Ein neues Paradigma für eine Zweite Amerikanische Revolution
Harley Schlanger berichtet von der Konferenz des
Schiller-Instituts in San Francisco.
Inmitten der sich intensivierenden globalen Krise, in der der Planet von
der Gefahr eines Dritten Weltkrieges und Massenhunger bedroht ist, initiierte
Helga Zepp-LaRouche, die Gründerin und Vorsitzende des Internationalen
Schiller-Instituts und der Bürgerrechtsbewegung Solidarität, eine Serie von
Konferenzen mit dem Ziel, ein neues Paradigma für die Menschheit
durchzusetzen. Indem sie von Anfang an betonte, daß es das Ziel dieser
Konferenzen ist, ein solches neues Paradigma zu schaffen, machte Frau
Zepp-LaRouche deutlich, daß diese Konferenzen sich nicht nur auf das Negative
konzentrieren würden - wie schlimm die Lage ist, wer für den immer
schlechteren Zustand des Planeten verantwortlich ist, und warum -, sondern auf
Lösungen, die eine Änderung des Menschenbildes voraussetzen, die Art, wie die
Menschen sich selbst und den Sinn ihres Lebens sehen, sodaß eine Änderung der
Richtung der Politik nicht auf einer momentan verbreiteten Meinung beruht, die
leicht manipuliert werden kann, sondern auf einer solideren und nachhaltigen
wissenschaftlichen und humanistischen Basis.
Am 29. Juni fand in San Francisco die fünfte dieser Konferenzen statt, mit
dem Untertitel „Die Zweite Amerikanische Revolution“. Nahezu 200 Gäste
beteiligten sich an diesem wahrhaft einzigartigen Ereignis, bei dem die
Annahmen, mit denen sie gekommen waren, herausgefordert wurden. Am Ende der
Konferenz stand die allgemeine Erkenntnis, daß nun eine wirkliche Gelegenheit
zu einer Zweiten Amerikanischen Revolution besteht und daß es in der
Verantwortung der Anwesenden liegt, sie zu verwirklichen. Dies wird in der
Resolution, die von den Teilnehmern verabschiedet wurde (siehe nebenstehenden
Kasten) und den Zusagen, für die Verbreitung dieser Ideen zu sorgen,
ausdrücklich festgestellt.
Lyndon LaRouches Rolle
Dabei ist festzuhalten, daß der Erfolg dieser Konferenz auf der Revolution
in menschlicher Kreativität beruht, die in letzter Zeit von Lyndon LaRouche
durch eine Reihe von Schriften über den menschlichen Geist angeregt worden
war. LaRouche ist vor allem bekannt für seine erfolgreichen
Wirtschaftsprognosen, mit denen er schon in den 1950er Jahre begann, aber
seine jüngsten Schriften bieten einen einzigartigen Einblick in die Beziehung
zwischen der menschlichen Kreativität und dem evolutionären Fortschritt der
Naturwissenschaften, der seinen erfolgreichen Prognosen zugrunde liegt.
Aus LaRouches Sicht ist der voranschreitende Kollaps der Zivilisation weder
zyklischer noch „natürlicher“ Art, sondern das Resultat der bewußten Absicht
des heutigen anglo-holländischen Empires, den Erfolg der aus der
wissenschaftlichen und kulturellen Renaissance des 15. und 16. Jahrhunderts in
Europa erwachsenen Amerikanischen Revolution rückgängig zu machen. Der Mensch
soll sich lediglich auf seine Sinneswahrnehmungen verlassen, was die
Bevölkerung zu Vasallen macht, die unfähig sind, die Macht des Empire
herauszufordern. Tatsächlich ist es das Ziel dieses Empires, die
Weltbevölkerung um sechs Milliarden Menschen zu verringern! Die Gefahr, daß im
Nahen Osten ein Dritter Weltkrieg ausbricht, der Zusammenbruch des
Finanzsystems und die damit verbundene Zerstörung der Nahrungsmittelversorgung
sind das Ergebnis der bewußten Absicht, die Welt zu entvölkern.
Die Gründung des Schiller-Instituts durch Helga Zepp-LaRouche 1984
bedeutete eine mächtige Intervention in die politischen Kämpfe auf einer
höheren Ebene. Das Vorbild Friedrich Schillers als Patriot und Weltbürger,
dessen Schriften und Aktivitäten das Prinzip verkörpern, daß jeder von uns für
die gesamte Menschheit handeln muß, indem er ein „Ideal“ seiner Selbst
entwickelt, damit wir es in anderen hervorrufen können, ist genau das, was wir
heute brauchen, um das Empire zu besiegen.
Mit dieser Absicht wurde die Konferenz in San Francisco konzipiert. Die
Veranstalter wählten als Ausgangspunkt die zunehmende Erkenntnis führender
Schichten der Bevölkerung, daß man jetzt handeln muß, und forderten sie
heraus, zu verstehen, daß das, was getan werden muß, auf den grundlegendsten
und schönsten Konzepten über die Natur des Menschen beruhen muß, daß es also
keine „praktischen“ oder „pragmatischen“ Mittel zur Überwindung der Krise
gibt.
