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Schiller-Institut e. V.
"Zweck der Menschheit ist kein anderer als die
Ausbildung der Kräfte des Menschen, Fortschreitung."
Friedrich Schiller

 

Ein neues Paradigma für eine Zweite Amerikanische Revolution

Harley Schlanger berichtet von der Konferenz des Schiller-Instituts in San Francisco.

Inmitten der sich intensivierenden globalen Krise, in der der Planet von der Gefahr eines Dritten Weltkrieges und Massenhunger bedroht ist, initiierte Helga Zepp-LaRouche, die Gründerin und Vorsitzende des Internationalen Schiller-Instituts und der Bürgerrechtsbewegung Solidarität, eine Serie von Konferenzen mit dem Ziel, ein neues Paradigma für die Menschheit durchzusetzen. Indem sie von Anfang an betonte, daß es das Ziel dieser Konferenzen ist, ein solches neues Paradigma zu schaffen, machte Frau Zepp-LaRouche deutlich, daß diese Konferenzen sich nicht nur auf das Negative konzentrieren würden - wie schlimm die Lage ist, wer für den immer schlechteren Zustand des Planeten verantwortlich ist, und warum -, sondern auf Lösungen, die eine Änderung des Menschenbildes voraussetzen, die Art, wie die Menschen sich selbst und den Sinn ihres Lebens sehen, sodaß eine Änderung der Richtung der Politik nicht auf einer momentan verbreiteten Meinung beruht, die leicht manipuliert werden kann, sondern auf einer solideren und nachhaltigen wissenschaftlichen und humanistischen Basis.

Am 29. Juni fand in San Francisco die fünfte dieser Konferenzen statt, mit dem Untertitel „Die Zweite Amerikanische Revolution“. Nahezu 200 Gäste beteiligten sich an diesem wahrhaft einzigartigen Ereignis, bei dem die Annahmen, mit denen sie gekommen waren, herausgefordert wurden. Am Ende der Konferenz stand die allgemeine Erkenntnis, daß nun eine wirkliche Gelegenheit zu einer Zweiten Amerikanischen Revolution besteht und daß es in der Verantwortung der Anwesenden liegt, sie zu verwirklichen. Dies wird in der Resolution, die von den Teilnehmern verabschiedet wurde (siehe nebenstehenden Kasten) und den Zusagen, für die Verbreitung dieser Ideen zu sorgen, ausdrücklich festgestellt.

Lyndon LaRouches Rolle

Dabei ist festzuhalten, daß der Erfolg dieser Konferenz auf der Revolution in menschlicher Kreativität beruht, die in letzter Zeit von Lyndon LaRouche durch eine Reihe von Schriften über den menschlichen Geist angeregt worden war. LaRouche ist vor allem bekannt für seine erfolgreichen Wirtschaftsprognosen, mit denen er schon in den 1950er Jahre begann, aber seine jüngsten Schriften bieten einen einzigartigen Einblick in die Beziehung zwischen der menschlichen Kreativität und dem evolutionären Fortschritt der Naturwissenschaften, der seinen erfolgreichen Prognosen zugrunde liegt.

Aus LaRouches Sicht ist der voranschreitende Kollaps der Zivilisation weder zyklischer noch „natürlicher“ Art, sondern das Resultat der bewußten Absicht des heutigen anglo-holländischen Empires, den Erfolg der aus der wissenschaftlichen und kulturellen Renaissance des 15. und 16. Jahrhunderts in Europa erwachsenen Amerikanischen Revolution rückgängig zu machen. Der Mensch soll sich lediglich auf seine Sinneswahrnehmungen verlassen, was die Bevölkerung zu Vasallen macht, die unfähig sind, die Macht des Empire herauszufordern. Tatsächlich ist es das Ziel dieses Empires, die Weltbevölkerung um sechs Milliarden Menschen zu verringern! Die Gefahr, daß im Nahen Osten ein Dritter Weltkrieg ausbricht, der Zusammenbruch des Finanzsystems und die damit verbundene Zerstörung der Nahrungsmittelversorgung sind das Ergebnis der bewußten Absicht, die Welt zu entvölkern.

Die Gründung des Schiller-Instituts durch Helga Zepp-LaRouche 1984 bedeutete eine mächtige Intervention in die politischen Kämpfe auf einer höheren Ebene. Das Vorbild Friedrich Schillers als Patriot und Weltbürger, dessen Schriften und Aktivitäten das Prinzip verkörpern, daß jeder von uns für die gesamte Menschheit handeln muß, indem er ein „Ideal“ seiner Selbst entwickelt, damit wir es in anderen hervorrufen können, ist genau das, was wir heute brauchen, um das Empire zu besiegen.

Mit dieser Absicht wurde die Konferenz in San Francisco konzipiert. Die Veranstalter wählten als Ausgangspunkt die zunehmende Erkenntnis führender Schichten der Bevölkerung, daß man jetzt handeln muß, und forderten sie heraus, zu verstehen, daß das, was getan werden muß, auf den grundlegendsten und schönsten Konzepten über die Natur des Menschen beruhen muß, daß es also keine „praktischen“ oder „pragmatischen“ Mittel zur Überwindung der Krise gibt.

