Brüderlichkeit ist der größte Reichtum
Von Kirk Wiebe
Kirk Wiebe ist ehemaliger Leitender Analyst der Nationalen
Sicherheitsbehörde (NSA) der USA und Mitglied der Veteran Intelligence
Professionals for Sanity (VIPS).
Hallo, mein Name ist Kirk Wiebe. Ich freue mich, in dieser Eröffnungssitzung
der Konferenz des Schiller-Instituts sprechen zu dürfen.
Ich bin stolzes Mitglied der Veteran Intelligence Professionals for Sanity
(Geheimdienst-Veteranen für Vernunft, VIPS). Wie der Name schon sagt, sind wir
zutiefst besorgt darüber, wie nachrichtendienstliche Versäumnisse und die
Manipulation der Wahrheit katastrophale Folgen haben können. Das ist im
Irakkrieg 2003 geschehen. Davor war es geschehen, als die Anschläge vom 11.
September (2001) nicht verhindert wurden, was den 20jährigen Afghanistankrieg
zur Folge hatte.
Bill Binney und ich sind am 31. Oktober 2001 aus der Nationalen
Sicherheitsbehörde ausgetreten, weil man uns daran gehindert hatte, Mittel
einzusetzen, die uns vor dem 11. September zur Verfügung standen und die diese
Terroranschläge hätten verhindern können. Korrupte Elemente in unseren
Geheimdiensten und unserer Regierung haben uns daran gehindert, sie wurden nie
zur Rechenschaft gezogen. Die Folge war, daß Billionen von Dollar und Millionen
von Menschenleben auf beiden Seiten in den daraus resultierenden Kriegen
verloren gingen.
Noch wichtiger ist, daß die Welt in den letzten 20 Jahren nicht sicherer,
sondern unsicherer geworden ist. Ich bin der Meinung, daß jedes Gerede über eine
mögliche militärische Konfrontation oder einen Krieg mit Rußland, China oder
anderen Ländern gründlich mit dem amerikanischen Volk diskutiert werden muß, was
bisher nie der Fall war. Und das müssen Personen wie ich tun, die in der Lage
sind, aufzudecken, wie diese Entscheidungen tatsächlich getroffen werden –
Entscheidungen, die oft das Gegenteil von dem sind, was im wahren Interesse der
Vereinigten Staaten liegt.
In meiner Zeit bei der National Security Agency habe ich mich auf
Geheimdienstinformationen über Rußland spezialisiert. Vor vier Jahren, auf dem
Höhepunkt des Russiagate-Schwindels, kamen Bill Binney und ich nach New York
City und sprachen über unsere Ansicht, daß die Behauptung, Rußland hätte das
Demokratische Nationalkomitee gehackt, in keiner Weise durch Beweise untermauert
war. Wir sind der Meinung, daß der Fall Julian Assange und – in anderer Weise –
der Fall Ed Snowden, wenn er von der Weltöffentlichkeit und besonders von der
völlig uninformierten amerikanischen Bevölkerung zur Kenntnis genommen würde,
die Geheimnisse aufklären würde.
Meiner Ansicht nach gibt es keine Anzeichen dafür, daß Rußland einen Krieg
will, und ich bezweifle sehr, daß China einen Krieg mit den Vereinigten Staaten
will. Aber es besteht auch kein Zweifel daran, daß die Tragödie in Afghanistan,
die Tragödie im Irak und andere tödliche Expeditionen, einschließlich unserer
Rolle in Libyen und Syrien, nicht die Unterstützung des amerikanischen Volkes
gehabt hätten, wenn man die Ereignisse vom 11. September 2001 verhindert hätte –
und Bill Binney, Diane Roark und andere wissen sehr gut, daß man sie hätte
verhindern können. Die Vernunft muß siegen.
Abschließend möchte ich meinen russischen Gesprächspartnern sagen, was ich
kürzlich am Teardrop Memorial in Bayonne, New Jersey, gesagt habe, das die
russische Nation den Vereinigten Staaten zum Gedenken an die Opfer des 11.
September gewidmet hat.
(auf Russisch:)
Sehr geehrte russische Freunde!
Ich möchte folgendes sagen: Wir sind hier alle in einer Atmosphäre der
Brüderlichkeit, der Freundschaft und – ja – der Liebe versammelt. Wir Amerikaner
danken Ihnen aufrichtig für dieses wunderbare, schöne und inspirierende Denkmal
– ein Mahnmal für all jene, die an jenem tragischen Tag vor 20 Jahren starben
oder verletzt wurden. Seien Sie gewiß, daß wir Ihnen stets als Weggefährten im
Kampf für die Wahrheit und im Kampf gegen den Terrorismus zur Seite stehen
werden. Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit.
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