Erklärung von Sanaa unterstützt die „Operation Felix“
Die Teilnehmer eines Seminars in Sanaa befürworteten den Plan
des Schiller-Instituts für den Wiederaufbau des Jemen und den Anschluß des
Landes an die Neue Seidenstraße.
Bei einem Seminar, das am 6. Juni in der Zentrale der Jemenitischen
Allgemeinen Investitionsbehörde (YGIA) stattfand, wurde die „Erklärung von
Sanaa“ beschlossen. Sie unterstützt den vom Südwestasien-Koordinator des
Schiller-Instituts, Hussein Askary, verfaßten 86seitigen Bericht des
Schiller-Instituts „Operation Felix: Wiederaufbau und Anschluß des Jemen an
die Neue Seidenstraße“. Der arabischsprachige Bericht wurde in Zusammenarbeit
mit der YGIA (unter der Leitung ihres Vizedirektors Dipl.-Ing. Khaled
Sharafeddin) und der von Fuad Al-Ghaffari geleiteten Neuen
Seidenstraßen-Partei ausgearbeitet. Die Redner des Seminars dankten dem
Schiller-Institut und der Gründerin des Instituts Helga Zepp-LaRouche
persönlich für ihre Bemühungen, das Volk des Jemen zu schützen und den Krieg
und die Blockade gegen das Land zu beenden.
Der Bericht beschreibt den internationalen Kontext, in dem der Wiederaufbau
des Jemen schnell bewältigt werden kann, sobald die anglo-saudische Aggression
gegen den Jemen gestoppt ist. Dieser Kontext ist die Entstehung eines neuen
Paradigmas, wofür das System der BRICS und die Neue Seidenstraßen-Initiative
beispielhaft stehen. Die Studie beruht auf der wissenschaftlichen Methode der
physischen Ökonomie, wie sie von dem amerikanischen Ökonomen Lyndon LaRouche
definiert wurde.
Sie zeigt auf, wie die Zerstörung der Volkswirtschaft schon in den 90er
Jahren begann, als der Jemen unter das Joch des Weltwährungsfonds (IWF) und
der Weltbank (WB) gezwungen wurde. Die verheerenden Konsequenzen dieser
Politik werden in der Studie im Detail beschrieben. Schon seit über 30 Jahren
verhindert diese Politik von IWF und Weltbank, daß der Jemen sich
wirtschaftlich entwickeln kann. So wurde er zum ärmsten Land in der Region und
war schon 2014, vor dem Krieg, zu 80% von Nahrungsmitteleinfuhren abhängig.
Aus einem Exporteur von Erdöl und Erdgas wurde ein Nettoimporteur von
Erdölprodukten, und ausländische Konzerne erhielten den Zugriff auf die Öl-
und Gasvorkommen des Landes. Fast 30 Jahre lang wurde nahezu nichts in die
Verkehrs-, Energie- und Wasserinfrastruktur, in die Landwirtschaft oder in die
Industrie investiert. Im Gegenteil, der Jemen wurde gedrängt, immer mehr
Gemüse und Obst zu exportieren, um an Devisen zu kommen. Der einzige Sektor,
in dem es gewisse Fortschritte gab, war die Fischerei, aber auch nur deshalb,
weil auch sie auf den Export ausgerichtet ist.
Der Bericht beschreibt dann, wie die Überreste der ohnehin sehr schwachen
Wirtschaft durch die Bombenangriffe auf die Infrastruktur und alle anderen
produktiven Sektoren zerstört wurde, was die gegenwärtig schwerste humanitäre
Krise auf der Welt zur Folge hat.
Wiederaufbau und Landbrücke
Der in dem Bericht vorgeschlagene Wiederaufbauplan beginnt mit einer
Notmobilisierung, um so viel wie möglich von der zerstörten Infrastruktur
wieder herzustellen und der Bevölkerung insbesondere in den ländlichen
Gebieten Hilfe zukommen zu lassen. Dazu soll ein Heer junger Arbeiter nach dem
Vorbild von Franklin D. Roosevelts „Civilian Conservation Corps“ mobilisiert
werden.