Glass-Steagall und NAWAPA

Die Konferenz wurde mit Reden von Lyndon LaRouche und Helga Zepp-LaRouche eröffnet (siehe Neue Solidarität 28/2013). Beide Vorträge waren charakterisiert durch eine Klarheit von Analyse und Lösung der Krise. Ohne Glass-Steagall, betonten beide, gibt es keinen Ausweg aus der Krise. Aber Glass-Steagall ist nur der erste von drei politischen Schritten, die auch die Rückkehr zu einer Hamiltonischen Kreditpolitik und die Finanzierung gewaltiger Infrastrukturprojekte umfaßt, angefangen mit NAWAPA, welche die zur Erhaltung der Bevölkerung notwendige physische Produktion wieder aufbauen.

Daß dies möglich ist, zeigte eine Videobotschaft des Kongreßabgeordneten Walter Jones, der alle Anwesenden dazu aufrief, den Kongreß zu mobilisieren, damit er die HR 129, das Gesetz zur Wiedereinführung des Glass-Steagall-Gesetzes, die er mit eingebracht hat, beschließt.

Nach diesen Eingangsvorträgen gab es drei Vorträge, in denen die vor uns stehenden Gefahren und die Lösungen eingehender dargelegt wurden. Marcia Merry Baker, Redakteurin des Executive Intelligence Review und führende Expertin für die Nahrungsmittel- und Landwirtschaftspolitik, beschrieb im Detail, wie sich die weltweite Nahrungsmittelkrise zuspitzt, die vor allem auf den Mißbrauch von Nahrungsmitteln zur Treibstoffproduktion (Äthanol), den Freihandel und witterungsbedingte Schäden zurückgeht. Sie demonstrierte, daß an dieser Krise nichts „natürlich“ ist, sondern daß die von den globalen Finanz- und Nahrungsmittelkartellen durchgesetzte Politik die Absicht verfolgt, Menschen umzubringen, in einem systemischen Völkermord, der Hitlers Völkermord im Zweiten Weltkrieg bei weitem in den Schatten stellt.

Sie verlas auch die Grüße des bekannten indischen Agronomen Dr. M.S. Swaminathan an die Konferenz, der betonte, daß Indiens „Grüne Revolution“ auf der Anwendung der Prinzipien des Amerikanischen Systems von Abraham Lincoln und Franklin D. Roosevelt beruhte.

Frank Endres, kalifornischer Farmer und führendes Mitglied der National Farm Organization, sekundierte Marcia Bakers Präsentation mit einem Vortrag darüber, wie die Landwirtschaft unter dem Paritätspreissystem, das unter Präsident Roosevelt eingeführt worden war, große Fortschritte machte, und wie sich in diesem System die Prinzipien des Amerikanischen Systems widerspiegeln. Dann zeigte er, wie die Beseitigung der Paritätspreise unter dem britischen System des „Freihandels“-Mantras vom Adam Smith die Familienbetriebe zerstörte, die das produktivste System in der Geschichte der Landwirtschaft sind. Adam Smiths Politik der „billigen Nahrungsmittel“, betonte er, führt zum Massensterben durch Hunger. (Die Vorträge von Baker und Endres sowie die Grußbotschaften con Dr. Swaminathan und Dr. Robert Hux finden Sie in dieser Ausgabe.)

Der nächste Vortrag kam von Hal Cooper, der aufzeigte, wie NAWAPA-plus, ein integriertes System von Verkehrs-, Wasser- und Elektrizitätsanlagen die USA, Kanada, Mittel- und Südamerika, Rußland und China in einem produktiven Bündnis vereinigen könnte.

Diese Themen wurden am Nachmittag weiter vertieft, der sich mit der Frage befaßte, wie LaRouches Politik zu einer Ära der friedlichen Entwicklung und Zusammenarbeit zwischen den USA und Asien führen würde, im Gegensatz zur derzeitigen Konfrontationspolitik der USA gegenüber China, die von der britischen Marionette Obama verfolgt wird. Zu diesem Thema sprachen Butch Valdez, der Vorsitzende der LaRouche-Gesellschaft der Philippinen, Mike Billington vom Executive Intelligence Review, der über den Kontrast zwischen dem Leibniz-LaRoucheschen Ansatz der Staatskunst, und dem der von Obama betriebenen Politik redete, Robert Barwick, führendes Mitglied der LaRouche-Bewegung in Australien, und Victor Chang vom Institute of Sino Strategic Relations, der in seinem Vortrag „China und die USA: unvermeidliche Partner“ die Parallelen zwischen dem konfuzianischen Denken und dem der amerikanischen Gründerväter aufzeigte.

