlichen Überblick darüber, wie die Briten die
Außenpolitik der USA steuern, und erinnerte daran, daß der Council on Foreign
Relations (CFR) als Ableger des Royal Institute of International Affairs
(Chatham House) gegründet wurde und daß die US-Medien dem Establishment
gehören, das der CFR vertritt. Alle US-Senatoren ohne Ausnahme hätten für eine
Resolution gestimmt, die Rußland zu einem „terroristischen Staat“ erklärt.
Wenn Diane Sare in den Senat gewählt würde, würde das die verrückte
Einstimmigkeit aufbrechen.
Ray regte ein „Noah-Prinzip“ an: keine Auszeichnungen mehr für das
Vorhersagen von Regen, sondern nur noch für den Bau von Archen.
Kiracofe sagte, im ukrainischen Regierungsapparat hätten wir es nicht mit
„Neonazis“ zu tun, „sondern mit echten Nazis, die in einer ununterbrochenen
Kontinuitätslinie zu den Kollaborateuren des Hitler-Regimes stehen“. Er
erwähnte in diesem Zusammenhang auch die kanadische Vizepremierministerin
Chrystia Freeland, die Tochter eines ukrainischen Nazis, und das ukrainische
„Zentrum für Desinformationsbekämpfung“ (s.u.) sei ein von den USA
unterstützter Nexus der Nazi-Propaganda.
In seinen abschließenden Bemerkungen erwähnte Kiracofe Dostojewskis Roman
Die Dämonen, in dem es ein Dorf gibt, das von dämonischen Ideen
übernommen wurde. Das sei eine passende Metapher für die von dämonischen Ideen
besessenen Köpfe der westlichen Eliten. McGovern lobte Die Dämonen
ebenfalls und ergänzte, daß in Die Brüder Karamasow der Großinquisitor
auftritt. Das sei ebenfalls eine passende Metapher für das, was heute
geschieht. Zepp-LaRouche erinnerte die Zuschauer daran, daß „links“ und
„rechts“ in der Politik nicht mehr viel bedeuten, das seien lediglich
Konstrukte, die benutzt wird, um zu „teilen und herrschen“. Das
Schiller-Institut sei nicht parteipolitisch voreingenommen, weil es hier um
Prinzipien geht. Lyndon LaRouche sei mehr verleumdet worden als Xi und Putin
zusammen, „und das bedeutet eine Menge. Bitte nehmen Sie LaRouches Ideen
ernst, sie eröffnen Ihnen ein ganz neues Universum, und Sie werden Freude
daran haben!“
Verteidigt die Meinungsfreiheit!
Das Thema des zweiten Konferenzabschnitts lautete „Für das Recht auf freie
Meinungsäußerung und Diskussion! Widerstand gegen Schwarze Listen und die
Unterdrückung der Wahrheitssuche!“ Unter der Moderation von Harley
Schlanger, dem Sprecher des Schiller-Instituts, der selbst auf der
bösartigen ukrainischen Mirotworez-Todesliste steht, diente diese
Vortragsrunde dazu, aufzudecken und anzuprangern, wie der Nationale
Sicherheits- und Verteidigungsrat der Ukraine und sein Zentrum für
Desinformationsbekämpfung (CCD) sowie die berüchtigte Website des
Mirotworez-Zentrums mit massiver Finanzierung und Unterstützung der USA, der
EU und der NATO dazu benutzt werden, Menschen, deren Ansichten dem westlichen
Narrativ über den Krieg in der Ukraine widersprechen, zum Schweigen zu bringen
oder sogar zu ermorden.1
Schlanger zitierte zu Beginn den bekannten Satz „Das erste Opfer im Krieg
ist die Wahrheit.“ Schon lange vor der russischen Militäroperation habe sich
die russische Regierung um Sicherheitsgarantien des Westens bemüht, doch die
NATO habe abgelehnt. Als die Militäroperation begann und der Westen die
Ukraine bewaffnete und finanzierte, habe US-Verteidigungsminister Austin
erklärt, der Westen wolle den Krieg nutzen, um Rußland dauerhaft zu schwächen.
Menschen, die sich dem Krieg widersetzen, werden auf die
Mirotworez-Tötungsliste gesetzt. Schlanger beschrieb die außerordentliche
Pressekonferenz von Executive Intelligence Review einige Tage zuvor, am
7. September, in der Mirotworez und CCD entlarvt wurden.2 Das Ziel
des Schiller-Instituts sei es, die Schließung der Mirotworez und des CCD
durchzusetzen.
