Die Beziehungen US-China:
Potential für Kriegsvermeidung und Zusammenarbeit
Von Senator Richard Black
Oberst a.D. Richard H. Black war Leiter der Strafrechtsabteilung
der US-Armee im Büro des Generalanwalts im Pentagon und Landessenator von
Virginia.
Ich bin Senator Black. Lassen Sie mich zunächst sagen, daß ich einen
militärischen Hintergrund habe. Ich war in schweren Bodenkämpfen mit der 1.
Marinedivision und wurde verwundet. Meine beiden Funker wurden im Kampf neben
mir getötet. Ich war Hubschrauberpilot und flog 269 Kampfeinsätze. Viermal wurde
ich von Bodenfeuer getroffen. Nach dem Jurastudium diente ich als JAG-Offizier
(in der Generalanwaltschaft der US-Armee) und war schließlich Leiter der
Strafrechts-Abteilung, wo ich vor dem Kongreß aussagte und Exekutivverordnungen
zur Unterzeichnung durch den Präsidenten vorbereitete.
Ich erwähne dies alles nur, um zu zeigen, daß ich patriotisch bin; ich habe
Blut für mein Land vergossen. Aber ich habe kein Interesse daran, für die
Verteidigung Taiwans oder für den Ruhm der globalen Oligarchen zu kämpfen, die
so sehr vom Krieg profitieren.
Ich bin besorgt über die wachsenden sino-amerikanischen Spannungen, und ich
stimme nicht mit denen überein, die meinen, die Vereinigten Staaten müßten ihre
Hegemonie in Asien sichern.
Die Ein-China-Politik beibehalten
Lassen Sie mich also zunächst die Situation mit Taiwan betrachten. China
betrachtet Taiwan als lebenswichtiges nationales Interesse, und da die USA seit
Jahrzehnten eine Ein-China-Politik verfolgen, ist es gefährlich, ihre
langjährige Politik, die Taiwan einfach als integralen Bestandteil Chinas
anerkennt, umzukehren.
Präsident Nixons historischer Besuch in der Volksrepublik China im Jahr 1972
führte zu einer dramatischen Verbesserung der Handels- und
Sicherheitsbeziehungen, die den Lebensstandard sowohl für Amerikaner als auch
für Chinesen enorm anhoben. Diese bedeutenden Errungenschaften basierten auf dem
Shanghaier Kommuniqué, das auch heute noch die Grundlage für die bilateralen
Beziehungen bildet. Nixon und der chinesische Premierminister Zhou Enlai
brachten ihre unterschiedlichen Auffassungen in der Taiwan-Frage in Einklang,
indem sie eine Ein-China-Zwei-Systeme-Politik festlegten.
Solange die Annäherung mit Sensibilität und Respekt gehandhabt wurde, haben
wir danach ein halbes Jahrhundert lang Frieden und Harmonie bewahrt.
Bedenken Sie, daß die USA 1971 der Vollversammlung der Vereinten Nationen
erlaubten, die Resolution 2758 zu verabschieden, die die Volksrepublik China als
einzigen legitimen Vertreter in den Vereinten Nationen anerkannte. Damit
ersetzte die Regierung in Beijing die Republik China in Taiwan im mächtigen
fünfköpfigen UN-Sicherheitsrat. In der Folge wechselten die meisten Länder ihre
diplomatischen Beziehungen zu Beijing und weg von Taiwan. 1979 erkannten die USA
die Volksrepublik China offiziell als rechtmäßige Regierung in Beijing an, und
wir beendeten zu diesem Zeitpunkt die offiziellen Beziehungen zu Taiwan. Ich
glaube, jeder erkannte, daß China irgendwann, wenn auch in weiter Ferne, unter
der Regierung der Volksrepublik China in Beijing wiedervereinigt werden
würde.