Glass-Steagall und NAWAPA
Die Konferenz wurde mit Reden von Lyndon LaRouche und Helga Zepp-LaRouche
eröffnet (siehe Neue Solidarität 28/2013). Beide Vorträge waren
charakterisiert durch eine Klarheit von Analyse und Lösung der Krise. Ohne
Glass-Steagall, betonten beide, gibt es keinen Ausweg aus der Krise. Aber
Glass-Steagall ist nur der erste von drei politischen Schritten, die auch die
Rückkehr zu einer Hamiltonischen Kreditpolitik und die Finanzierung gewaltiger
Infrastrukturprojekte umfaßt, angefangen mit NAWAPA, welche die zur Erhaltung
der Bevölkerung notwendige physische Produktion wieder aufbauen.
Daß dies möglich ist, zeigte eine Videobotschaft des Kongreßabgeordneten
Walter Jones, der alle Anwesenden dazu aufrief, den Kongreß zu mobilisieren,
damit er die HR 129, das Gesetz zur Wiedereinführung des
Glass-Steagall-Gesetzes, die er mit eingebracht hat, beschließt.
Nach diesen Eingangsvorträgen gab es drei Vorträge, in denen die vor uns
stehenden Gefahren und die Lösungen eingehender dargelegt wurden. Marcia Merry
Baker, Redakteurin des Executive Intelligence Review und führende
Expertin für die Nahrungsmittel- und Landwirtschaftspolitik, beschrieb im
Detail, wie sich die weltweite Nahrungsmittelkrise zuspitzt, die vor allem auf
den Mißbrauch von Nahrungsmitteln zur Treibstoffproduktion (Äthanol), den
Freihandel und witterungsbedingte Schäden zurückgeht. Sie demonstrierte, daß
an dieser Krise nichts „natürlich“ ist, sondern daß die von den globalen
Finanz- und Nahrungsmittelkartellen durchgesetzte Politik die Absicht
verfolgt, Menschen umzubringen, in einem systemischen Völkermord, der Hitlers
Völkermord im Zweiten Weltkrieg bei weitem in den Schatten stellt.
Sie verlas auch die Grüße des bekannten indischen Agronomen Dr. M.S.
Swaminathan an die Konferenz, der betonte, daß Indiens „Grüne Revolution“ auf
der Anwendung der Prinzipien des Amerikanischen Systems von Abraham Lincoln
und Franklin D. Roosevelt beruhte.
Frank Endres, kalifornischer Farmer und führendes Mitglied der National
Farm Organization, sekundierte Marcia Bakers Präsentation mit einem Vortrag
darüber, wie die Landwirtschaft unter dem Paritätspreissystem, das unter
Präsident Roosevelt eingeführt worden war, große Fortschritte machte, und wie
sich in diesem System die Prinzipien des Amerikanischen Systems widerspiegeln.
Dann zeigte er, wie die Beseitigung der Paritätspreise unter dem britischen
System des „Freihandels“-Mantras vom Adam Smith die Familienbetriebe
zerstörte, die das produktivste System in der Geschichte der Landwirtschaft
sind. Adam Smiths Politik der „billigen Nahrungsmittel“, betonte er, führt zum
Massensterben durch Hunger. (Die Vorträge von Baker und Endres sowie die
Grußbotschaften con Dr. Swaminathan und Dr. Robert Hux finden Sie in dieser
Ausgabe.)
Der nächste Vortrag kam von Hal Cooper, der aufzeigte, wie NAWAPA-plus, ein
integriertes System von Verkehrs-, Wasser- und Elektrizitätsanlagen die USA,
Kanada, Mittel- und Südamerika, Rußland und China in einem produktiven Bündnis
vereinigen könnte.
Diese Themen wurden am Nachmittag weiter vertieft, der sich mit der Frage
befaßte, wie LaRouches Politik zu einer Ära der friedlichen Entwicklung und
Zusammenarbeit zwischen den USA und Asien führen würde, im Gegensatz zur
derzeitigen Konfrontationspolitik der USA gegenüber China, die von der
britischen Marionette Obama verfolgt wird. Zu diesem Thema sprachen Butch
Valdez, der Vorsitzende der LaRouche-Gesellschaft der Philippinen, Mike
Billington vom Executive Intelligence Review, der über den Kontrast
zwischen dem Leibniz-LaRoucheschen Ansatz der Staatskunst, und dem der von
Obama betriebenen Politik redete, Robert Barwick, führendes Mitglied der
LaRouche-Bewegung in Australien, und Victor Chang vom Institute of Sino
Strategic Relations, der in seinem Vortrag „China und die USA: unvermeidliche
Partner“ die Parallelen zwischen dem konfuzianischen Denken und dem der
amerikanischen Gründerväter aufzeigte.
Der Nachmittag schloß mit einem Vortrag Harley Schlangers darüber, wie
Kalifornien unter der Glass-Steagall- und Infrastrukturpolitik Franklin
Roosevelts zu einem einzigartig produktiven agroindustriellen Motor der
Wirtschaft aufgebaut wurde, und wie es unter der Deindustrialisierungspolitik
des Freihandels und der Deregulierung sowie dem wissenschaftsfeindlichen
Weltbild der Grünen zerstört wird.