Die Hauptrednerin der Runde war die unabhängige LaRouche-Kandidatin für den
US-Senat im Staat New York, Diane Sare, die ihren Vortrag mit „Die
beste aller möglichen Welten“ überschrieb. Sie beschrieb zunächst, wie die
herrschenden Eliten nach britischem Vorbild Methoden von Teilen und Herrschen
anwenden, um Menschen, die unterjocht oder eliminiert werden sollen,
gegeneinander aufzuhetzen. Als Beispiel nannte sie den Begriff „Illegale“
(engl. illegals) für Migranten, das sei ein abwertender Begriff, der
die Ausgrenzung dieser Menschen in der Gesellschaft rechtfertige. Aber am Ende
würden diejenigen, die diese Rechtfertigung für unmenschliche Behandlung
akzeptieren, mit Sicherheit das gleiche Schicksal erleiden. Dazu verwies sie
auf Präsident Bidens jüngste Rede, in der er behauptete, die 74 Millionen
Amerikaner, die 2020 Donald Trump gewählt haben, seien Staatsfeinde. Heute
seien die Menschen darauf programmiert, nicht mit anderen zu sprechen, die
eine andere Meinung zu irgendeinem „heißen“ Thema haben. Doch wie soll die
Zivilisation überleben, wenn die Menschen nicht bereit sind, ihre eigenen
Denkgrundsätze zu überprüfen und herauszufinden, ob das, was sie glauben, der
Wahrheit entspricht?
Die Amerikaner hätten die derzeitige katastrophale Politik, die zu der
derzeitigen wirtschaftlichen Misere führte, selbst zu verantworten. Sie
beschrieb dazu die Verfolgung von Lyndon LaRouche, der prophetisch vor dem
wirtschaftlichen Zusammenbruch und der Bedrohung durch Faschismus warnte, aber
gleichzeitig machbare Lösungen vorschlug. Die „anglo-holländische liberale
Kabale“, die in LaRouche wegen seiner Ideen eine Bedrohung ihrer Macht sah,
habe versucht, ihn zu töten, seine Publikationen mit Hunderttausenden von
Abonnenten zwangsweise geschlossen, eine massive Verleumdungskampagne gegen
ihn geführt und ihn schließlich ins Gefängnis geworfen. Die Mehrheit der
Amerikaner habe die Lügen über ihn akzeptiert und dadurch zugelassen, daß „ihr
eigener Verstand eingesperrt wurde“. Die gegenwärtigen Schrecken von Krieg,
Massenhunger und Hyperinflation, die das Leben von Milliarden Menschen
bedrohen, seien eine direkte Folge davon, daß die Bevölkerung die
Regierungspolitik mittrage.
Nun arbeiteten der russische Präsident Putin, der chinesische Präsident Xi
und andere an der Schaffung einer neuen Wirtschaftsordnung, die auf
Menschenwürde, Entwicklung und wissenschaftlichem Fortschritt beruht. Diese
neue Ordnung könne nicht durch Sanktionen durchkreuzt werden, weil sie mehr
als 40% der Weltbevölkerung vertritt. Da die Vereinigten Staaten nur 4% der
Weltbevölkerung ausmachen, isolierten sich die USA umso mehr selbst, je mehr
sie versuchen, diese neue Wirtschaftsordnung zu isolieren.
Der Zweck der Mordlisten bestehe darin, Menschen durch Einschüchterung zum
Schweigen zu bringen, indem diejenigen, die für die Wahrheit eintreten, als
„Informationsterroristen“ oder „politische Extremisten“ oder „Aufrührer“
bezeichnet werden. Der Grund für die hohe Moral der russischen Soldaten und
den Optimismus der jungen Menschen im Irak und Jemen sei, daß sie Hoffnung auf
eine bessere Zukunft haben. Die Amerikaner dagegen seien so pessimistisch,
weil die USA derzeit auf der falschen Seite der Geschichte stehen und ihre
Prinzipien, die einst die ganze Welt inspirierten, aufgegeben haben. Sare
erklärte, ihre größte Sorge sei nicht, daß die „sadistischen,
massenmörderischen Perversen“ mit ihren Plänen einer Weltdiktatur Erfolg haben
könnten, denn das könnten sie nicht, sondern ob der Westen, wenn das alte
System zusammenbricht, rational genug sein werde, mit Rußland und China
zusammenzuarbeiten, oder ob dann ein neues finsteres Zeitalter beginnt, von
dem sich die Zivilisation nie wieder erholt. Aus diesem Grund müsse die Zensur
beendet und LaRouche im Jahr seines hundertsten Geburtstags rehabilitiert
werden.