Das beispiellose Wachstum des Handels zwischen China und den Vereinigten
Staaten führte unweigerlich zu einigen Meinungsverschiedenheiten. Präsident
Trump warf sehr berechtigte Fragen zum geistigen Eigentum und zum
Handelsgleichgewicht auf. Zunächst wurden diese Fragen respektvoll behandelt,
aber als der innenpolitische Druck zunahm, begannen sowohl Demokraten als auch
Republikaner, eine militantere Haltung gegenüber China einzunehmen. Jede Partei
beschuldigte die andere, China gegenüber weich zu sein. Schließlich eskalierte
dies, bis es zu einer schrillen Kakophonie feindseliger, unvernünftiger Stimmen
kam, die China aller möglichen Dinge beschuldigten. Es gab übertriebene
Behauptungen über die chinesischen Absichten gegenüber Taiwan, die zu
provokativen Militäraktionen führten, einschließlich der Entsendung von Schiffen
der US-Marine in die Straße von Taiwan, die eine Machtdemonstration war, die im
Wesentlichen darauf abzielte, China in Verlegenheit zu bringen.
Die wachsenden sino-amerikanischen Spannungen haben beiden Seiten geschadet.
Meines Erachtens wäre die amerikanische Führung gut beraten, den Geist der
Freundschaft wieder aufleben zu lassen, der das dauerhafteste Vermächtnis von
Präsident Richard M. Nixon an die Welt darstellte. Die Volksrepublik China wäre
zweifellos erleichtert, wenn sich die Spannungen in der Taiwan-Frage abbauen
würden, und die USA können dazu beitragen, indem sie einen weniger provokativen
und versöhnlicheren Ton anschlagen.
Die Lösung der Ein-China-Frage liegt nicht in der Verantwortung der
Vereinigten Staaten. Es handelt sich um eine interne Angelegenheit, die vom
chinesischen Volk gelöst werden muß. Das chinesische Volk ist sehr geduldig, und
wenn man es sich selbst überläßt, wird es die Angelegenheit auf friedliche und
für beide Seiten akzeptable Weise regeln.
Zur Frage der Uiguren
Lassen Sie mich kurz auf die Frage der Uiguren in der chinesischen Provinz
Xinjiang eingehen. Viele Kriegsfanatiker versuchen, die Spannungen mit China zu
erhöhen, und sie haben die Notlage der Uiguren aufgegriffen, um sie als
sympathisch darzustellen.
In Wirklichkeit ist die Situation viel komplexer. Die Provinz Xinjiang ist
eine riesige, trockene Region im Nordwesten Chinas, die nur sehr dünn besiedelt
ist. Die Vereinigten Staaten haben Sanktionen gegen die Produktion von Waren
verhängt, die von Uiguren in der Provinz hergestellt werden, was wiederum dazu
geführt hat, daß die Uiguren keine Arbeitsplätze mehr haben und ihre Armut noch
größer geworden ist.
So, wie die Vereinigten Staaten Maßnahmen zur Abschreckung des Terrorismus
ergriffen haben, die wir am 11. September 2001 und auch nach Pearl Harbor im
Zweiten Weltkrieg erlebt haben, haben die Chinesen ähnliche Beweggründe, den
Terrorismus zu unterdrücken und die Sicherheit ihres Volkes zu gewährleisten. Im
Jahr 2014 überfiel eine mit Messern bewaffnete Gruppe von Terroristen den
Bahnhof von Kunming in der Provinz Yunnan. In einem viel beachteten und sehr
brutalen Angriff stachen sie mit Messern auf Han-Chinesen ein. Über 170 Menschen
wurden von den messerschwingenden Terroristen getötet oder verwundet. Es
handelte sich um uigurische Separatisten, die eine handgemalte
Ostturkestan-Flagge trugen. Und sie schlachteten Dutzende von hilflosen Menschen
ab. Diese Kämpfer beabsichtigen, eine brutale islamische Regierung aus dem 7.
Jahrhundert zu übernehmen, und sie sind auch entschlossen, alle Han-Chinesen aus
dieser riesigen Provinz Chinas zu vertreiben.
