Friedrich
Schiller
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Abb. 4: Lage des Jemen im Infrastrukturnetz der Weltlandbrücke.
Abb. 5: Bevölkerungspyramide des Jemen
Abb. 6: Bevölkerungswachstum im Jemen. LösungsvorschlägeDoch sprechen wir jetzt von den Lösungsvorschlägen. Die Republik Jemen liegt geographisch günstig am Schnittpunkt des Wirtschaftsgürtels der Neuen Seidenstraße und der maritimen Seidenstraße bzw. von Belt and Road (Abbildung 4). Der Jemen kann zur Brücke zwischen Asien und Afrika sowie zwischen Indischem Ozean und Mittelmeer werden – und damit ein wichtiger Bestandteil dieses riesigen Entwicklungsprojekts und gleichzeitig ein großer Nutznießer. Der Jemen spielte in der Antike eine ähnliche Rolle, als er den Handel über die sogenannte Weihrauchstraße beherrschte. Viele große Länder aus Ost und West kamen mit Segelschiffen und Kamelkarawanen in seine Richtung, um Waren und Wissen auszutauschen. Der Grund, warum ich die Bezeichnung „Operation Felix“ wählte, war, daß die alten Griechen und später auch die Römer den Jemen „Arabia Felix“ (Glückliches Arabien) nannten, denn das Land war als reiche und glückliche Nation bekannt. Heute verfügt der Jemen über große menschliche Ressourcen, denn die Bevölkerungspyramide (Abbildung 5) zeigt ein sehr junges Land mit einem erstaunlichen mittleren Durchschnittsalter von 19,2 Jahren 2015, das bis 2050 auf 29 Jahre ansteigen soll (Abbildung 6). Eine solche junge Gesellschaft hat ein großes Entwicklungspotential in der Zukunft, wenn es umfassende und langfristige Visionen und Wirtschaftspläne gibt. Jemen verfügt auch über reichliche Rohstoffe und ein vielfältiges Klima, das eine integrierte agro-industrielle Entwicklung begünstigt. Was im Jemen fehlt, ist das, was der amerikanische Ökonom Lyndon LaRouche die „Wirtschaftsplattform“ grundlegender Infrastruktur nennt, um all diese Ressourcen auf ein höheres Produktivitätsniveau zu heben und ihr Potential umzusetzen. Politische Umkehr: 1. FinanzrekonstruktionDer Wiederaufbau- und Entwicklungsplan wird beginnen, wie im Bericht vorgeschlagen, indem der amtierende Präsident in Sanaa noch vor Vereinbarung eines Waffenstillstands eine öffentliche Erklärung abgibt und mitteilt, daß die Regierung der Republik Jemen beabsichtigt, einen Wiederaufbauprozeß und einen Entwicklungsplan für das Land einzuleiten. Er definiert die vorrangigen Projekte und Ziele des Plans, angefangen mit dem sofortigen Aktionsplan zum Wiederaufbau der zerstörten Infrastruktur und der Bereitstellung sofortiger Nahrungsmittel- und medizinischer Hilfe, wobei befreundete Staaten eingeladen werden, sich an Infrastrukturprojekten zu beteiligen und die zukünftige Beziehung zur Belt and Road Initiative zu definieren. Unmittelbar im Anschluß daran wird er in der gleichen Erklärung die Einrichtung einer nationalen Wiederaufbau- und Entwicklungsbank ankündigen, um den ganzen Prozeß zu finanzieren. Damit der Jemen nach dem Krieg eine wirklich unabhängige und souveräne Nation wird, muß er über einen eigenen Kreditschöpfungsmechanismus verfügen. Der Wiederaufbau- und Entwicklungsprozeß erfordert die Einrichtung einer nationalen Entwicklungsbank, um die nationalen Projekte in Infrastruktur, Landwirtschaft und Industrie zu finanzieren (im Bericht hypothetisch „Die Jemenitische Nationalbank für