Die nächste Rednerin war Gretchen Small vom Nachrichtenmagazin
Executive Intelligence Review, eine der Leiterinnen einer
Ermittlungsgruppe, die kürzlich zwei wichtige Berichte vorgelegt hat: „Von der
Ukraine als ,Informationsterroristen‘ gebrandmarkt: Globale NATO setzt
Friedensbefürworter auf die Abschußliste“ und „Die Todeslisten-Datenbank der
Ukraine: Myrotworets.center“. Ihr Vortrag war in erster Linie eine
Zusammenfassung der beiden Berichte, die sehr zu empfehlen
sind.2
Ein besonders wichtiger Punkt ihrer Ausführungen war, daß das CCD, das im
April 2021 gegründet wurde – lange vor der russischen „speziellen
Militäroperation“ –, nur ein Stellvertreter ist, der von den USA, der EU und
der NATO dazu benutzt wird, Menschen in aller Welt, die es wagen, vom
westlichen „Narrativ“ abzuweichen, als „Informationsterroristen“ ins Visier zu
nehmen. Wenn Menschen, die einen Friedensdialog führen, als
„Informationsterroristen“ angegriffen werden, wie im Fall des
Schiller-Instituts, dann gehe das noch über George Orwells Roman 1984
hinaus.
Als nächstes sprach der amerikanische Oberst a.D. Richard H. Black.
Sein Vortrag trug die Überschrift „Verbietet ungesetzliche Bemühungen,
amerikanische Bürger zum Schweigen zu bringen“. Black brachte seine Empörung
darüber zum Ausdruck, daß Mittel des US-Kongresses illegal zur Finanzierung
einer ausländischen Organisation, der ukrainischen CCD, verwendet werden, um
die Redefreiheit in den Vereinigten Staaten zu unterdrücken. Er schilderte,
wie die Empörung und die Gegenreaktion aus der Bevölkerung dazu führten, daß
eine geplante neue Behörde der Regierung Biden, „Homeland Security
Disinformation Governance Board“, das von der narzißtischen Nina Jankowicz
geleitet werden sollte, vorübergehend aufgelöst wurde. Der Zweck dieses
Gremiums sei offensichtlich politische Zensur gewesen.
Die Regierung Biden habe jedoch mit Hilfe des Kongresses diese
Zensurfunktion einfach in die Ukraine ausgelagert. Das CCD werde eingesetzt,
um Menschen in den Vereinigten Staaten mit rationalen außenpolitischen
Ansichten – wie Senator Rand Paul und die ehemalige Kongreßabgeordnete Tulsi
Gabbard – als „Informationsterroristen“ ins Visier zu nehmen. Oberst Black
glaubt, daß das CCD Empfehlungen an das Mirotworez-Center weiterleitet, das
diese Empfehlungen dann gezielt in Attentate umsetzt. Als Beispiel nannte er
Darja Dugina, die am 20. August in Moskau durch eine unter ihrem Auto
platzierte Bombe in die Luft gesprengt wurde. Zudem äußerte er auf der
Grundlage eines Artikels in der Rio Times die Vermutung, daß auch der
Mann, der ein Attentat auf die argentinische Vizepräsidentin Cristina
Fernández de Kirchner verübt hat, Fernando Sabag Montiel, möglicherweise
Verbindungen zum Nazi-Bataillon Asow in der Ukraine hat. Black schloß mit der
Forderung, daß es dem US-Kongreß verboten werden müsse, Geldmittel für die
Zensur von Amerikanern zu verwenden.