Der Nachmittag schloß mit einem Vortrag Harley Schlangers darüber, wie Kalifornien unter der Glass-Steagall- und Infrastrukturpolitik Franklin Roosevelts zu einem einzigartig produktiven agroindustriellen Motor der Wirtschaft aufgebaut wurde, und wie es unter der Deindustrialisierungspolitik des Freihandels und der Deregulierung sowie dem wissenschaftsfeindlichen Weltbild der Grünen zerstört wird.

Vor seinem Vortrag verlas Schlanger mehrere Grußbotschaften an die Konferenz, aus denen die wachsende Unterstützung aus allen Teilen des politischen Spektrums für LaRouches Lösungen deutlich wurde. Die erste kam von Landessenator Owen Hill aus Colorado, der in seinem Landtag einen Resolutionsantrag zur Unterstützung eingebracht hat und sagte, Glass-Steagall sei „kein Thema der Republikanischen oder Demokratischen Partei... und auch kein Thema der Liberalen, Konservativen oder Libertären“, sondern „einfach ein Thema des gesunden Menschenverstands, daß funktionierende Märkte Risiken und Belohnungen angemessen verteilen müssen, damit niemand mit dem Geld der Steuerzahler spielen kann.“ Die zweite kam von Sean Turnbull, dessen Internetseite „SGT Report“ zu einem Forum von Ron Paul nahestehenden Gegnern der Federal Reserve geworden ist und der in seiner Botschaft Glass-Steagall als einzige gangbare Möglichkeit unterstützte. Eine dritte Botschaft kam von der Präsidentschaftskandidatin der Friedens- und Freiheitspartei, Roseann Barr, die treffend sagte: „Wir müssen den Ballon der Bankster zum Platzen bringen - Glass-Steagall ist der Weg, dies zu tun.“

Wissenschaft und Kultur

Bei der Vortragsrunde am Abend zeigte sich die leidenschaftliche Entschlossenheit der LaRouche-Bewegung und des Schiller-Instituts, die Seelen durch jene Qualität des Denkens zu veredeln, das für wissenschaftliche Entdeckungen und für die klassische Kultur notwendig ist. Schon der zweite Themenkreis war eingeleitet worden durch eine wunderschöne Aufführung von vier Stücken aus Johann Sebastian Bachs H-Moll-Messe. Die Spannung, die sich aus der Konzentration ergab, die Bachs kompositorische Methode voraussetzt, zwang die Zuhörer im Publikum, sich zu entscheiden, wie ernsthaft es ihnen wirklich damit ist, auf einer höheren Ebene zu handeln. Wie sich an der Qualität der Diskussionsbeiträge zeigte, die den Vorträgen folgten, waren fast alle Teilnehmer bereit, sich dieser Herausforderung zu stellen.

Die abendlichen Vorträge wurden durch eine Aufführung des Mozartschen „Dissonanzen-Quartetts“ KV 465 eröffnet und abgeschlossen durch eine sehr intensive Aufführung von Beethovens Cello-Sonate Op. 69 durch My-Hoa Steger und Jean-Sebastian Tremblay. Zwischen diesen Darbietungen sprach der mexikanische Wissenschaftler Omar Pensado Diaz in einer Videobotschaft über den Menschen und die Biosphäre, in der er die üble Inkompetenz des britisch-imperialen Sytems anprangerte. Megan Beets sprach über „Die Sinnes-Ungewißheit der Wahrheit“ und entwickelte anhand von Beispielen das Problem der Täuschung durch die Sinne und den entgegengesetzten Ansatz Johannes Keplers bei seiner Entdeckung der Umlaufbahnen der Planeten, das Thema der jüngsten Schriften von Lyndon LaRouche (Lesen Sie hierzu bitte auch LaRouches Schrift „Was ist ein echtes Genie? Nikolaus von Kues, Kepler und Shakespeare“, die wir in der letzten und in dieser Ausgabe in zwei Teilen abdrucken.)

Phil Rubinstein spann den Faden weiter, indem er auf die ironischen Aspekte der menschlichen Kreativität einging und mit entwaffnendem Humor das Publikum zu der Erkenntnis provozierte, wie wir uns im täglichen Leben auf eine „tierische“ Sinnesgewißheit verlassen, im Gegensatz zu dem uns eigenen mächtigen Potential, uns die Kräfte des physischen Universums zunutze zu machen.

Zum Abschluß der Konferenz appellierte Frau Zepp-LaRouche an alle Teilnehmer, auf der Grundlage des einigenden Themas der Vorträge zu handeln, daß wir eine bessere Menschheit erschaffen können und müssen, wenn wir überleben wollen. Das sei aber keine schmerzvolle Herausforderung, sondern etwas begeisterndes und machbares, wenn wir uns dieser Aufgabe stellen. Der optimistische Geist, den sie am Ende der Vorträge und Diskussionen dieses Tages vermittelte, zeigt, daß die begeisternden Beiträge der kreativen Individuen, die uns vorangegangen sind - wie Nikolaus von Kues, Kepler, die amerikanischen Gründerväter und nicht zuletzt Friedrich Schiller -, auch heute noch leben und in den Seelen der Teilnehmer dieser Veranstaltung zu neuem Leben erweckt werden.

Harley Schlanger