Wiederaufbau und Entwicklung“, JNBWE, genannt). Diese Bank wird alle Kredite vergeben, die für den Wiederaufbauprozeß erforderlich sind, ausgeführt von einheimischen Unternehmen mit eigenen Ressourcen, außerhalb und jenseits des Staatshaushaltes. Dieses „nationale Kreditsystem“ hat seinen Ursprung in den Ideen des ersten amerikanischen Finanzministers Alexander Hamilton, der in der jungen amerikanischen Republik die Erste Amerikanische Nationalbank gründete. Die weitere zusätzliche Finanzierungsquelle für Wiederaufbau- und Entwicklungsprojekte – besonders solche, die ausländische Technologien, Maschinen und Fremdfirmen erfordern – sind Exportkreditvereinbarungen mit Ländern, deren Unternehmen die notwendigen Materialien und Technologien für die Entwicklungsprojekte beschaffen. Ein sehr gutes Beispiel aus dem Jemen selbst hierfür ist das China-Jemen-Abkommen von 2013, um das Container-Erweiterungsprojekt in Aden zu finanzieren. Das Projekt sollte von einer chinesischen Firma ausgeführt werden, und die Kosten von 500 Mio. Dollar sollten über einen Kredit der chinesischen Exim-Bank an die jemenitische Regierung finanziert werden. Das Projekt kam jedoch aufgrund der sich verschlechternden Sicherheitslage 2014 nicht zustande. Mit dem Projekt wäre das Containerterminal von Aden zu einer der größten Hafenanlagen im westlichen Indischen Ozean geworden. Das Abkommen wurde 2013 unterzeichnet, ein Monat, nachdem Präsident Xi Jinping das Konzept der Maritimen Seidenstraße des 21. Jahrhunderts verkündet hatte, wobei Aden und andere jemenitische Häfen ein wichtiger Bestandteil dieses globalen Projekts geworden wären.
Abb. 7: Entwicklungskorridore des Jemen.
Abb. 8: Bevölkerungsdichte.
Abb. 9: Landwirtschaft im Jemen.
Abb. 10: Niederschläge im Jemen [unten rechts].
Abb. 11: Konzentration der Rohstoffe.
Abb. 12: Topographie des Horns von Afrika. 2. Die jemenitischen EntwicklungskorridoreEin wichtiger Bestandteil des in dem Bericht vorgeschlagenen Entwicklungsplans ist der Bau des „Jemenitischen Entwicklungskorridors“ (Abbildung 7). Basierend auf LaRouches Konzept des „Entwicklungskorridors“ entwirft der Bericht den „Jemenitischen Entwicklungskorridor“ mit dem Nord-Süd-Korridor Saada-Aden als „Rückgrat“, wobei die Ost-West-Erweiterungen davon die „Gliedmaßen“ des nationalen Entwicklungsprojekts und internationaler Anbindungen sind. Drei Faktoren gingen in die Definition der Routen der Korridore ein: 1. Die derzeitige Verteilung der Bevölkerungsdichte (Abbildung 8), bestehende Agraraktivitäten (Abbildung 9), verfügbare Wasserressourcen und Niederschläge (Abbildung 10) sowie die Konzentrationen von Mineralvorkommen (Abbildung 11). 2. Die notwendige Diversifikation der demographischen Verteilung und des zukünftigen Wachstums zur Westküste und das östliche Plateau, wobei beide Regionen ein ungenutztes agro-industrielles Potential repräsentieren, vor allem im Bereich der kommerziellen Landwirtschaft und dem Getreideanbau, um die Abhängigkeit von Getreideimporten zu reduzieren und später ganz abzuschaffen. 