Dr. George Koo, Vorsitzender der Burlingame-Stiftung, stellte die
Frage „Warum steht mein Name auf einer schwarzen Liste?“ Er erklärte, er habe
sich nie öffentlich darüber geäußert, daß der Konflikt in der Ukraine ein
Stellvertreterkrieg gegen Rußland sei, oder über die ukrainischen
Nazi-Formationen. Deshalb gehe er davon aus, daß seine Vorträge auf
Konferenzen des Schiller-Instituts, in denen er sich für eine diplomatische
Beendigung des Krieges aussprach, der Auslöser für seine Aufnahme in die Liste
gewesen sein müssen. Obwohl er sich in gewisser Weise geehrt fühle, wegen
seiner Ansichten über die Beendigung des Krieges auf der CCD-Liste zu stehen,
ist er auch empört darüber, daß mit dem Geld der amerikanischen Steuerzahler
versucht wird, ihn zum Schweigen zu bringen.
Jim Jatras, ein ehemaliger Berater der republikanischen Fraktion im
US-Senat, sprach zum Thema „Das Schiller-Institut: ein Blitzableiter für
gefährliche Zeiten“. Er begann mit der Feststellung, angesichts der Tatsache,
daß die Regierung Biden zusammen mit der Führung der Republikanischen Partei
einen globalen Krieg vorantreibt, und angesichts von Bidens Rede zum Tag der
Arbeit, in der er die Hälfte der Amerikaner (die Trump-Wähler) als Faschisten
und Extremisten bezeichnete, lebten wir in der Tat in gefährlichen Zeiten. Die
Unterstützung der US-Regierung für das ukrainische CCD bereite die Amerikaner
auf Gewalt vor. Die US-Geheimdienste seien an der Unterstützung der CCD
mitschuldig, und der Kongreß müsse das unterbinden. Jatras dankte Helga
Zepp-LaRouche und dem Schiller-Institut dafür, daß sie als Speerspitze und
somit als „Blitzableiter“ dafür kämpfen.
David Pyne, Vizedirektor für nationale Operationen der
Heimatschutzorganisation EMP Task Force on National and Homeland Security,
betitelte seinen Vortrag „Wie kann die Förderung eines realistischen
Friedensplans ein Kriegsverbrechen sein?“ Auch er verurteilte Präsident Bidens
„Primetime-Tirade“ gegen 74 Millionen Amerikaner, die er als Extremisten und
Faschisten verunglimpfte. Er stellte auch die Frage: „Warum wird versucht, die
Stimmen gegen den Krieg zum Schweigen zu bringen?“ Pyne berichtete, wie er
lange vorher gewarnt hatte, daß Rußland einmarschieren werde, wenn die Ukraine
nicht ihre Neutralität erklärt. Nach dem Beginn der Militäroperation
veröffentlichte er einen Friedensplan, weshalb er von den Ukrainern als
bezahlter russischer Propagandist verleumdet und dann auf die Schwarze Liste
des CCD gesetzt wurde. Er habe eine Flut von Haß-Mails voller Schimpfwörter
erhalten, nur wegen des „Verbrechens“, den Krieg auf diplomatischem Wege
beenden zu wollen, damit der Wiederaufbau der Ukraine beginnen kann. Die
Entscheidung der Regierung Biden, der Ukraine Langstreckenwaffen zu liefern,
bringe die Welt einem Atomkrieg näher.
Igor Lopatonok, Filmregisseur (Ukraine on Fire und
Revealing Ukraine) und enger Freund des bekannten Filmemachers Oliver
Stone, betitelte seinen Vortrag „Weg mit der Nazi-Tötungsliste – nicht nur in
der Ukraine“. Lopatonok befaßte sich zunächst mit dem Maidan-Putsch von 2014
und dessen Folgen. Nach dem Putsch sei das Mirotworez-Zentrum gegründet
worden, zusammen mit drei Fernsehsendern, die von George Soros, der
niederländischen Botschaft und anderen westlichen Quellen finanziert wurden,
um ein pro-westliches Narrativ zu verbreiten. Außerdem habe man
Naziformationen in die ukrainischen Streitkräfte integriert und
Militäroperationen gegen den Donbaß eingeleitet, wo die Bevölkerungsmehrheit
gegen den Putsch war. Mirotworez wurde zuerst gegen Menschen im Donbaß und
dann gegen alle in der Ukraine eingesetzt, die gegen das Nazi-Regime waren,
und letztlich gegen die gesamte internationale Gemeinschaft. So stünden auf
der Mordliste von Mirotworez allein 5000 ausländische Journalisten, von denen
etliche umgebracht wurden. Als Biden ins Amt kam, sei die Lage eskaliert.