Dabei kann und darf die Absicht nicht sein, das Land nur so wieder
aufzubauen, wie es vor dem Krieg war – als das ärmste Land der Region.
Vielmehr muß in Kooperation mit den BRICS-Staaten und insbesondere China und
anderen befreundeten Mächten eine völlig neue Wirtschaftsplattform geschaffen
werden. Um dies zu ermöglichen, schlagen die Autoren der Studie vor, eine
Nationale Bank für Wiederaufbau und Entwicklung des Jemen nach dem Vorbild des
Hamiltonischen Systems des Staatskredits zu gründen. Struktur und Arbeitsweise
einer solchen Bank werden in der Studie im Detail beschrieben, um dies sowohl
für die Führung des Landes als auch die Bevölkerung verständlich zu
machen.
Es werden zahlreiche Großprojekte in den Bereichen Verkehr, Energie,
Wasser, Schiffahrt, Industrie und Landwirtschaft angeregt. So soll die erste
Eisenbahnstrecke des Landes vom im Norden gelegenen Saada nach Aden im Süden
führen, mit Abzweigungen nach Osten und Westen entlang der Strecke zu den
wichtigsten Häfen am Roten Meer und den wichtigsten potentiellen Industrie-,
Bergbau- und Landwirtschaftsgebieten im östlichen Hochland.
Der Schlußteil des Berichts befaßt sich mit der Einbindung des Jemen in die
Maritime Seidenstraße durch die jemenitischen Häfen am Indischen Ozean und am
Roten Meer sowie durch eine Landbrücke, die über Oman die Verbindung zum Iran
und weiter nach Zentralasien und China herstellt. Nach Westen würde der Jemen
über eine Brücken/Tunnel-Verbindung mit Dschibuti, Äthiopien und dem übrigen
Afrika verbunden, sodaß das Land zu einem idealen Bindeglied zwischen Asien
und Afrika würde.
Die „Erklärung von Sanaa“ stellt zwar noch keine ausdrückliche
Unterstützung durch die Regierung der nationalen Rettung in Sanaa dar, aber
die Tatsache, daß die YGIA das Seminar ausrichtete und ihr Vizedirektor
erklärte, die Behörde werde diesen Plan weiter verfolgen und ausarbeiten, ist
ein großer Schritt in diese Richtung.
Der Autor des Berichtes, Hussein Askary, empfahl der Regierung, den Bericht
den Vereinten Nationen und anderen internationalen Gremien und Mächten, die an
den bevorstehenden Friedensverhandlungen beteiligt werden sollen, als einen
wesentlichen Punkt vorzulegen. Alle beteiligten Parteien sollten ihm
zustimmen, bevor irgendwelche politischen Gespräche beginnen. Die Vorschläge
in diesem Bericht könnten die Unabhängigkeit des Jemen in Friedenszeiten
sichern und gäben dem Land nicht nur die Mittel für den Wiederaufbau, sondern
für den Aufbau einer modernen Nation mit einer modernen wirtschaftlichen
Plattform, die ihr einzigartiges kulturelles und historisches Erbe
ergänzt.
Der Bericht wurde bereits an führende Persönlichkeiten in der Regierung in
Sanaa und andere wichtige Institutionen verschickt. Er ist ab sofort auf der
Internetseite der Neuen Seidenstraßen-Partei des Jemen kostenlos abrufbar
unter http://www.newsilkroadparty.com/images/pdf/8.pdf
In einer schriftlichen Erklärung riet Askary den Teilnehmern des Seminars,
daraus zu lernen, wie die Wirtschaft des Jemen schon vor dem Krieg durch die
unbewaffneten Experten in Maßanzügen von IWF, Weltbank etc. zerstört wurde.
Der Kampf für die wirtschaftliche Unabhängigkeit des Landes müsse nach dem
Krieg mindestens genauso entschlossen geführt werden wie jetzt der
militärische. Dieser Kampf werde allerdings sehr viel leichter dadurch, daß es
ein neues Paradigma auf der Welt gibt. Nun läge es an den Jemeniten, selbst zu
entscheiden, ob sie eine unabhängige und blühende Nation werden wollen.
hus
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