3. Die Verbindung zur Belt-and-Road-Initiative, zu Land nach Oman und über die Straße von Hormus nach Iran und Asien, sowie nach Westen über eine Tunnel- oder Brückenverbindung nach Dschibuti und Afrika. Die andere Verbindung zur BRI geht über die Haupthäfen von Aden, Al-Hudaidah und Mokha, wo neben Güterumschlag und Logistik neue Industrieparks entstehen können, die von den nahen internationalen Handelsrouten und den lokal reichen Menschen- und Naturressourcen profitieren. Der Bericht erwähnt die gewaltigen Entwicklungen, die aufgrund unterschiedlicher Initiativen der BRI und Chinas im Umfeld des Jemen stattgefunden haben, z.B. die Eisenbahn Dschibuti-Addis Abeba, die Eisenbahn Mombasa-Nairobi und der Korridor Lamu Port-Südsudan-Äthiopien sowie viele weitere Projekte, die Ostafrika in eine der am schnellsten wachsenden Regionen verwandeln. Das ist ein großer Vorteil für den Jemen, der diese Region als großen Markt und sich selbst als großes Logistikkreuz betrachten sollte. Östlich von Jemen, in Oman, hat die von China initiierte Asiatische Infrastruktur-Investitionsbank (AIIB) bereits die Machbarkeitsstudien und erste Arbeiten an einem omanischen Eisenbahnnetz finanziert, das sich von der Straße von Hormus zur Grenze zum Jemen erstreckt, sowie von neuen Häfen und Industrieparks an der Küste des Arabischen Meers. Ein interessanter Aspekt der Entwicklung, die in Jemens Nachbarländern wie Äthiopien stattfindet, ist die Ähnlichkeit der Topographie, der Demographie und der wirtschaftlich/finanziellen Bedingungen. Jemenitische Politiker finden dort bestehende Beispiele ähnlicher Infrastrukturprojekte, an denen sie die Vorteile, Schwierigkeiten, technische Aspekte und die Finanzierung untersuchen können. Ich wählte ein Beispiel, um dies mit dem vorgeschlagenen Nord-Süd-Korridor Saada-Aden zu vergleichen. Das ist die äthiopische Bahnstrecke Mekele-Weldiya-Awash, die derzeit im Bau ist (Abbildung 12). Die Bahnstrecke ist 622 km lang (im Vergleich zu dem Projektvorschlag im Jemen von 607 km), und die physischen Merkmale der Strecke sind erstaunlich ähnlich. Beide müssen Berggegenden von 800 m auf über 2300 m ü.d.M überwinden. Für die äthiopische Bahnstrecke müssen 31 Tunnel von einer Gesamtlänge von 20 km, 140 Brücken (mit einer Gesamtlänge von 20 km) und 1300 Abzugskanäle (mit einer Gesamtlänge von 40 km) gebaut werden. Die Gesamtkosten beider Abschnitte der Eisenbahn sind 4 Mrd. US-Dollar. Der äthiopische Staat finanzierte intern den ersten Abschnitt mit 1,5 Mrd. Dollar, und 2,5 Mrd. Dollar wurden über Exportkredite durch die chinesische und türkische Exim-Bank sowie über österreichische und schwedische Auslandskreditfazilitäten bereitgestellt. Weitere Projekte betreffen die Wasser- und Energieversorgung, Landwirtschaft, Industriebetriebe, Industrieparks, Logistikzentren usw. Schluß: Die Grundlage eines dauerhaften FriedensAuf dem Seminar am 6. Juni in Sanaa habe ich vorgeschlagen, daß die dortige Regierung diesen Plan zu einem wesentlichen Bestandteil jeglicher Friedens- und Versöhnungsgespräche zwischen den verschiedenen kriegführenden Parteien im Jemen macht, auf den man sich im Voraus einigt, daß es getan werden muß, wenn wir Frieden haben wollen. Wie ich schon in dem Bericht sage: Wir wollen den Jemen nicht so wieder aufbauen, wie er vor dem Krieg war. Denn vor dem Krieg war der Jemen, wie Sie sich erinnern werden, „das ärmste Land der Region“. Es ist also nicht unsere Absicht, den Jemen dorthin zu bringen, wo er war; wir wollen den Jemen für die Zukunft transformieren. | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||