Lopatonok selbst steht seit 2019 auf der Mordliste, und er ist überzeugt,
daß aus dieser Liste eine Mordliste in den Vereinigten Staaten wird, wenn
jetzt nicht ihre Schließung erzwungen wird. Man müsse Mirotworez als das
bezeichnen, was sie sind: Nazis.
Bradley Blankenship, ein Journalist, der für RT, Xinhua, CGTN
und andere Medien geschrieben hat, erklärte, er sei wahrscheinlich der Jüngste
auf der Schwarzen Liste des CCD. Er wuchs im Norden Kentuckys auf, dem Zentrum
der Opium-Epidemie in den USA. In seinem Beruf habe er früher über den Krieg
in Syrien berichtet und sei als „Agent der Hisbollah“ angegriffen worden. In
Ecuador habe ihn die Regierung Moreno ins Visier genommen, weil er
Menschenrechtsverletzungen aufdeckte. Gegenwärtig werde er von der Regierung
der Tschechischen Republik, wo er jetzt lebt, drangsaliert, weil er den Abriß
der Statue eines sowjetischen Generals kritisiert hatte, der zur Befreiung
Tschechiens von der Nazi-Besatzung beigetragen hat. In Tschechien können
Menschen wegen der Äußerung prorussischer Ansichten ins Gefängnis kommen. Er
sei wahrscheinlich auf die CCD-Liste gesetzt worden, weil er sagte, daß die
westlichen Sanktionen gegen Rußland nicht funktionieren, daß die Ukraine eine
Brutstätte des Rechtsextremismus ist und daß die Ukraine eine Friedenslösung
aushandeln sollte. Er betonte, daß er den russischen Einmarsch in die Ukraine
nie guthieß und ihn für einen Verstoß gegen das Völkerrecht halte. Da er
wisse, daß das CCD von den Vereinigten Staaten unterstützt werde, falle es ihm
schwer, noch Patriotismus für sein Land zu empfinden.
Den nächsten Vortrag hielt Eva Bartlett, eine kanadische
Journalistin, die über die Kriege in Gaza, Syrien und im Donbaß berichtet hat.
Sie steht auf der Tötungsliste von Mirotworez, wahrscheinlich weil sie in
einem Artikel für MintPress News den Beschuß ziviler Ziele im Donbaß
durch die ukrainischen Streitkräfte beschrieben hat. Dieser Beschuß gehe nicht
nur weiter, die Region Donezk wurde vor kurzem sogar mit Tausenden von sog.
„Schmetterlingsminen“ bombardiert, kleinen Sprengsätzen, die äußerlich an
Kinderspielzeug erinnern. Da die Ukraine den Vertrag über das Verbot solcher
Munition unterzeichnet hat, sei das Kriegsverbrechen. Inzwischen seien durch
diese Sprengkörper 60 Zivilisten verstümmelt worden. Da in Kanada viele
pro-nazistische Ukrainer mit politischem Einfluß leben, befürchtet Bartlett,
daß die Regierung nichts zu ihrem Schutz unternehmen würde, wenn sie in ihr
Heimatland zurückkehren möchte (sie war seit 2020 nicht mehr dort). Diese
Angst sei umso mehr berechtigt, als die staatlich kontrollierte Canadian
Broadcasting Corporation sie in einer Hetzkampagne als russische
Propagandistin verleumdete. Dabei ähnele die Propaganda von CBC in
vielem den Angaben ihres Profils auf der Mirotworez-Mordliste. Sie erklärte,
daß sogar 327 Kinder auf dieser Tötungsliste stehen. Bartlett erzählte auch,
wie das Hotel, in dem sie während ihres Besuchs im Donbaß wohnte und das
häufig von ausländischen Journalisten genutzt wird, von den Ukrainern
beschossen wurde, als sie sich im Gebäude aufhielt.
Die letzte Rednerin war Mira Terada, Leiterin der Moskauer Stiftung
zur Bekämpfung von Ungerechtigkeit. Sie erläuterte die Bemühungen der
Stiftung, die Website der Mirotworez abzuschalten zu lassen. Die Stiftung hat
der UNO, dem UN-Sicherheitsrat, UNICEF und anderen Organisationen Beweise für
die Verbrechen von Mirotworez vorgelegt. Terada wies darauf hin, daß viele
Minderjährige auf der Liste stehen, darunter sogar zwei neunjährige Kinder,
sowie zahlreiche Journalisten aus 38 verschiedenen Ländern. Nur eine
gemeinsame Anstrengung vieler Organisationen werde es möglich machen, den
Kampf um die Schließung von Mirotworez zu gewinnen. Die Stiftung verbreitet
derzeit eine Erklärung, die von Journalisten in aller Welt unterstützt werden
soll, und wird in Kürze eine Online-Petition auf ihrer Website zur Verfügung
stellen.