Vor seinem Vortrag verlas Schlanger mehrere Grußbotschaften an die
Konferenz, aus denen die wachsende Unterstützung aus allen Teilen des
politischen Spektrums für LaRouches Lösungen deutlich wurde. Die erste kam von
Landessenator Owen Hill aus Colorado, der in seinem Landtag einen
Resolutionsantrag zur Unterstützung eingebracht hat und sagte, Glass-Steagall
sei „kein Thema der Republikanischen oder Demokratischen Partei... und auch
kein Thema der Liberalen, Konservativen oder Libertären“, sondern „einfach ein
Thema des gesunden Menschenverstands, daß funktionierende Märkte Risiken und
Belohnungen angemessen verteilen müssen, damit niemand mit dem Geld der
Steuerzahler spielen kann.“ Die zweite kam von Sean Turnbull, dessen
Internetseite „SGT Report“ zu einem Forum von Ron Paul nahestehenden Gegnern
der Federal Reserve geworden ist und der in seiner Botschaft Glass-Steagall
als einzige gangbare Möglichkeit unterstützte. Eine dritte Botschaft kam von
der Präsidentschaftskandidatin der Friedens- und Freiheitspartei, Roseann
Barr, die treffend sagte: „Wir müssen den Ballon der Bankster zum Platzen
bringen - Glass-Steagall ist der Weg, dies zu tun.“
Wissenschaft und Kultur
Bei der Vortragsrunde am Abend zeigte sich die leidenschaftliche
Entschlossenheit der LaRouche-Bewegung und des Schiller-Instituts, die Seelen
durch jene Qualität des Denkens zu veredeln, das für wissenschaftliche
Entdeckungen und für die klassische Kultur notwendig ist. Schon der zweite
Themenkreis war eingeleitet worden durch eine wunderschöne Aufführung von vier
Stücken aus Johann Sebastian Bachs H-Moll-Messe. Die Spannung, die sich aus
der Konzentration ergab, die Bachs kompositorische Methode voraussetzt, zwang
die Zuhörer im Publikum, sich zu entscheiden, wie ernsthaft es ihnen wirklich
damit ist, auf einer höheren Ebene zu handeln. Wie sich an der Qualität der
Diskussionsbeiträge zeigte, die den Vorträgen folgten, waren fast alle
Teilnehmer bereit, sich dieser Herausforderung zu stellen.
Die abendlichen Vorträge wurden durch eine Aufführung des Mozartschen
„Dissonanzen-Quartetts“ KV 465 eröffnet und abgeschlossen durch eine sehr
intensive Aufführung von Beethovens Cello-Sonate Op. 69 durch My-Hoa Steger
und Jean-Sebastian Tremblay. Zwischen diesen Darbietungen sprach der
mexikanische Wissenschaftler Omar Pensado Diaz in einer Videobotschaft über
den Menschen und die Biosphäre, in der er die üble Inkompetenz des
britisch-imperialen Sytems anprangerte. Megan Beets sprach über „Die
Sinnes-Ungewißheit der Wahrheit“ und entwickelte anhand von Beispielen das
Problem der Täuschung durch die Sinne und den entgegengesetzten Ansatz
Johannes Keplers bei seiner Entdeckung der Umlaufbahnen der Planeten, das
Thema der jüngsten Schriften von Lyndon LaRouche (Lesen Sie hierzu bitte auch
LaRouches Schrift „Was ist ein echtes Genie? Nikolaus von Kues, Kepler und
Shakespeare“, die wir in der letzten und in dieser Ausgabe in zwei Teilen
abdrucken.)
Phil Rubinstein spann den Faden weiter, indem er auf die ironischen Aspekte
der menschlichen Kreativität einging und mit entwaffnendem Humor das Publikum
zu der Erkenntnis provozierte, wie wir uns im täglichen Leben auf eine
„tierische“ Sinnesgewißheit verlassen, im Gegensatz zu dem uns eigenen
mächtigen Potential, uns die Kräfte des physischen Universums zunutze zu
machen.
Zum Abschluß der Konferenz appellierte Frau Zepp-LaRouche an alle
Teilnehmer, auf der Grundlage des einigenden Themas der Vorträge zu handeln,
daß wir eine bessere Menschheit erschaffen können und müssen, wenn wir
überleben wollen. Das sei aber keine schmerzvolle Herausforderung, sondern
etwas begeisterndes und machbares, wenn wir uns dieser Aufgabe stellen. Der
optimistische Geist, den sie am Ende der Vorträge und Diskussionen dieses
Tages vermittelte, zeigt, daß die begeisternden Beiträge der kreativen
Individuen, die uns vorangegangen sind - wie Nikolaus von Kues, Kepler, die
amerikanischen Gründerväter und nicht zuletzt Friedrich Schiller -, auch heute
noch leben und in den Seelen der Teilnehmer dieser Veranstaltung zu neuem
Leben erweckt werden.
Harley Schlanger
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