Die chinesische Regierung mußte einfach reagieren; sie konnte auf keinen Fall
akzeptieren, daß ihr Volk abgeschlachtet und aus einem Teil ihres Landes
vertrieben wurde.
Berichte, wonach eine große Zahl von Uiguren in Internierungslagern
untergebracht wurde, müssen etwas relativiert werden. Wenn man an den Zweiten
Weltkrieg zurückdenkt, der historisch gesehen noch gar nicht so lange
zurückliegt, so haben die Vereinigten Staaten nach dem Angriff auf Pearl Harbor
alle Amerikaner japanischer Abstammung in abgelegene Internierungslager
gebracht. Die Japan-Amerikaner waren damals nicht durch Gewalt gegen die
amerikanische Öffentlichkeit aufgefallen, und dennoch war es unumstritten, sie
in Internierungslager zu stecken. Sogar Nationen in Süd- und Mittelamerika und
Kanada schlossen sich unserem Vorgehen an und brachten japanische Bürger in
Internierungslagern unter.
Ich denke also, daß wir China gegenüber etwas weniger kritisch sein sollten,
denn im Gegensatz zu ihrer Situation hatten uns die Japaner-Amerikaner nie etwas
angetan. Die militanten Uiguren hingegen waren extrem gewalttätig und störend.
Es gibt viele, viele sehr gute uigurische Bürger, aber das gewalttätige Element
ist erheblich, und die chinesische Regierung muß einfach handeln und
reagieren.
Ich möchte erwähnen, daß es eine Brigade uigurischer Kämpfer gibt, die
derzeit unter dem Kommando von Al-Qaida in der syrischen Provinz Idlib agiert.
Sie befinden sich dort, um terroristische Taktiken zu erlernen, die sie
schließlich nach China zurückbringen und dort zum Sturz der chinesischen
Regierung einsetzen können.
Terrorismus ist eine sehr gefährliche Sache für alle Nationen, wie wir
erfahren haben. Und ich denke, wir sollten davon absehen, die Central
Intelligence Agency zu Maßnahmen zu autorisieren, die die terroristischen
Aktivitäten der Uiguren im Nordwesten Chinas verstärken würden. Und wir sollten
die Uiguren nicht zu Spielfiguren in einem gefährlichen Spiel machen, das die
Welt destabilisiert.
Das Quad-Bündnis
Lassen Sie mich abschließend noch kurz auf unsere Maßnahmen im Rahmen des
Quadrilateralen Sicherheitsdialogs, der so genannten Quad, eingehen. Die
Vereinigten Staaten haben vor kurzem ein Bündnis aus den Vereinigten Staaten,
Australien, Indien und Japan gebildet, das sich militärisch koordiniert und
China gegenüber zunehmend feindlich eingestellt ist. Es ist besorgniserregend zu
sehen, wie dieses Bündnis zur gleichen Zeit Gestalt annimmt, in der das
Außenministerium und der US-Geheimdienst Central Intelligence Agency anscheinend
im Stillen terroristische Aktivitäten der Uiguren in China fördern.
Ich glaube nicht, daß es für die Vereinigten Staaten oder die Welt von
Vorteil ist, Instabilität mit China zu schüren. Es besteht die Gefahr, daß dies
zu einem großen Krieg eskaliert, der zu einem thermonuklearen Krieg wird. Die
Spannungen, die sowohl mit Rußland als auch mit China geschürt werden, sind
gefährlich und kontraproduktiv. Die Nationen müssen erkennen, daß künftige
globale Konflikte zwischen den Großmächten wahrscheinlich zu einem
thermonuklearen Krieg eskalieren werden. In diesem Fall ist das Überleben der
Menschheit ungewiß. Die Staats- und Regierungschefs der Welt müssen mutige
Schritte unternehmen, um den Handel zu normalisieren, den Terrorismus zu
bekämpfen und Nixons lang anhaltende Vision von Frieden und Wohlstand zwischen
China und Amerika wiederherzustellen.
Ich danke Ihnen.
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