Vorstellung der digitalen LaRouche-Bibliothek
Helga Zepp-LaRouche, eine der Gründungsdirektoren der LaRouche
Legacy Foundation (LLF), eröffnete die Podiumsdiskussion mit einem Überblick
über LaRouches Werk und sagte, sie sei stolz und glücklich, die Eröffnung der
Digitalen Bibliothek von LaRouches Werken bekanntgeben zu können, die Tausende
von Artikeln, Büchern und Videos und Hunderte von Vorträgen veröffentlichen
wird.
Sie erzählte, wie sie und Lyndon LaRouche im Laufe mehrerer Jahrzehnte über
40 Länder besuchten, mit vielen Staats- und Regierungschefs zusammentrafen und
über eine große Bandbreite von Themen sprachen, daß ihr Mann aber auch mit
Menschen aus den verschiedensten Berufen kompetent und einfühlsam reden konnte
– seien es Fischer, Wissenschaftler, Landwirte, Musiker oder andere. Was die
Oligarchen an LaRouche am meisten fürchteten, sei nicht nur die Tiefe und
Breite seines Wissens gewesen, sondern auch, daß er die schöpferischen Kräfte
der Vernunft in anderen wecken konnte.
Es folgte ein 82minütiges Video mit Ausschnitten aus Vorträgen, die
Lyndon LaRouche in verschiedenen Ländern gehalten hat – in Peru (25.
Februar 2000), in Polen (24. Mai 2001), in Indien (1. Dezember 2003), bei
einem Seminar über China (22. Oktober 1997), in Rußland (26. April 1996), in
Brasilien (12. Juni 2002) und in den Vereinigten Arabischen Emiraten (2. Juni
2002). Diese Vorträge begannen stets mit einem universellen Prinzip oder einem
strategischen Überblick, und anschließend ging LaRouche auf die speziellen
wirtschaftlichen und kulturellen Belange des jeweiligen Landes ein, die er in
einem globalen Kontext ansprach. Dabei bezog er immer tiefgründige Ideen wie
agapé (Nächstenliebe) mit ein, welche die schöpferischen Kräfte des
menschlichen Geistes betonen, um Lösungen für die Krisen der Zivilisation zu
entwickeln. Teilnehmer der Konferenz kommentierten die Videos nach der
Veranstaltung, es sei gewesen, „als wäre LaRouche wieder lebendig
geworden“.
John Sigerson, Mitglied des Beirats der LLF, führte durch die erste
Version der neuen Digitalen LaRouche-Bibliothek (https://larouchelibrary.org/). Er betonte, daß die
Hunderte von Artikeln, die dort bereits im Internet vorhanden sind, nur einen
kleinen Teil dessen ausmachen, was noch gesichtet, bearbeitet und hochgeladen
werden muß. Sigerson demonstrierte dann die verschiedenen Werkzeuge und Filter
des Programms, mit denen man sehr präzise nach bestimmten Themen suchen kann.
Die Dokumente, Videos und anderen Elemente sind chronologisch geordnet. Er
ermutigte die Leser, LaRouche so zu studieren, wie der große Dirigent Wilhelm
Furtwängler Musik dirigierte – „zwischen den Worten“. Alle Dokumente stehen
zum Download für den persönlichen Gebrauch zur Verfügung.
Schließlich kündigte Gretchen Small, die Präsidentin der LLF, an,
daß demnächst Band II von LaRouches Gesammelten Werken im englischen
Original erscheinen wird. Dieser Band wird wesentliche kulturelle Beiträge
LaRouches umfassen. Sie betonte, daß Kultur – Musik, Poesie, Kunst – nicht
einfach nur Unterhaltung ist, sondern daß das Studium der klassischen Kultur
sogar für wissenschaftliche Durchbrüche unerläßlich sei.
Die Diskussion begann mit der Frage, wo und wie LaRouches Ideen in der Welt
bereits umgesetzt wurden. Helga Zepp-LaRouche beschrieb die Rolle des
mexikanischen Präsidenten José López Portillo, der Anfang der 80er Jahre ihren
Mann bat, Vorschläge zu machen, wie Mexiko aus der Schuldenkrise herauskommen
könnte. LaRouche schrieb daraufhin Operation Juárez, die López Portillo
als Leitfaden für seine Politik diente. Später habe der ehemalige Präsident
dazu aufgerufen, die Welt solle „auf die weisen Worte von Lyndon LaRouche
hören“. Ein ähnlich enges Verhältnis hätten sie zu Indira Gandhi in Indien
gehabt. Zepp-LaRouche berichtete auch über die Botschaft des führenden
russischen Ökonomen Sergej Glasjew, heute Minister für Integration und
Makroökonomie in der Eurasischen Wirtschaftskommission, zu Ehren von LaRouches
100. Geburtstag. Glasjew sagt darin, wenn man LaRouches Ideen in den
Vereinigten Staaten umgesetzt hätte, dann befände sich die Welt jetzt nicht in
einer so schweren Krise (vgl. „Möge LaRouches Andenken ewig leben!” in dieser Ausgabe).
Es kam auch zur Sprache, die digitale Bibliothek, die bisher nur englische
Originaldokumente enthält, um Übersetzungen zu erweitern. Dazu müsse man zum
einen bereits existierende Übersetzungen von Schriften, Vorträgen und anderer
Materialien LaRouches sammeln, und zum anderen weitere Werke in andere
Sprachen übersetzen. Die Teilnehmer waren sich einig, daß dies eine
hervorragende Aufgabe für die LaRouche-Jugendbewegung ist, sowohl das Material
in ihren jeweiligen Sprachen zu dokumentieren, als auch das Material zu
übersetzen und sich dadurch seine Ideen gründlich zu eigen zu machen.
Helga Zepp-LaRouche betonte zum Abschluß der Diskussion, das Hauptproblem
auf der Welt sei der Zusammenbruch der Weltwirtschaft, und wenn wir aus dieser
Krise herauskommen wollen, dann gehe das nur mit den Ideen von Lyndon H.
LaRouche.
Die Kunst des Optimismus
Dennis Speed eröffnete die abschließende Sitzung des
LaRouche-Jubiläumsprogramms mit Gedanken über das Auf und Ab der Kultur
Nordamerikas und des „Westens“ in den letzten gut drei Jahrhunderten. Er las
eine Mahnung von Cotton Mather, einem Anführer der Massachusetts Bay Colony,
aus dem Jahr 1696 vor: „Wir werden wenig... Wir schrumpfen zu nichts.“ Dann
spielte er ein Video ab, in dem der eingefleischte Kolonialist Lord Bertrand
Russell 1952 anläßlich seines 80. Geburtstags ein Interview gab. Russell
beschrieb die damaligen Verhältnisse mit den Worten: „Imperien zerfallen zu
Staub“, und Asien sei von „Pessimismus“ geprägt.
Speed blickte dann ins späte 17. und frühe 18. Jahrhundert, um zu erklären,
wie der große Mathematiker, Physiker, Ökonom, Philosoph und Politiker
Gottfried Wilhelm Leibniz zum Anführer einer Gruppe von „Patrioten“ wurde,
d.h. Dissidenten der englischen Monarchie aus Irland, Schottland und anderswo.
Leibniz hätte Premierminister unter Königin Anne werden können, doch nach
Annes Tod 1714 folgte Georg Ludwig von Hannover als König Georg I. auf dem
englischen Thron und kappte alle Verbindungen zu Leibniz.
Nichtsdestotrotz habe Leibniz seine Entwicklung einer Wissenschaft der
physischen Ökonomie fortgesetzt, welche die jungen Vereinigten Staaten
aufgriffen. Er sei ein entschiedener Gegner von John Locke gewesen, der von
den niederländischen Königen von Großbritannien, William und Mary, ausgebildet
worden war. Viele Amerikaner glaubten noch heute, Locke sei der geistige Vater
der Unabhängigkeitserklärung, die mehr als 70 Jahre nach seinem Tod verfaßt
wurde. Der Hauptpunkt war dabei Lockes Satz vom Recht auf „Leben, Freiheit und
Eigentum“, der in den Verfassungen der Kolonien und später der Konföderierten
verwendet wurde. Aber die Unterzeichner der Unabhängigkeitserklärung hätten
sich statt dessen für Leibniz' Idee entschieden, das Recht auf „Leben,
Freiheit und das Streben nach Glückseligkeit“ – wobei „Glückseligkeit“ nicht
bloßes „Vergnügen“ sein soll, sondern ein andauernder, sich immer weiter
verbessernder Zustand, der den Fortschritt der Menschheit kennzeichnet.
Megan Dobrodt folgte mit einem Vortrag über „Harmonie“, der auf
Keplers Verständnis der Harmonik des Sonnensystems und dessen Beziehung zur
wohltemperierten Tonleiter beruhte. Sie erläuterte, wie Kepler durch die
Messung der Winkelbewegungen der Planeten nachweisen konnte, daß diese nicht
kreisförmig, sondern elliptisch umlaufen. Eigentlich gebe es kein
mathematisches Verfahren, mit dem man die Bahnen linear definieren könnte, man
könne es nur durch verschiedene Bruchmultiplikationen unterschiedlich
annähern. Die „Mathematik“ der Umlaufbahnen sei die gleiche wie die Mathematik
der musikalischen Tonleitern, und die gleichen mathematischen Anpassungen, die
man für die Umlaufbahnen verwendet, werden in der Musik „Temperierung“
genannt.
Jacques Cheminade, Vorsitzender der Partei Solidarité et Progrès und
mehrfacher Präsidentschaftsbewerber in Frankreich, lieferte eine launige
Diskussion über „Optimismus“, angefangen mit einem Verweis auf Lazare Carnots
Ode an den Enthusiasmus. Begeisterung, Enthusiasmus, sei die
fortschrittlichste Form des Optimismus. Dagegen seien die NATO, Liz Truss,
Wolodymyr Selenskyj, Präsident Joe Biden und Emmanuel Macron herausragende
Beispiele für Pessimismus.
Anastasia Battle, Aktivistin der LaRouche-Jugendbewegung und
Chefredakteurin der US-Kulturzeitschrift Leonore, schloß die Vorträge
mit der Aufforderung an die Zuhörer, gründlich über das Gehörte nachzudenken
und zu überlegen, was sie tun müssen, um ihre Glückseligkeit und ihre
Fähigkeiten zu entwickeln.
Helga Zepp-LaRouche nahm an der abschließenden Diskussionsrunde teil und
betonte, ihr Ziel sei es, die Menschheit zu einer unsterblichen Gattung zu
machen. Der Aufstieg der Entwicklungs- und Schwellenländer und der „neue Geist
von Bandung“ mit einer neuen Bewegung blockfreier Staaten zeigten, daß es an
der Zeit sei, Kolonialismus und Sklaverei in jeder Form für immer zu
beenden.
Anmerkungen
1. Zum Hintergrund: Am 14. Juli 2022 wurde bei einem vom CCD veranstalteten
Seminar in Kiew mit Vertretern des US-Außenministeriums, der NATO und
verschiedener mit dem Militär verbundener Nichtregierungsorganisationen eine
„Schwarze Liste“ veröffentlicht, auf der 71 prominente Personen als angebliche
„russische Propagandisten“ und „Informationsterroristen“ aufgeführt sind, die
sich wegen des verwerflichen Verbrechens der freien Meinungsäußerung eines
„Kriegsverbrechens“ schuldig gemacht hätten. Die ersten 31 Personen auf der
Liste sind Mitglieder oder Freunde des Schiller-Instituts, die auf Konferenzen
des Schiller-Instituts zur Förderung des Friedens durch Dialog und
wirtschaftliche Entwicklung gesprochen haben.
Eng mit dem CCD verbunden ist das von ukrainischen Nazis betriebene
Mirotworez Center, das eine große Online-Datenbank unterhält, die nur als
Mordliste bezeichnet werden kann, mit persönlichen Daten von Tausenden von
Menschen, darunter Journalisten, Kinder, Prominente, Politiker und andere. Die
Vorsitzende des Schiller-Instituts Helga Zepp-LaRouche steht auf beiden
Listen. Viele Menschen auf der Mirotworez-Liste wurden schon brutal ermordet,
und anschließend wurde quer über ihr Profilbild auf der Liste in großen roten
Buchstaben „liquidiert“ geschrieben.
2. Siehe Neue Solidarität 37/2022.
3. Ebenfalls in Neue Solidarität 37/2022.
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